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Am Freitag, den 19. Oktober 2018 laden wir ein zum Kongress
"Meditation und die Zukunft der Bildung"

Die Erfahrung: In der Ruhe liegt die Kraft!

Meditation ist die Methode, mit sich und der Welt besser und gelassener umgehen zu können. Stressreduzierung und Ausgeglichenheit verbinden sich mit Achtsamkeit und neuer Klarheit des Denkens. Genau diese Eigenschaften brauchen Studierende und Schülerinnen und Schüler heute.

Das Konzept: Meditation als Bestandteil von Bildung und Ausbildung

Meditation ist nicht etwas, was als zusätzliches Angebot neben Hochschule und Schule stehen sollte  – vielmehr muss sie als Experiment der eigenen Erfahrung in die Curricula einfließen.  Die meditative Bewusstseinsschulung bringt neue Kompetenzen und neue Handlungsfähigkeiten hervor und  macht unsere Studierenden fit für die Herausforderungen unserer Zeit.

Die Vision: Meditation als Weg zur zukunftssicheren Veränderung von Wissenschaft und Gesellschaft

Die immer weiter wachsende Komplexität moderner Gesellschaften verlangt nach einer Kultivierung und Erweiterung der Kompetenzen unseres Bewusstseins.  Die meditativ-subjektive „Innensicht“ auf die Welt wird mit der „objektiven Außensicht“ der (Natur-) Wissenschaften zusammengeführt, um das gesamte Bildungssystem zu befruchten und zu verändern. Es geht also um wesentlich mehr als „nur“ um Meditation. Eine gesellschaftliche Evolution zu einem  „integralen“ Bewusstsein kann den synchronen Blick auf alle Aspekte der subjektiven und objektiven Welt ermöglichen.

Wir laden Sie herzlich ein, sich inspirieren und anregen zu lassen. Mit begeisternden Impulsen, spannenden Gespräche und kontroversen Diskussionen!

Wir freuen uns,  Sie in Frankfurt begrüßen zu dürfen!

Dr. Reiner Frey | Prof. Dr. Gerd-Dietrich Döben-Henisch | Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich

Überblick

Namhafte Expertinnen und Experten aus Hochschule und Schule bringen ihre Erfahrungen und ihr Wissen über Meditation und Achtsamkeit, sowie über Geschichte und Evolution von Bildung in unserer Gesellschaft ein: 
Andreas de Bruin, Peter Gottwald, Ulrich Ott, Vera Kaltwasser und Harald Walach.  
Sie diskutieren miteinander und bieten Gelegenheit zur Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.  
Hochschulleitung und Projektteam stellen das Vorhaben „Persönlichkeit, Reflexion und Gesellschaft“ an der Frankfurt University of Applied Sciences vor.  
Ein Podium mit allen Referentinnen und Referenten am Ende der Veranstaltung wird die Beiträge zusammenfassen, ein Resümee ziehen und einen Ausblick geben.

„Praxisboxen“ unter dem Motto „Stille - Bewegung - Klang“

Alle Kongressteilnehmer haben die Möglichkeit, in zwei separaten angeleiteten Praxisphasen verschiedene  Meditationsformen kennen zu lernen. Einige unserer Referentinnen und Referenten leiten selbst Meditation und Yoga an. Das Angebot wird ergänzt von weiteren Meditationslehrerinnen und -lehrern in den Bereichen Bewegung und Klang.

Die Teilnahmegebühr beträgt 65 € inkl. Verpflegung, für Studierende sowie Angehörige der Frankfurt UAS 15 €.

Die einzelnen Beiträge im Detail

Vorstellung des Frankfurter Projekts durch das Projektteam: Frank E.P. Dievernich, Gerd Döben-Henisch und Reiner Frey

