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Analyse zu Antifeminismus bei den „Neuen Rechten“ ausgezeichnet

Steve Massoth, Absolvent des Bachelor-Studiengangs Soziale Arbeit, erhält den mit 500 Euro dotierten Henriette-Fürth-Preis 2019 für seine Abschlussarbeit.

Welches Frauenbild vertreten Anhänger/-innen der sogenannten „Neuen Rechten“? Wie werden ihre Werte in den sozialen Medien insbesondere auf einschlägigen Videoplattformen vermittelt und welche Methoden werden dabei genutzt? Diese Fragen beantwortet Steve Massoth in seiner Abschlussarbeit mit dem Titel „Antifeminismus in der ‚Identitären Bewegung‘ – eine Videoanalyse am Beispiel ausgewählter Videos der Kampagnen ‚Radikal Feminin‘ und ‚120 Dezibel‘“. Für diese wurde dem Absolventen des Bachelor-Studiengangs Soziale Arbeit der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) nun der Henriette-Fürth-Preis 2019 verliehen. Die Auszeichnung wird jährlich vom Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen Hochschulen (gFFZ) für herausragende Abschlussarbeiten zur Frauen- und Genderforschung an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften verliehen und ist mit einem Preisgeld von 500 Euro dotiert.

„Steve Massoth hat sich in seiner Bachelor-Arbeit mit dem hoch aktuellen Thema Antifeminismus innerhalb der ‚Neuen Rechten‘ auseinandergesetzt. Am Beispiel der sogenannten ‚Identitären Bewegung‘, die dem intellektuellen Milieu der extremen Rechten zuzuordnen ist, zeigt er, welche konservativen und frauenfeindlichen Geschlechterrollen in diesen Kreisen propagiert werden und in welcher Weise neue Medien eingesetzt werden, um diese Ideologiefragmente in einer breiten Öffentlichkeit zu verankern“, so Prof. Dr. Michaela Köttig, Professorin für Grundlagen der Gesprächsführung, Kommunikation und Konfliktbewältigung am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS. Sie hat Massoth gemeinsam mit Beatrix Schwarzer, Lehrkraft für besondere Aufgaben, betreut.

„Antifeminismus wird in den Videos sehr unterschiedlich dargestellt. Die von ‚Radikal Feminin‘ propagieren eine Retraditionalisierung der Geschlechterrollen, bei der die Frau die Funktion der Hausfrau und Mutter einnimmt und ein vermeintlich einheitlicher Feminismus als Belastung für Frauen inszeniert wird“, erklärt Preisträger Massoth. „‚120 Dezibel‘ vermittelt hingegen einen Antifeminismus, der als vermeintlich ‚wahrer Feminismus‘ dargestellt wird: Frauen inszenieren sich selbst als Opfer und wollen sich gegen eine scheinbare ‚Überfremdung‘ bzw. Bedrohung durch Migration und Flucht zur Wehr setzen.“ Er kommt zu dem Ergebnis, dass beide Kampagnen vor allem versuchen Frauen anzusprechen, um durch bestehende Geschlechterstereotype eine friedliche Außenwahrnehmung zu generieren. Diese sowie die Bezugnahme auf aktuelle Debatten mit hohem Mobilisierungspotenzial wirken als Strategiemomente, um extrem rechte Positionen gesellschaftsfähig zu machen. Klassische Geschlechterrollen und -hierarchien würden so bestärkt werden. Beide Kampagnen bedienen sich hierzu einer Rhetorik der Angst und diskreditieren Feminismus auf unterschiedliche Weise.

„Die von Steve Massoth vorgelegte Bachelorarbeit besticht nicht nur durch ihr durchweg hohes Reflexionsniveau, sondern auch durch den eigenständigen wissenschaftlichen Beitrag zu einem hochbrisanten und aktuellen gesellschaftspolitischen Thema. Sie liefert wichtige empirische Befunde zum besseren Verständnis antifeministischer Diskurse und macht deutlich, über welche Medien die ‚Neue Rechte‘ öffentlichkeitswirksam kommuniziert“, betont Prof. Dr. Lotte Rose, Geschäftsführerin des gFFZ sowie Jurymitglied für die Vergabe des Henriette-Fürth-Preises. „Wir möchten den Absolventen auszeichnen, da er das destruktive Potenzial antifeministischer Bündnisse aufzeigt und herausstellt, dass deren Rollenbilder zutiefst frauenfeindlich sind.“

Das Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen Hochschulen (gFFZ) verleiht den Henriette-Fürth-Preis seit 2003. Der Jury gehören Vertreterinnen dieser Hochschulen sowie Personen aus der Kommunalpolitik an. In der diesjährigen Bewerbungsrunde für den Henriette-Fürth-Preis waren 11 studentische Thesis-Studien eingereicht worden. Der Preis geht bereits zum siebten Mal an eine Absolventin bzw. einen Absolventen der Frankfurt UAS. Namensgeberin des Preises ist Henriette Fürth (1861-1938), die in Gießen als Tochter jüdischer Eltern geboren wurde. Die Publizistin, Sozialpolitikerin und Frauenrechtlerin lebte in Darmstadt und Frankfurt am Main.

Weitere Informationen unter www.frankfurt-university.de/gffz.

Zentrale WebredaktionID: 3670
letzte Änderung: 13.04.2018