Gegen den drohenden Entsorgungsnotstand in der Baubranche
Mit rund 222 Mio. Tonnen verursachen Bauabfälle 54 Prozent des jährlichen Gesamtabfallaufkommens in Deutschland. Die zunehmend schwierige Entsorgung führt zu längeren Transportwegen, steigenden Kosten und einem drohenden Entsorgungsnotstand. Wie sich Bauabfälle wiederverwerten und gleichzeitig Primärrohstoffe einsparen lassen, untersucht das Forschungsprojekt „Kreislauforientierte Material- und Verfahrenskonzepte zur Wiederverwertung von mineralischen Bauabfällen“ der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS). Dafür wurde es nun mit dem Sustain Award der Frankfurter Stiftung für Forschung und Bildung ausgezeichnet. Die Preisurkunde nahmen die Forschenden Prof. Dr.-Ing. Steffen Leppla und Tobias Siekemeyer am 29. September 2026 bei einer Preis-Gala im Beisein von Katrin Hechler, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, entgegen. Die Auszeichnung ist mit 4.000 Euro dotiert. Mit dem 2024 erstmals ausgelobten Sustain Award möchte die Frankfurter Stiftung für Forschung und Bildung gemeinsam mit dem Förderer Procter & Gamble die Frankfurt UAS in ihren Bestrebungen unterstützen, Nachhaltigkeit in Forschung und Lehre zu verankern.
„Die Frankfurt UAS macht Nachhaltigkeit in ihren Forschungsvorhaben sichtbar und entwickelt Lösungen für die Herausforderungen von morgen. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist das nun ausgezeichnete Forschungsprojekt zur Wiederverwertung von mineralischen Bauabfällen“, betont Astrid Schulte, Vorsitzende der Frankfurter Stiftung für Forschung und Bildung.
„Nachhaltigkeit braucht neue Ideen, wissenschaftliche Exzellenz und vor allem den Mut, bestehende Lösungen zu hinterfragen. Genau hier setzt der Sustain Award an: Er macht Projekte sichtbar, die in vorbildlicher Weise einen konkreten Beitrag für die Zukunft leisten und zeigt auf, wie Forschung gesellschaftliche Herausforderungen in Lösungen übersetzen kann, die funktionieren. Wir freuen uns, gemeinsam mit der Frankfurter Stiftung für Forschung und Bildung dieses Engagement an der Frankfurt UAS zu fördern und junge Talente auf ihrem Weg zu nachhaltigen Innovationen zu unterstützen“, so Gabriele Hässig, Geschäftsführerin Kommunikation & Nachhaltigkeit bei Procter & Gamble DACH.
„Als Hochschule wollen wir mit unserer Forschung Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung bereitstellen und den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen fördern. Wir danken der Frankfurter Stiftung für Forschung und Bildung sowie Procter & Gamble für die Unterstützung solcher Forschungsprojekte“, so Prof. Dr. Susanne Rägle, Vizepräsidentin für Forschung, Transfer und Internationalisierung der Frankfurt UAS.
Bauabfälle als Ressource nutzen
Die Verknappung von Deponiekapazitäten für Bauabfälle stellt das Entsorgungsmanagement in Deutschland vor große Herausforderungen. Modellrechnungen der Forschenden zeigen, dass in mehreren Bundesländern bereits vor 2030 die verfügbaren Deponiekapazitäten für bestimmte Bauabfälle ausgeschöpft sein könnten. Das Forschungsprojekt untersucht daher den Einsatz sogenannter zeitweise fließfähiger Bodenbaustoffe (ZFSB). Hierfür werden Aushub- und Bodenmaterialien mit Wasser, Tonmineralien und geringen Mengen Zement aufbereitet und für Baugrundverbesserungsmaßnahmen nutzbar gemacht. Dadurch lassen sich mineralische Bauabfälle wiederverwerten und zugleich Primärrohstoffe wie Kies oder Sand ersetzen. Im Fokus der Forschung stehen die technische Umsetzbarkeit, das mechanische Verhalten sowie die umwelttechnische Eignung der Baustoffe. Erste Laboruntersuchungen zeigen, dass insbesondere Schwermetalle durch Tonminerale zuverlässig gebunden werden können. Langfristig soll nachgewiesen werden, dass die Materialien sicher und praxistauglich in realen Bauvorhaben eingesetzt werden können. Das Verfahren könnte einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung, zur Einsparung von Deponievolumen und zur Reduktion von CO₂-Emissionen leisten.
Mit dem Preisgeld möchten Leppla und Siekemeyer weitere umweltanalytische Untersuchungen zur Immobilisierung von Schadstoffen finanzieren. Die Laborversuche werden extern durchgeführt. Zudem sollen studentische Hilfskräfte die Probenherstellung, Dokumentation und Auswertung unterstützen.
Das Projekt überzeugte die Jury durch seinen Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Bauwirtschaft: Es zeigt einen praxisnahen Weg auf, Bauabfälle als Ressource im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu nutzen, Deponievolumen einzusparen und CO₂-Emissionen zu reduzieren. Zur Jury gehören neben Astrid Schulte, Gabriele Hässig und Prof. Dr. Susanne Rägle zudem Gabriele Holzner, Organisationsentwicklerin und Change-Beraterin sowie ehemalige Programmdirektorin und stellvertretende Intendantin des Hessischen Rundfunks, Sönke Reimers, Senior Media Professional, B2B-Experte und vormalig CEO der dfv Mediengruppe, Dr. Christine Lemaitre, CEO Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, sowie Michael Müller, Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsinitiative Frankfurt Rhein-Main.
Der Sustain Award würdigte darüber hinaus weitere herausragende Nachhaltigkeitsprojekte der Frankfurt UAS: Platz zwei ging an fabricGREEN, ein Forschungsprojekt zu textilbasierten Grünfassaden für klimaresiliente Städte. Den dritten Platz belegte das Projekt „Innovative Pflegequalifizierung“, das die Integration internationaler Pflegefachkräfte fördert und einen Beitrag zur Fachkräftesicherung im Gesundheitswesen leistet. Insgesamt haben sich in diesem Jahr 13 herausragende Projekte um den Sustain Award 2026 beworben, darunter Forschungs- und Lehr- und Studierendenprojekte, Mentoring- und Weiterbildungsprogramme. Alle liefern einen wertvollen Beitrag, sowohl für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft als auch für das nachhaltige Profil der Hochschule.
Über den Sustain Award
Die Frankfurt UAS orientiert sich an den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals), wie sie in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen dokumentiert sind, und hat eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt. Diese Bestrebungen fördert die Frankfurter Stiftung für Forschung und Bildung mit Unterstützung des Konsumgüterunternehmens Procter & Gamble mit der jährlichen Auslobung des Sustain Awards. Neben fachwissenschaftlicher Exzellenz und einer spezifisch praxisrelevanten Bedeutung zählt die sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Bedeutung der eingereichten Projekte. www.frankfurt-university.de/sustainaward
Kontakt:
Frankfurt University of Applied Sciences, Stabsstelle Nachhaltigkeit, Kirsten Moriggl-Neynaber, Telefon: +49 69 1533-2106, E-Mail: nachhaltigkeit(at)fra-uas.de
Weitere Informationen zu Nachhaltigkeit an der Frankfurt UAS unter www.frankfurt-university.de/nachhaltigkeit.


