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Aus der Ferne nah dran: Doppelworkshop mit indischer Partnerhochschule

Jemandem über die Schulter schauen, wenn es irgendwo hakt – oder beim gemeinsamen Mittagessen Sichtweisen einer anderen Kultur verstehen lernen: Solche Momente bringt ein internationaler Dozentenaustausch „normalerweise“ für Lehrende und Studierende mit sich. In Zeiten einer weltweiten Pandemie sieht so ein Austausch gezwungenermaßen etwas anders aus. Dass das Format auch jetzt trotzdem funktionieren kann, haben die Rajagiri School of Engineering & Technology (RSET) in der Nähe der indischen Stadt Kochi und die Frankfurt UAS kürzlich bei einem einwöchigen virtuellen Doppelworkshop unter Beweis gestellt.

Virtuelle Reise – Zeitverschiebung inklusive

Fünf Tage lang nahmen 17 indische Studierende an einem Seminar von Prof. Dr. Karsten Schmidt zum Thema „Embedded Systems and Real-time Operating Systems“ teil, während sich 15 Studierende unseres Fachbereichs unter Anleitung von Prof. Jobin K. Antony und anderen RSET-Lehrenden mit der Programmiersprache Python¹ beschäftigten („Python for Engineers as a Scientific Computing Tool“). Die indischen Studierenden nutzten dabei einen Fernzugriff auf die Computer unserer Hochschule, „Veranstaltungsort“ des Workshops an der RSET war die virtuelle Plattform Google Colab. Durch die Zeitverschiebung – das Rajagiri Valley ist unserer Zeit dreieinhalb Stunden voraus – mussten die Seminarzeiten vorher sorgfältig ausgeklügelt werden.

„Wir haben die Kooperation mit der RSET vor einigen Monaten durch einen Freundschaftsvertrag untermauert und brennen darauf, die Partnerschaft weiter mit Leben zu füllen“, sagt Schmidt. „Leider lassen sich viele unserer Ideen zurzeit nur schwer umsetzen – ob es Studierendenexkursionen sind, gemeinsame Studienmodule oder ein indisch-deutsches Wettbewerbsteam bei einer Roboter-Challenge. Deshalb haben wir gemeinsam mit unseren indischen Partnern beschlossen, einen Wissensaustausch in Form des Doppelworkshops zu organisieren.“ Im Fokus sollte dabei die Vertiefung aktueller ingenieurwissenschaftlicher Themen stehen, um den Teilnehmer/-innen wertvolle Ergänzungen ihrer Studienprogramme anzubieten. „Besonderer Dank gilt unserem Kollegen Mauricio Petrozziello aus der Wirtschaftsinformatik, der die EDV mit viel Engagement so eingerichtet hat, dass die indischen Studierenden auf unser Labor zugreifen konnten“, ergänzt Schmidt.

„Plätze waren innerhalb von gut 20 Minuten ausgebucht“

Prof. Antony erklärt zur Wahl seines Workshopthemas: „Python wird als Programmiersprache immer beliebter – laut einer aktuellen Erhebung ist es inzwischen sogar die beliebteste Programmiersprache. Zahlreiche Unternehmen, darunter Größen wie Google, YouTube oder Netflix, entwickeln damit inzwischen Anwendungen. Python zeichnet sich durch kompakten, lesbaren Code aus und ist in Bezug auf seine einfache Struktur und Nutzerfreundlichkeit relativ konkurrenzlos, insbesondere für weniger erfahrene Wissenschaftler/-innen. Diese Tatsachen haben uns dazu bewogen, einen Workshop zu Python auszurichten.“

Aktualität und Relevanz waren auch bei der Themenwahl für den zweiten Workshop ausschlaggebende Kriterien. „Embedded Systems bilden die Grundlage für alle mechatronischen Anwendungen, sei es zum Beispiel in der Automobiltechnik oder auch in der Robotik“, so Schmidt. „Auch das Internet of Things ist ohne Mikrocontroller und die Anbindung an Kommunikationssysteme nicht denkbar. Unser Workshop sprach also Themen an, die für viele Studierende von sehr großem Interesse sind. Insbesondere die Einführung in die Welt der Echtzeitbetriebssysteme war für alle Studierenden Neuland, das aber sehr gerne erkundet wurde.“

Die Teilnahme am Workshop war für die Studierenden natürlich freiwillig und galt nicht als Prüfungsleistung – trotzdem waren die Plätze innerhalb von gut 20 Minuten ausgebucht, erzählt Schmidt. „Und an der RSET war der Andrang ebenfalls groß.“

Wie erkennt ein Roboter eine Katze?

Eine der Teilnehmenden unserer Hochschule war Niuscha Farzian, Bachelor-Studentin der Elektro- und Informationstechnik (Schwerpunkt Energietechnik – erneuerbare Energien). Sie war bereits im März 2020 bei der Frankfurter Exkursion zur RSET dabei, die damals den Auftakt für die engere Zusammenarbeit bildete, und freute sich über das Workshopangebot: „Zum einen wollte ich gerne die Gelegenheit nutzen, Python intensiver kennenzulernen. Zum anderen fand ich es toll, Professor Antony und andere Lehrende der RSET wiederzusehen, wenn auch nur virtuell.“ Farzian hat den Workshop als sehr bereichernd erlebt. „Das Seminar war super organisiert, verständlich aufgebaut und durch gemeinsame Übungen sehr intensiv. Ziel war es, einem Roboter beizubringen, einen Hund oder eine Katze zu erkennen – ein spannendes, anwendungsorientiertes Thema.“

Ein ebenso positives Resümee zieht auch Ivanol Jaurece Djeukeu, Master-Student der Mechatronik und Robotik. „Ich hatte mich angemeldet, weil ich neugierig auf einen internationalen Workshop war und Lust hatte, mich mit Python zu beschäftigen. Außerdem wollte ich mir zusätzliches Know-how für mein späteres Berufsleben aneignen.“ Seine Erwartungen seien erfüllt worden: „Aus den fünf Workshoptagen nehme ich eine gute Grundlage der Programmiersprache und Erfahrungen in der Anwendung einfacher Machine Learning-Methoden mit.“

Die RSET und die Frankfurt UAS stimmen sich zurzeit zu weiteren Kooperationsmöglichkeiten ab. „Internationalisierung bedeutet im Kern Austausch“, betont Schmidt. „Wir alle freuen uns darauf, wenn dieser Austausch wieder ganz real stattfinden kann. Aber bis dahin möchten wir das Beste aus der Situation machen und virtuelle Möglichkeiten des Austauschs nutzen.“


¹ Fun Fact: Der Name der Programmiersprache Python ist ein augenzwinkernder Verweis auf die britische Komikergruppe Monty Python :-)

Zentrale WebredaktionID: 4224
letzte Änderung: 01.05.2018