Als strategisches Projekt wird seit 2016 an der Frankfurt University of Applied Sciences Bewusstseinsschulung durch Meditation und Reflexion eingeführt.
Durch die Versenkung in Ruhe sowie das Üben einer ganz neuen Achtsamkeit für den eigenen Geist und die äußere Welt finden die Studierenden einen veränderten Zugang zu sich selbst, ihrem Studium und zu gesellschaftlichen Zusammenhängen. Das eigene Studienfach und das spätere Berufsspektrum erscheinen in neuem Licht. Wer ruhig und achtsam ist, kann Herausforderungen seines Studiums und seiner Arbeit besser erkennen und wird zugleich fokussierter, konzentrierter damit umgehen können. Konzentrieren und fokussieren bedeutet, den Geist an „einen Ort“ zu bringen, und genau das ist die Übung der Meditation.  Wer dies gelernt hat, ist kreativer und intuitiver und wird ohne Unsicherheiten oder Befürchtungen seine Fähigkeiten ausbauen. Gute Ergebnisse und persönliche und soziale Erfolge resultieren daraus.
Angebote für Studierende gibt es im Studium Generale und in freien Kursen. Auch für Lehrende und Mitarbeitende finden Veranstaltungen statt.

Dr.Reiner Frey war langjähriger Kanzler der Frankfurt University of Applied Sciences und ist heute Projektleiter von „Persönlichkeit, Reflexion und Gesellschaft“. Er kann auf mehr als 30 Jahre an eigener Meditationserfahrung mit verschiedenen buddhistischen Lehrer/-innen zurückblicken. Seit 1991 ist er Schüler der Dharma-Meisterin Ji Kwang Dae Poep Sa Nim in der Yun Hwa Denomination of World Social Buddhism, die als ‚Sozialer Buddhismus‘ in der Tradition des Mahayana-Buddhismus steht. Als Mitglied des Rates engagiert er sich in der Deutschen Buddhistischen Union.

Prof. Dr.phil Dipl.theol. Gerd-Dietrich Döben-Henisch ist emeritierter Professor des Fachbereichs Informatik und Ingenieurwissenschaften der Frankfurt University of Applied Sciences. Seine Schwerpunkte sind ‚Mensch-Maschine-Interaktion', 'Künstliche Intelligenz' sowie das Thema 'Die Zukunft von Mensch und Maschine'. Er unterrichtete verschiedene Themen der Informatik und promovierte in Logik und Wissenschaftstheorie an der LMU in München. Zudem hat er eine vollständige Ausbildung in katholischer Theologie (er war 22 Jahre lang Mitglied des Jesuiten-Ordens) und arbeitete viele Jahre in weiteren Gebieten wie Jugendsozialarbeit, Psychologie, Phonetik, theoretische Linguistik und klassische Philosophie.

Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich ist Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences sowie Professor für Organisationsberatung und Coaching am Fachbereich Wirtschaft und Recht. Als Soziologe und Betriebswirt liegen seine Schwerpunkte im Change- und Human Resource Management sowie in  der Frage nach den gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung. Zuvor war es als Manager in der Industrie und der Unternehmensberatung tätig. Er ist ausgebildeter systemischer Businesscoach und Lehrtrainer und verfügt über eine Grundausbildung in systemischer Familientherapie. Meditation und Yoga begleiten ihn theoretisch und praktisch seit Jahren. Er ist zudem Kolumnist der Welt.

Meditation wird in der neurowissenschaftlichen Forschung häufig als mentales Training zur Selbstregulation konzipiert. Die Meditierenden lernen, ihr vegetatives Nervensystem zu regulieren (Entspannung), ihre Aufmerksamkeit (Konzentration, Achtsamkeit) und ihre Emotionen (Gelassenheit, Mitgefühl, Güte). Ebenso wie Lesen, Schreiben und Rechnen könnten Schüler/-innen (und Studierende) persönlich sehr davon profitieren, dieses kleine ABC der Selbstregulation durch Meditation zu erlernen, um beispielsweise mit Stress bei Arbeiten besser umgehen zu können.

Der Vortrag gibt einen Überblick über die Wirkungen von Meditation auf Psyche und Gehirn und Implikationen für Anwendungen im Bildungsbereich.

Dr. Ulrich Ott ist Diplom-Psychologe und erforscht seit über zwanzig Jahren an der Universität Gießen veränderte Bewusstseinszustände und Meditation. Sein Forschungsschwerpunkt sind Effekte von Meditation auf die Funktion und Struktur des Gehirns, die er am Bender Institute of Neuroimaging (BION) mittels Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht. 
Außerdem lehrt er im Fachbereich Psychologie zu Yoga und Meditation.

