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Der neue Radprof(i) an der Frankfurt UAS

Zum 1. Januar 2021 hat Prof. Dr.-Ing. Dennis Knese die Stiftungsprofessur für nachhaltige Mobilität und Radverkehr an unserer Hochschule angetreten, die vom Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur finanziert wird.Im Interview berichtet er über seine neuen Aufgaben und über seine Verbindung zur Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS).

Herr Prof. Dr.-Ing. Knese, Sie sind der neue Professor für Radverkehr und nachhaltige Mobilität an der Frankfurt UAS. Was haben Sie vor Ihrer Tätigkeit an unserer Hochschule gemacht?
Ich war in den vergangenen viereinhalb Jahren bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Berater für nachhaltige Mobilität tätig. Hier habe ich die Entwicklung und Umsetzung von Projekten in Schwellen- und Entwicklungsländern unterstützt. Dabei ging es vor allem um die Ausbildung von Kapazitäten auf individueller, institutioneller und gesellschaftlicher Ebene. Zuvor habe ich bereits als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Frankfurt UAS gearbeitet und mich z. B. mit Forschungsprojekten zur Elektromobilität beschäftigt. Zudem kann ich auf ein spannendes Auslandsjahr bei der Vancouver Economic Development Commission in Kanada zurückblicken.

Was verbindet Sie mit Radverkehr und nachhaltiger Mobilität?
Ich komme gebürtig aus einer sehr fahrradaffinen Region (Emsland) und beschäftige mich seit rund 15 Jahren intensiv mit Themen der nachhaltigen Mobilität. So habe ich mich in meinen Bachelor- und Masterarbeiten mit verschiedenen Verkehrsthemen auseinandergesetzt. Wenngleich der Radverkehr dabei nicht immer im Fokus stand, ist er natürlicher zentraler Baustein eines nachhaltigen Verkehrssystems. In meiner Doktorarbeit habe ich z. B. untersucht, welche Chancen die Entwicklung von Radschnellwegen für einen erhöhten Radverkehrsanteil im Pendlerverkehr bietet – auch durch das starke Aufkommen von Elektrofahrrädern in den vergangenen Jahren.

Warum wird das Thema „Radverkehr“ aus Ihrer Sicht für unsere Gesellschaft immer wichtiger?
Wir kämpfen seit Jahren gegen den Klimawandel – im Verkehr bislang, ohne große Erfolge verzeichnen zu können. Ein Viertel der energiebedingten CO2-Emissionen entfällt auf den Verkehr. Und es ist in Deutschland der einzige Sektor, in dem seit 1990 keine Reduktion stattgefunden hat. Dabei bietet das Fahrrad enorme Potenziale, um den motorisierten Verkehr und damit auch die Emissionen zu reduzieren. Gleichzeitig würden wir mit einer Verlagerung vom Pkw auf das Fahrrad andere Probleme verringern, wie die schlechte Luft, den Lärm und den Flächenverbrauch in unseren Städten sowie die hohen Folgekosten aus dem motorisierten Verkehr.

Ihre Professur ist im Research Lab for Urban Transport angesiedelt, an dem Forschende des Fb 1 und des Fb 3 beteiligt sind. Wie kann man das Thema „Radverkehr“ interdisziplinär betrachten?
Die Nachhaltigkeit eines Verkehrssystems muss aus meiner Sicht immer die ökologische, ökonomische und soziale Dimension gleichermaßen in den Blick nehmen. Dies gelingt nur, wenn wir interdisziplinär arbeiten und auch den Radverkehr mit ingenieurs-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen sowie rechtlichen Perspektiven beleuchten. So können wir z. B. die Infrastruktur nur sicher und attraktiv gestalten, wenn wir auch die Bedürfnisse von und Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern kennen.

In welchen Studiengängen unserer Hochschule kann man Module mit dem Schwerpunkt „Radverkehr“ belegen und welches Wissen wird dort vermittelt?
Wir versuchen das Thema Radverkehr nun sukzessive in verschiedene Studiengänge zu integrieren. Das fängt in den Bachelorstudiengängen Bauingenieurwesen und Geodatenmanagement (im Fb 1) sowie Tourismusmanagement und Luftverkehrsmanagement (im Fb 3) an, geht über das Studium Generale, bis hin zu den Masterstudiengängen „Infrastruktur – Wasser und Verkehr“, „Urban Agglomerations“ oder „Global Logistics“. Zudem sind wir in der Entwicklung eines neuen Masterstudiengangs „Nachhaltige Mobilität“, in dem ein eigener Schwerpunkt Radverkehr angeboten werden soll.

Worauf freuen Sie sich hier an der Hochschule am meisten?
Ich freue mich, einige alte Gesichter wiederzutreffen, aber auch ganze viele neue Personen kennenzulernen. Das Interesse am Thema Radverkehr ist hoch, wie ich bereits in den ersten Wochen feststellen konnte. Das stimmt mich zuversichtlich, dass wir an der Hochschule mit unserer Forschung zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft beitragen können. Ganz besonders freue ich mich auf den Aufbau der Lehre, die ich möglichst praxisnah gestalten möchte. Ich hoffe, dass wir bald wieder in der Lage sind, Präsenzlehre zu veranstalten und dass ich mit den Studierenden gemeinsam auf die Straße gehen kann, um gute Ideen für eine zukunftsgerechte Mobilität entwickeln und erfahren zu können.

Vielen Dank für das Interview.

Zentrale WebredaktionID: 3672
letzte Änderung: 05.06.2018