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Am 22. Januar 2018, rund ein Jahr nach Amtsantritt des US-Präsidenten Donald Trump, sprach der Diplomatische Korrespondent des Berliner Tagesspiegel Dr. Christoph von Marschall im Rahmen der Vortragsreihe „Think Europe – Europe thinks“ am Center for Applied European Studies (CAES) zum Thema „USA – Europa: Eine entfremdete Beziehung?“. Die Gegenrede hielt Prof. Dr. Christopher Daase von der Goethe-Universität sowie der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HFSK).

Prof. Dr. Ulrich Schrader, Vizepräsident der Frankfurt UAS und CAES Direktoriumsmitglied, betonte, dass der Campus auch als „melting pot“ zu verstehen sei, der Toleranz erfordere und an dem Vielfalt friedlich gelebt werde. Er blickte mit Sorge auf eine Reihe von Amtshandlungen Donald Trumps, wie die Bekanntgabe eines Einreiseverbots für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern, das auch die Hochschule mit ihren rund 14.500 Studierenden aus mehr als 100 Nationen betraf.

„Was bedeutet es, wenn Ausgrenzungen ganz offen ausgesprochen werden? Ist die Ausgrenzung an sich das Problem oder die Form, wie Donald Trump die Ausgrenzung formuliert?“, fragte der Geschäftsführende Direktor des CAES Prof. Dr. Dr. Michel Friedman. Friedman zeigte sich besorgt hinsichtlich der Rhetorik  einer Reihe gegenwärtiger Regierungschefs, sowohl in den USA als auch in der EU. Diese Art der Umsetzung von Macht, gekennzeichnet von Ausgrenzung, Islamophobie, Absolutheitsansprüchen und einer gewalttätigeren Sprache und Form, sei  beunruhigend und stelle die Beweiskraft des Argumentes zutiefst in Frage, so Friedman.

Der Hauptredner des Abends Dr. Christoph von Marschall teilte seine persönlichen Einblicke in das Weiße Haus mit dem Publikum. Aktuell forscht er in Washington, als Stipendiat der Zeit-Stiftung und des German Marshall Fund, zur Zukunft transatlantischer Beziehungen. „Eine entfremdete Beziehung wird nicht nur von einer Seite entfremdet“, begann von Marschall in Anlehnung an den Vortragstitel. Er kritisierte in erster Linie die Reaktion Europas, insbesondere auch die der Medien, auf Aussagen und Handlungen des US-Präsidenten Donald Trumps. In seinen Augen müsse der vorherrschende Spott und Zorn gegenüber Trump einer nüchternen Analyse sowie einer strategischen Antwort auf die veränderte Beziehung weichen. Darüber hinaus betrachtete von Marschall die Hoffnung vieler auf Einleitung eines „Impeachment“-Verfahrens als unwahrscheinlich. Er betonte, dass es an einem konkreten Vorwurf mangele. Es gebe in der aktuellen Situation einen „Zwang Europas zur Emanzipation“, so von Marschall. Diese Emanzipation müsse jedoch innerhalb des transatlantischen Bündnisses vollzogen werden. Von Marschall warf die Frage nach den praktischen Taten für eine Emanzipation Europas auf, denn er sehe sowohl Deutschland als auch Europa gegenwärtig nicht in der Lage Verantwortung zu übernehmen. Letztlich befürchtete von Marschall das Ende der liberalen Weltordnung als mögliche Konsequenz der Trump Präsidentschaft.

„Ich finde nichts falsch daran, über Donald Trump zu klagen“, entgegnete der Gegenredner Prof. Dr. Christopher Daase. Man müsse sich Luft machen und feststellen dürfen, dass die USA unter Trumps Präsidentschaft zu einer Gefahr für den internationalen Frieden und die Sicherheit geworden sei. Es gehe, so Daase, um die Eindämmung dieser Gefahr. Daase betonte, dass in vielen Fällen internationale Aufregung verhindert habe, dass aus Ankündigungen Trumps tatsächlich Taten wurden. Als Antwort auf die These von Marschalls äußerte der Gegenredner: „Emanzipation würde ich grundsätzlich unterschreiben, tendenziell aber auch gegen die USA. Auch vor Trump wäre eine Emanzipation ein lohnendes Ziel gewesen“.

Im Anschluss moderierte Prof. Dr. Ulrich Schrader die Diskussion zwischen dem Publikum und den beiden Referenten. Die Reihe Think Europe – Europe thinks wird im Sommersemester 2018 fortgesetzt.

 

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letzte Änderung: 06.09.2018