Veröffentlichungen zum Thema
  • (2010). Meditation für Skeptiker. München: O. W. Barth.
  • (2013). Yoga für Skeptiker. München: O. W. Barth

Andreas de Bruin: Vom Intellekt zur Intuition. Meditation im Hochschulkontext - das Münchner Modell

Die Achtsamkeits- und Meditationsforschung hat in vielerlei Weise belegt, dass sich Fähigkeiten wie Konzentration, Mitgefühl, Umgang mit Stress, Emotionsregulation sowie das Gesundheits- und Wohlbefinden im Allgemeinen durch eine meditative Praxis verbessern. Alle diese Faktoren sind wichtig für Studierende; nicht zuletzt haben sie einen positiven Einfluss sowohl auf die Leistungen als auch auf die Kreativität. Insbesondere zwischen Meditation und Kreativität besteht eine Verbindung, da wir in der Meditation in den „tieferen Bereich unseres Wesens“ eintauchen und uns dadurch unserer inhärenten schöpferischen Fähigkeiten bewusst werden können. Dieser unmittelbare Erkenntnisgewinn, der auf einer anderen Bewusstseinsebene stattfindet und von dort direkt in den Verstand hineinwirkt, wird auch Intuition genannt. Der Vortrag beleuchtet das Münchner Modell „Meditation im Hochschulkontext“ und zeigt Beispiele auf, wie die Intuition an Hochschulen gefördert werden kann.

Vera Kaltwasser: Das Potential der Achtsamkeit für die Bildung oder Achtsamkeit in der Schule

Das Potential der Achtsamkeit hinsichtlich der emotionalen Selbstregulation, Aufmerksamkeitssteuerung und Beziehungsgestaltung ist in den letzten Jahren wissenschaftlich gut belegt. Vera Kaltwasser erläutert  die für den Bildungskontext  relevante Ergebnisse der Achtsamkeitsforschung und berichtet davon, wie in der Lehrer/-innenfortbildung (z.B. in einjährigen Weiterbildungsprojekten des Staatlichen Schulamts Frankfurt) und sodann im schulischen Unterricht Achtsamkeit als Bewusstseinsprozess von dafür ausgebildeten Lehrer/-innen vermittelt wird und wie es gelingen kann, dass eine Schulkultur entsteht, die Besinnung, Innehalten, gegenseitige Wertschätzung und ethisches Handeln umfasst.

Prof. Dr. Andreas de Bruin unterrichtet an der Hochschule München und im Rahmen einer Bildungs- und Forschungskooperation zusätzlich an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Zu seinen Lehr- und Forschungsschwerpunkten gehören insbesondere die Wirkungsdimensionen von Meditation und Achtsamkeit. Er ist Initiator und Leiter des Münchner Modells „Meditation im Hochschulkontext“ sowie des öffentlichen und kostenlosen Rahmenprogramms „Spirituelle Lehrer und ihre Unterweisungen“.

Weitere Informationen: www.hm.edu/meditationsmodell

Vera Kaltwasser: Oberstudienrätin, Autorin, Theaterpädagogin, MBSR-Lehrerin (Mindfulness-Based-Stressreduction), Entwicklung des Rahmencurriculums AISCHU – Achtsamkeit in der Schule – Lehrerfortbildnerin, akkreditiert von der Hessischen Lehrkräfteakademie, bundesweite Fortbildungen u.a. auch am Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung

Weitere Informationen: www.vera-kaltwasser.de

Veröffentlichung zum Thema
  • Praxisbuch Achtsamkeit in der Schule. Selbstregulation und Beziehungsfähigkeit als Basis von Bildung, Weinheim, Beltz 2016

Peter Gottwald: Zen und integrales Bewusstsein

Folgt man Jaspers, Gebser u.v.a. Autoren, so ist die kulturelle Evolution der Menschheit in Sprüngen, gleichsam Mutationen, verlaufen: Auf archaische Kulturen folgten solche, die vom Mythos bestimmt waren; in der „Achsenzeit“ (Jaspers, analog und zeitgleich Gebser) begann eine neue Kultur, die eine „mentale“ genannt worden ist.

