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Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Studium (nicht nur) in Pandemiezeiten

Laura-Maria-Bassi-Preis 2021 der Frankfurt UAS geht an die Studentinnen Julia Back, Karin Block und Dilara Su Hartmann als Gründerinnen einer Elterninitiative.

Den Laura-Maria-Bassi-Preis für Frauenförderung und eine geschlechtersensible Hochschulkultur vergibt die Frankfurt UAS in diesem Jahr an die Studentinnen Julia Back (34), Karin Block (37) und Dilara Su Hartmann (26) als Gründerinnen einer Elterninitiative während der Covid-19-Pandemie. Die Frauenkommission der Frankfurt UAS würdigt mit dieser Auszeichnung das Engagement der drei Frauen, die sich mit viel Energie – neben ihrem Bachelor-Studium der Sozialen Arbeit, ihrer Familienarbeit als Mütter, neben Gremienarbeit, politischem Engagement und Teilzeitjobs – für eine familiengerechte Hochschule einsetzen. Prof. Dr. Martina Klärle, Vizepräsidentin der Frankfurt UAS für Forschung, Weiterbildung und Transfer, überreichte im Namen des Präsidiums die mit insgesamt 1.500 Euro dotierte Auszeichnung am 29. Juni 2021 in einer kleinen Feierstunde an die Preisträgerinnen und würdigte sie „als durchsetzungsstarke, zielgerichtete Akteurinnen für die Interessen Studierender und anderer Gruppen mit Care-Aufgaben“.

„Julia Back, Karin Bock und Dilara Su Hartmann haben unter den erschwerten Bedingungen des Lockdowns neben einer öffentlichkeitswirksamen Internetseite als Anlaufplattform für die Anliegen aller Hochschuleltern in der Pandemie konkrete Vorschläge wie ihren 9-Punkte-Plan für strukturelle Lösungen für die familiengerechte Gestaltung des neu geschaffenen Online-Studiums gemacht und kontinuierlich und hartnäckig die Umsetzung von Verbesserungen für die studierenden Eltern vorangebracht“, so Prof. Dr. Klärle in ihrer Laudatio. „Durch die Aktivitäten und den Druck der Elterninitiative bekam das Thema Öffentlichkeit, und es wurden hilfreiche Regelungen für Studierende mit Care-Aufgaben wie z. B. flexiblere Prüfungs- und Klausurenzeiten, Fristverlängerungen und Bevorzugung bei der Vergabe von Kinderbetreuungsplätzen für Alleinerziehende realisiert.“

Größter Erfolg für die Preisträgerinnen: Sie forderten bei der hessischen Landesregierung den Anspruch für alle Hochschulangehörigen und somit auch für Studierende auf Notfallbetreuung ihrer Kinder in Kitas und Schulen ein – zu einem Zeitpunkt, als sie als studierende Mütter selbst vom ersten Lockdown „kalt erwischt“ wurden und „realisierten, dass für uns als Einzelkämpferinnen die Situation nicht zu stemmen war“, so Dilara Su Hartmann. Dies war der Auslöser zur Gründung der Elterninitiative. Schnell suchten die Studentinnen den Kontakt zu den Playern in der Hochschule: zur Taskforce Online-Lehre, zum Familienbüro, zur Stabsstelle Diversity bis eben zum Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Besonders loben sie die Zusammenarbeit mit Martina Moos, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Frankfurt UAS, und Prof. Dr.-Ing. René Thiele, Vizepräsident der Frankfurt UAS für Studium und Lehre, die in den zügig installierten wöchentlichen Online-Treffen „stets ein offenes Ohr für unsere Anliegen hatten“, so Hartmann.

„Gemeinsam als Initiative haben wir die entscheidenden Ansprechpartner/-innen kontaktiert und sind in konstruktiven Austausch gekommen“, resümiert Julia Back, alleinerziehende Mutter einer dreijährigen Tochter. „Als studentisch gewähltes Mitglied der Frauenkommission empfand ich es als meine Pflicht, mich für die Belange von Eltern und Kindern einzusetzen.“ Julia Back ist auch aktives Mitglied beim Aktionsbündnis Feministisches Streikkollektiv Frankfurt am Main, das sich u.a. für angemessen entlohnte Care-Arbeit einsetzt. Karin Block, Mutter zweier Kinder im Alter von sechs und acht Jahren, engagiert sich seit zwei Jahren hochschulpolitisch als Mitglied der Bunten Liste. „Die Corona-Pandemie hat meinen Alltag radikal umgekrempelt. Digitale Seminare inklusive Vor- und Nachbereitung sowie Beschulung des einen und Betreuung des anderen Kindes liefen parallel. Durch meine Erfahrungen meines bisherigen hochschulpolitischen Engagements war mir klar, dass ich mich für Angehörige der Hochschule mit aktiver Care-Arbeit in dieser Pandemie-Situation besonders einsetzen muss.“ Dilara Su Hartmann, Mutter zweier Kinder im Alter von vier und fünf Jahren, arbeitet neben dem Studium als Hilfswissenschaftlerin und Lehrbeauftragte am Fachbereich Soziale Arbeit & Gesundheit und ist Vorsitzende des Ausländerbeirats der Stadt Bruchköbel. „Gerade in Krisen kristallisieren sich die sozialen Probleme besonders heraus“, sagt sie. „Wenn man etwas zum Besseren verändern will, muss man alle Beteiligten ansprechen, seine Anliegen vermitteln und gemeinsam Lösungen entwickeln.“

So ist aus der losen Vernetzung mit der Elterninitiative mittlerweile eine kontinuierliche Zusammenarbeit in der AG Vereinbarkeit von Studium mit Familie im Rahmen des „audit familiengerechte hochschule“ entstanden. Unter Leitung von Vizepräsident Prof. Dr.-Ing. Thiele sollen mit Unterstützung der AG in den nächsten Jahren die Studien- und Prüfungsbedingungen für Studierende mit Kind vor allem im Fachbereich Soziale Arbeit & Gesundheit verbessert werden, da er an der Hochschule mit ca. 14 Prozent den höchsten Anteil an Studentinnen mit Kind hat. Diese Verbesserungen sind nur einige der Zielvorgaben zur Zertifizierung mit dem Gütesiegel „Familienfreundliche Hochschule Land Hessen“, das der Frankfurt UAS am 30. Juni 2021 zum zweiten Mal verliehen wurde.

Ausdrücklich erwünscht ist die Mitarbeit von Vätern, bislang ist in der Elterninitiative nicht ein Mann aktiv. Julia Back: „Inzwischen wurde belegt, dass die meiste Care-Arbeit während der Pandemie von Frauen übernommen wird. Dies spiegelt sich ebenso in der Elterninitiative wider.“

Weitere Informationen zum Laura-Maria-Bassi-Preis unter: www.frankfurt-university.de/laura-maria-bassi-preis; Informationen zur Elterninitiative unter: https://www.elterninitiative-fra-uas.de/

Zentrale WebredaktionID: 3672
letzte Änderung: 05.06.2018