Menü

Workshops zum Studientag Rechtsextremismus

Freitag, 05.07.2019, ab 09:30 Uhr

Hinweis: Die Teilnahme an den Veranstaltungen im Rahmen des Studientages am 05.07.2019 kann nur nach vorheriger Anmeldung erfolgen.

Nach der Begrüßung durch den Dekan des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt University of Applied Sciences, Prof. Dr. Gero Lipsmeier im Audimax beginnen um 9.30 Uhr im Gebäude 2 der Hochschule die Workshops.

Mit einem Input durch die Referent*innen werden die jeweiligen Gegenstandbereiche kurz eingeführt, danach werden die Studierenden dialogisch eingebunden. Der so erarbeitete theoretische Wissensbestand soll im Laufe des Tages im Hinblick auf die Soziale Arbeit weiterbearbeitet werden.

Folgende Workshops werden angeboten:

Prof. Dr. Lena Inowlocki / Alia Wielens / Matti-Léon Klieme (Frankfurt University of Applied Sciences)

In unserem Workshop setzen wir uns kritisch mit Akteur*innen der „Neuen Rechten“ auseinander und nehmen die Jungendorganisation der AfD („Junge Alternative“) sowie die extrem rechte Gruppe der „Identitären Bewegung“ in den Blick. Zunächst geben wir einen kurzen Input zur Entstehungsgeschichte der „Neuen Rechten“, zentralen ideologischen Konzepten und ihren Strategien. Anschließend analysieren wir ausgewähltes Material, um darin enthaltene Aspekte herauszuarbeiten.

Felix Kronau (Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Rechtsradikale und revolutionär-konservative Rhetorik zeichnet eine kulturpessimistische Krisensituation: Man glaubt in einer Epoche zu leben, die das Beste hinter sich hat und nur noch aus den Resten ihres kulturellen Erbes schöpfen kann. Im Zentrum steht dabei eine Unterscheidung von dem was als wertvoller und schützenswerter Teil der eigenen Kultur und dem was als Verfallsform gelten soll.

Dieser Workshop wird versuchen ein tieferes Verständnis dieser Rhetorik der Ab- und Aufwertung sozialer Phänomene und Gruppen zu vermitteln: Dabei werden die Begriffe „Gender-Ideologie“, „Political Correctness“ und „Dekadenz“ im Fokus stehen. Darüber hinaus soll gezeigt werden, wie rechts-radikale Sprecher*innen Anschlüsse an ihr eigenes politisches Projekt herzustellen versuchen.

apl. Prof. Dr. Gideon Botsch (Universität Potsdam)

Schon immer hat die extreme Rechte sich als 'junge Bewegung' präsentiert. Sie hat zahlreiche Jugendorganisationen hervorgebracht, die mittels jugendgerechter Angebote junge Menschen ansprechen und für völkische und nationalistische Perspektiven gewinnen wollen. Obwohl sie in der Bundesrepublik (alt) nie zu einem Massenphänomen geworden sind, haben sie einen wichtigen Beitrag zum Fortbestehen der organisierten extremen Rechten geleistet.

Dr. Thomas Pfeiffer (Ruhr-Universität Bochum) / (Abteilung Verfassungsschutz des Innenministeriums NRW)

Das Internet ist ein Instrument, ein Schaufenster und eine Bühne rechtsextremistischer Parteien, Organisationen und Cliquen. An Beispielen nimmt der Workshop vor allem rechtsextremistische Erlebniswelten im Netz in den Blick – also Angebote, die möglichst passgenau auf junge Zielgruppen zugeschnitten sind. Gerade multimediale Elemente sind Teaser und Leistungsschau dieser Erlebniswelten. Das Netz bildet sie nicht nur ab, sondern ist selbst zu einem zentralen Aktionsfeld geworden und zu einem Labor, in dem neue Inszenierungen entstehen können. Im Netz können darüber hinaus Radikalisierungsprozesse stattfinden, und es kann als Brücke dienen, um rechtsextremistische Inhalte in die gesellschaftliche Mitte zu transportieren.

Prof. Dr. Werner Konitzer (Europa Universität Viadrina, Frankfurt/Oder) / Johanna Bach (IUBH Internationale Hochschule)

In dem Workshop wird ein Propagandafilm aus der Kampagne der ungarischen Regierungspartei auf antisemitische Motive hin untersucht und mit Motiven aus den „Protokollen der Weisen von Zion“ verglichen werden. Die *Protokolle* gehören zu den folgenreichsten antisemitischen Hetzschriften des 20sten Jahrhunderts. Auch ihre Struktur soll einer genaueren Betrachtung unterzogen werden.

Aylin Kortel (Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt/Main)

Die Angst vor der Islamisierung Deutschlands, die Forderung nach islamfreien Schulen und die Kriminalisierung von Muslimen: Islam- und Muslimfeindlichkeit steht konsequent auf der Agenda von Rechtspopulisten und Neuen Rechten. Mit welchen Mitteln arbeitet die Neue Rechte? Und wie hat sich der rassistische Diskurs gegen Muslime entwickelt – wo sind Kontinuitäten und Brüche?

Chana Dischereit & Gabriela Costache (Verband Deutscher Sinti und Roma e.V.)

