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Am 26. Juni 2017, rund zwei Wochen nach den Parlamentswahlen in Frankreich, war Theo Koll, Leiter des ZDF-Auslandsstudio Südwesteuropa mit Sitz in Paris, bei „Über den Dächern von Frankfurt“ zu Gast.  Dr. Robin Fritz, Rechtanwalt bei FPS und Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), begrüßten die Gäste zum ersten Mal in der Mensa der Frankfurt UAS. Der Ortswechsel solle die Partnerschaft mit dem Center for Applied European Studies (CAES) unterstreichen, so Dr. Fritz. Auch Prof. Dr. Dievernich betonte die Notwendigkeit, den europäischen Gedanken auf dem Campus und somit in den Köpfen junger Menschen zu verankern.

Der Geschäftsführende Direktor des CAES Prof. Dr. Dr. Michel Friedman führte das Gespräch mit Theo Koll. Er eröffnete mit der Frage, ob die Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Präsidenten eine Erlösung für Frankreich sei. Koll bezeichnete die Wahl als „geöffnetes historisches Zeitfenster“, das keine Erlösung, jedoch eine einmalige Chance biete. In Bezug auf die französische Parteienlandschaft zeigte sich Koll besorgt hinsichtlich der ähnlichen Programmatik der extremen Rechten sowie Linken.

Friedman sprach weiter den Zustand der französischen Gesellschaft an. „Die Banlieues und das Land sind abgehängter denn je“, so Koll, trotz der anhaltenden Spaltung der Gesellschaft habe Macron jedoch mit „großer Politik durch kleine Gesten“ Optimismus herbeiführen können. Im Hinblick auf die französische Wirtschaft bezeichnete Koll die geplante Wirtschaftsreform als Entscheidung über Macrons Schicksal. In der Vergangenheit seien französische Präsidenten an dem Widerstand der Gewerkschaften gescheitert; Koll wertete positiv, dass zumindest die größte Gewerkschaft Frankreichs Macron gewogen sei.

Im weiteren Verlauf griff Friedman den „Honeymoon-Effekt“ der deutsch-französischen Beziehungen und  die Frage nach den Erwartungen Deutschlands auf. Die Forderungen nach „mehr Europa“ sowie einem eigenen Finanzminister für die Eurogruppe seien nicht weit von der Auffassung des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble, der ebenfalls eine Vertiefung fordere, entfernt, so Koll. Die Persönlichkeit und pro-europäische Dynamik Macrons habe das Potential, auch Kanzlerin Angela Merkel mitzunehmen. Für die zukünftige Zusammenarbeit forderte der ZDF-Studioleiter unter anderem eine stärkere deutsche Unterstützung bei Auslandseinsätzen.

Abschließend stand nun nach den ersten Wochen im Präsidentschaftsamt die Frage der Zielsetzung im Rahmen des angekündigten Neuanfangs im Raum. Koll sprach von einem „Schwebezustand“ in Bezug auf Macrons Positionierung und schloss, dass die Ausgestaltung einer stärkeren Vergemeinschaftung Europas zukünftig insbesondere zwischen Berlin und Paris ausgearbeitet werde.

Die Gäste vertieften in der anschließenden Diskussion unter anderem die Flüchtlingsproblematik, die Rolle der Gewerkschaften und Intellektuellen in Frankreich sowie mögliche Auswirkungen auf die Bundestagswahl. Die Gesprächsreihe wird im September fortgesetzt.

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letzte Änderung: 06.09.2018