Sie hat den Begriff und die Praxis der Vernunft entwickelt, auf dem die wissenschaftlich-technische Zivilisation beruht. Dabei wurde die Bedeutung der Religionen relativiert. Es gilt auch heute noch, diese Vernunft in jedem Menschen zu entwickeln und sie gegen die Versuchungen, die aus mythischen wie magischen Gestimmtheiten folgen, abzusichern. Zugleich muss die Zuspitzung der Vernunft auf reine Rationalität kritisiert werden. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach einer nächsten „Mutation“ des Bewusstseins, damit nach einer neuen Kultur. Hierzu hat Jean Gebser ein epochales Werk vorgelegt, in dem er die Fundamente einer neuen Weltsicht darlegt und die Keime eines Integralen Bewusstseins vorfindet.

Ein Aspekt dieser neuen Struktur ist die Bereitschaft, die immer noch tief in uns wirksamen magischen und mythischen Strukturen wahrzunehmen (statt sie zu bekämpfen) und achtsam damit umzugehen. Desgleichen gilt es, wie oben gesagt, die Errungenschaften des mentalen Bewusstseins, vor allem die Vernunft, ebenfalls zu wahren und zu entwickeln. Neben diesen fortzusetzenden Übungen ist es eine Akzentuierung der spirituellen Traditionen, die dieses Neue in jedem Menschen hervorzubringen vermag. Übungen wie die Praxis des Zen haben seit jeher ungewöhnliche und stark prägende Bewusstseinszustände wie „Erleuchtung“ ermöglicht, nach deren Integration sich tatsächlich auch eine neue Struktur stabilisieren kann, die Basis einer neuen Kultur zu werden verspricht.

In der Krise unserer Gegenwart ist die Wahrnehmung einer solchen Möglichkeit eine neue Chance, die es mit allen Kräften zu fördern gilt. Die weltweite Bewegung, die sich in Begriffen wie Achtsamkeit und Meditation äußert und verwirklicht, die sich auch politisch etwa mit dem Begriff der Nachhaltigkeit verbindet, ist unsere einzige Hoffnung.

Prof. em. Dr. Dr. Peter Gottwald war Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie mit dem Schwerpunkt Psychotherapie an der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg. Forschungsschwerpunkte: Psychoonkologie: Versorgungskonzepte, Krankheits-, Therapie-, Rehabilitations-Begleitforschung;  Bewusstseinsforschung: Evolution des Bewusstseins, Tiefen- und Höhenpsychologie, Philosophische (Kultur-)Anthropologie;  Beratungsforschung: Didaktik der Lehre in Beratung / Kurztherapie. Sein Interesse richtet sich insbesondere auf die Verwirklichung des von Jean Gebser so genannten Integralen Bewusstseins. Als Zenschüler steht er seit 1981 in der Tradition der Kamakura Schule der Drei Kostbarkeiten.

Veröffentlichungen zum Thema
  • In der Vorschule einer Freien Psychologie. Forschungsbericht eines Hochschullehrers und  Zenschülers. Oldenburg, 2. Aufl. 1993
  • Integrales Bewusstsein: Wie es zur Sprache – und zur Welt – bringen? Berlin 2012

Harald Walach: Kultivierung des Bewusstseins – Bildungsaufgabe für die Zukunft

Das Bildungssystem des Westens, das Universitätssystem zumal, ist in der letzten Zeit immer mehr zu einer Vermittlungsinstanz von Wissen geworden. Die ursprüngliche Idee einer Bildung der Person, wie sie Humboldt vorschwebte, oder Formung eines Charakters, wie sie das humanistische Ideal auszeichnet, ist fast ganz verschwunden.

Was aber genau soll denn vermittelt werden in einer Zeit, in der alles Wissen und alle Information wohlfeil auf Knopfdruck scheinbar für jedermann verfügbar sind?
Worin besteht denn Wissen in einer Gesellschaft, in der das neu erzeugte Wissen eine Halbwertszeit von wenigen Jahren hat und Absolventinnen und Absolventen mit dem Lehrbuchwissen ihrer ersten Studiensemester schon beim Berufseinstieg nichts mehr anfangen können?