Der Schutz und die Förderung der Sinti und Roma in Baden-Württemberg beruht auf dem Bewusstsein geschichtlicher Verantwortung und der Anerkennung der Verpflichtungen aus dem Rahmenübereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten und aus der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen. Doch wie steht es um die Lebenswirklichkeiten der Minderheit? Sinti und Roma sind die größte Minderheit Europas und zugleich die am stärksten diskriminierte.

Die antiziganistischen Angriffe, die z.T. wie in der Ukraine tödlich endeten, mehren sich dramatisch. Antiziganismus ist eine Form des Rassismus, die leider zum großen Teil ignoriert wird. In dem Workshop widmen wir uns dem Thema Antiziganismus und geben Einblicke in die Geschichte und Gegenwart der Minderheit in Deutschland und greifen aktuelle antiziganistische Fälle auf.

Juliane Lang (Philipps-Universität Marburg)

Im Workshop wird die Rolle alter und neuer rechter Akteure im organisierten Antifeminismus diskutiert. Hierfür schauen wir gemeinsam auf Themen und Argumentationsfiguren des in sich heterogenen Milieus antifeministischer Akteursgruppen.

Michaela Glaser (Deutsches Jugendinstitut)

Welche Erklärungen für rechtsextreme Orientierungen und Verhaltensweisen gibt es? Welchen Nutzen haben diese für die Soziale Arbeit? Der Workshop wird zunächst einen Überblick über zentrale Erklärungsansätze geben. Anschließend soll gemeinsam bzw. in Arbeitsgruppen die Reichweite verschiedener Erklärungsperspektiven diskutiert werden. Dabei soll auch gefragt werden, welche Ansatzpunkte diese jeweils für sozialarbeiterisches Handeln bieten.

Prof. Dr. Ursula Birsl (Philipps-Universität Marburg)

Mobile Beratungsstellen zu Rechtsextremismus beobachten zunehmend Aktivitäten von fundamentalistischen christlichen Glaubensgemeinschaften, von denen einige auch als Teil einer radikalen christlichen Rechten bezeichnet werden können. Im Workshop soll erarbeitet werden, was unter christlichem Fundamentalismus sowie einer  radikalen christlichen Rechten verstanden werden kann und welche  Verbindungen zur sog. Neuen Rechten existieren. Anhand von Beispielen aus der Praxis kann dann ansatzweise über Handlungsperspektiven diskutiert werden.

Marius Hellwig  (Amadeu Antonio-Stiftung, Berlin)

Die völkische Ideologie und der ländliche Raum als strategischer Aktionsort des eigenen politischen Handelns verbindet verschiedene Strömungen der rechten Szene, seien es Neu-Siedler*innen, Reichsbürger*innen oder völkische Esoteriker*innen. Für das Fortbestehen der völkischen Szene ist es von enormer Bedeutung, dass die eigenen Kinder die extrem rechte Weltanschauung der Eltern übernehmen. Der Workshop möchte die daraus resultierenden Herausforderung für die pädagogische Arbeit skizzieren und einen möglichen Umgang mit diesen diskutieren.

Prof. Dr. Bettina Bretländer (Frankfurt University of Applied Sciences) / Prof. Dr. em. Manfred Gerspach (Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/Main)

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht das Konzept der Behindertenfeindlichkeit nach Rommelspacher (1999, 2008): Individuelle Einstellungen/Verhaltensweisen gegenüber Menschen mit Beeinträchtigungen spiegeln verinnerlichte (behindertenfeindliche) gesellschaftliche Strukturen und Haltungen wider. Tiefergehende Erklärungen bietet der Ansatz des Ableismus, der ebenfalls vorgestellt wird.

Zudem wird die Verstrickung der deutschen Heil- und Sonderpädagogik in die Euthanasiepolitik der Nationalsozialisten beleuchtet, ebenso deren bis heute nur halbherzig erfolgte Aufarbeitung. Darüber hinaus wird ein Blick auf die aktuell aufscheinende neue Behindertenfeindlichkeit jenseits von Achtung, Anerkennung und Solidarität geworfen.

Prof. Dr. Kemal Bozay (IUBH Internationale Hochschule)

Rechtsextremismus, Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus sind im Einwanderungsland Deutschland sehr verbreitete und bekannte Phänomene. Derartige menschenverachtende, ungleichwertige und antidemokratische Einstellungen finden sich nicht nur unter Menschen der Mehrheitsgesellschaft, sondern haben auch einen Verbreitungsgrad unter der migrantischen Bevölkerung. Zu beobachten ist, dass gerade ultranationalistische Einstellungen und Mobilisierungen hierzulande auch in einer Wechselwirkung zueinander stehen. Wie zeigen sich extrem rechte Einstellungen in migrantischen Communities? Wie gestalten und zeigen sich extrem rechte Positionen in migrantischen Jugendgruppen? Was sind Motive und Ursachen für Ungleichwertigkeitsvorstellungen in der Migrationsgesellschaft? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es im Kontext der pädagogischen und politischen Praxis? All das sind Themen, über die in diesem Workshop verstärkt diskutiert werden sollen.

Zentrale WebredaktionID: 6488
letzte Änderung: 24.03.2020