Die Antwort auf diese Fragen muss offenkundig auf Meta-Wissen und Meta-Fähigkeiten verweisen. Diese aber konzentrieren sich notwendig auf die grundlegende Fähigkeit, mit seinem Bewusstsein konstruktiv umzugehen: Informationen zu bewerten; sich auf wichtige Dinge konzentrieren zu können und Ablenkungen zu vermeiden; unkonstruktive Gedankenschleifen unterbrechen zu können; zu wissen welche Information wertvoll ist und welche weniger; entscheiden zu können welche Informationsquelle verlässlich ist und welche nicht. Und schließlich sein Bewusstsein zu schulen und benützen zu können als das delikate Instrument, das es ist. „Transformatives Lernen“ nennt man diese Form der Bildung, die weniger Inhalte, als Fähigkeiten und vor allem die Fähigkeit sich an neue Situationen anzupassen im Blick hat. Ein anscheinend altertümlicher aber eigentlich revolutionär neuer Begriff wäre: Bildung und Kultivierung des Bewusstseins. Er wird in der Pali-Sprache als „dhyana“ bezeichnet und wurde von den Indologen des 19. Jhdt. mit „Meditation“ übersetzt.

Spiritualität wird gerne als Antithese zur Wissenschaft gesehen und damit als anti-aufklärerisch. Im besten Falle wird sie außerhalb der Sphäre der Wissenschaft und ihrer Rationalität verortet und dem Bereich des Privaten zugeordnet. Mir scheint, sie stellt ein intellektuelles Tabu unserer Zeit dar. Dies wird verständlich, wenn man die Geschichte der Wissenschaft selbst betrachtet: sie ist Kind und Motor der Aufklärung, die sich bekanntermaßen gegen Bevormundung aus kirchlichen und politischen Kreisen zur Wehr setzte. Dabei wurde auch Spiritualität als menschlicher Erfahrungsmodus ausgegrenzt.

In diesem Vortrag werde ich eine Skizze dieses Prozesses vorlegen und zeigen: es gab bereits in unserer westlichen Geschichte einige frühere Versuche, Spiritualität als inneren Erfahrungszugang im Wissenschaftsprozess zu verankern. Daraus entstanden mystische Strömungen der Theologie im Mittelalter. Neue Versuche, etwa durch Franz Brentano oder William James, Spiritualität und eine Epistemologie der inneren Erfahrung im Wissenschaftsprozess zu verankern sind im 19. Jahrhundert an der damals vorherrschenden geistigen Strömung gescheitert. Womöglich wird es heute Zeit, dieses Projekt wieder aufzugreifen? Mit dieser Frage wird sich dieser Beitrag beschäftigen. Säkulare Spiritualität heißt, die Aufklärung weiterzuführen.

Prof. Dr. Dr. Harald Walach ist derzeit Professor an der Medizinischen Universität Poznan und lehrt dort Achtsamkeit für die internationalen Medizinstudierenden. Außerdem ist er Gastprofessor und Dozent für philosophische Grundlagen der Psychologie an  der Universität Witten-Herdecke sowie Gründer und Leiter des Change-Health-Science Instituts in Berlin. Von 2010 bis 2016 leitete er das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Er hat in Wissenschaftsgeschichte und in klinischer Psychologie promoviert, sich seit vielen Jahren mit Achtsamkeit und den Zusammenhängen zwischen Bewusstsein und Gesundheit beschäftigt.

Publikationen zum Thema
  • Walach, H. (2015 (orig. 2011)). Spiritualität: Warum wir die Aufklärung weiterführen müssen. Klein Jasedow: Drachen Verlag. (engl.: Secular Spirituality, 2017, Springer Verlag)
  • Hugo de Balma. (2017). Die Wege nach Sion trauern: Viae Sion lugent, auch überliefert unter dem Titel "Mystische Theologie". Übersetzt, eingeleitet und erläutert von Harald Walach. Münsterschwarzach: Vier Türme Verlag.

Alle Kongressteilnehmenden haben die Möglichkeit, in zwei separaten angeleiteten Praxisphasen (in verschiedenen Räumen) verschiedene Mediationsformen kennen zu lernen. Einer Einführung folgt die praktische Übung in der Gruppe. Danach besteht die Gelegenheit für Fragen und Austausch.

  • Zen-Meditation steht für Stille und Leere des Geistes. Prof. Walach leitet sie an.
  • Den Fokus auf Achtsamkeit und Bewegung richtet Vera Kaltwasser. Die Meditation umfasst ebenso eine gelenkte Imagination im Sitzen.
  • Ein Beispiel für innere Versenkung gibt Prof. de Bruin. Meditationsformen, die mehr auf die innere Versenkung abzielen, lassen die Gedanken- und Gefühlswelt ganz außer Acht. Dadurch entsteht ein Kontakt zur inneren Inspirationsquelle, zum inneren Raum, dem Selbst oder der Seele – als einer anderen Ebene des Bewusstseins –, die in dem Zustand der Meditation erfahrbar wird.
  • Hatha-Yoga: das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist durch einfache körperliche Übungen wird im Workshop von Dr. Ulrich Ott vorstellt und praktiziert.
  • Ki Song- Übungen: Energie und Bewegung in Balance -  im Workshop von Melanie Zimmermann.
    In vielfältiger Weise wirken Ki Song- Übungen auf Körper und Geist. Der Körper wird in seinem organischen Zusammenspiel aktiviert und harmonisiert. Der Organismus wird gestärkt, wird kraftvoll und stabil,  zugleich flexibel und entspannt und kann sich ausdehnen.
  • Meditativen Klang erfahren durch das gemeinsame Singen eines koreanischen Mantras in der Tradition der buddhistischen Yun Hwa Sangha. Angeleitet durch Oliver Riedzewski.

Das Kongressprogramm

Von Bis Programmpunkt Personen
09:30 10:00 Ankunft Teilnehmende, Registrierung, Kaffee und Getränke  
10:00 10:10 Begrüßung
Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences
Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich
10:10 10:35 Meditation und Bewusstseinsschulung in der Hochschule –
Vorstellung des Frankfurter Projekts
Dr. Reiner Frey
Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich
Prof. Dr. Gerd Döben-Henisch
10:40 11:25 Wirkungen von Meditation aus neurowissenschaftlicher Sicht –
Warum wir Meditation im Bildungsbereich einführen sollten
Dr. Ulrich Ott
11:30 12:15 Praxis-Box 1:
- Stille: Zen-Meditation
- Bewegung: Ki Song
- Achtsames Bewegen und gelenkte Imagination im Sitzen
Prof. Dr. Dr. Harald Walach
Melanie Zimmermann
Vera Kaltwasser
12:15 13:15 Pause, Mittagessen  
13:15 14:30 Erfahrungen mit Meditation und Achtsamkeit an Hochschulen und Schulen
- Andreas de Bruin: Meditation und Intuition
- Vera Kaltwasser: Das Potential der Achtsamkeit für die Bildung ODER Achtsamkeit in der Schule
Prof. Dr. Andreas de Bruin
Vera Kaltwasser
14:35 15:20 Praxis-Box 2:
- Innere Versenkung: Meditation und Intuition
- Bewegung: Hatha-Yoga
- Klang: Mantra-Singen
Prof. Dr. Andreas de Bruin
Dr. Ulrich Ott
Oliver Riedzewski
15:25 15:45 Kaffeepause / Snacks  
15:45 17:00 Ein neues Bewusstsein und die Zukunft der Bildung
- Peter Gottwald: Zen und integrales Bewusstsein
- Harald Walach: Kultivierung des Bewusstseins – Bildungsaufgabe für die Zukunft
Prof. Dr. Dr. Peter Gottwald
Prof. Dr. Dr. Harald Walach
17:05 18:00 Podium der Expertinnen und Experten:
Chancen und Grenzen von Meditation und Bewusstseinsschulung
oder: die Zukunft der Bildung im 21. Jahrhundert
Prof. Dr. Andreas de Bruin
Prof. Dr. Dr. Peter Gottwald
Vera Kaltwasser
Dr. Ulrich Ott
Prof. Dr. Dr. Harald Walach
Moderation:
Prof. Dr. Gerd Döben-Henisch und Dr. Reiner Frey
18:00   Ende der Tagung  

Veranstaltungsort

Frankfurt University of Applied Sciences
Nibelungenplatz,
Gebäude 4, Raum 111/ 112 sowie Empore.

Meditationsangebote Räume 107, 109 und 110.

Zeit: Freitag, 19.10.2018, 9:30 – 18:00 Uhr.

Kontakt

Zentrale WebredaktionID: 4264
letzte Änderung: 01.06.2018