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Geheimrezept: Spaß

Von außen wirkt es wie ein komplizierter Jonglageakt: Svenja Zöller studiert im Studiengang Maschinenbau deutsch-spanisch auf gleich zwei Abschlüsse hin, ist Jahrgangsbeste, wurde kürzlich mit einem Deutschlandstipendium ausgezeichnet und engagiert sich auch noch ehrenamtlich im Bund Naturschutz. Aber wenn die Studentin erzählt, dann klingt das alles ganz einfach. Im Interview spricht sie über „learning by doing“, Tipps für ein erfolgreiches Studium, Gartenschläfer und Slacklining am Strand.


Frau Zöller, der Studiengang Maschinenbau deutsch-spanisch ist kein „nullachtfünfzehn“-Studiengang. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein deutsch-spanisches Doppelprogramm zu studieren?

Während meiner Abizeit habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir Mathe und Physik machen. Deshalb habe ich mit Blick auf diese Fächer nach einem passenden Studiengang gesucht. Als ich auf den deutsch-spanischen Doppelabschluss Maschinenbau gestoßen bin, wusste ich: Das ist es. Ich hatte mich nämlich schon in der Schule in die spanische Sprache verliebt und war sogar im Rahmen eines Schüleraustauschs schon in unserer Partnerstadt Cádiz gewesen. Toll finde ich es außerdem, dass mich der Studiengang auf das Arbeiten in einem internationalen Umfeld vorbereitet.

Welche Aspekte Ihres Studiums machen Ihnen besonders Freude?

TM, also Technische Mechanik, hat mir schon zu Beginn meines Studiums riesig Spaß gemacht und meine Begeisterung für den Maschinenbau geweckt. Deshalb freue ich mich, dass ich das Fach als TM-Tutorin anderen Studierenden näherbringen kann. Spaß machen mir auch die Laborveranstaltungen. Ich glaube, dass man vieles einfach nur lernen kann, wenn man es selbst macht. Und natürlich hat es mich sehr gefreut, dass mir mein Studium ein Urlaubssemester ermöglicht hat.

Sie haben in Ihrem Urlaubssemester ein halbes Jahr in Chile verbracht. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Ich habe in Viña del Mar als Au-pair bei einer sehr netten Familie mit drei kleinen Kindern gelebt, während der Vater einige Monate im Ausland gearbeitet hat. Das war eine ziemliche Herausforderung für mich – aber eine Herausforderung, die sehr bereichernd war. Ich habe gemerkt, wie spannend es ist, so in eine andere Kultur einzutauchen. Und es fiel mir unerwartet leicht, Freunde kennenzulernen. In der Nähe unseres Hauses, direkt am Strand, gab es einen Slacklinepark, in dem ich schnell Freunde gefunden habe, meine „Slacklinefamilie“. Slacklining hatte ich vor meinem Urlaubssemester nur ein einziges Mal ausprobiert, aber nach meiner Rückkehr war ich bei der Gründung des Vereins Slackline-Rhein-Main e.V. von Anfang an mit dabei und engagiere mich dort nun in einem Arbeitskreis.

Wie sehen Sie Ihrem Studienjahr in Cádiz entgegen, das Sie im Herbst antreten?

Natürlich hoffe ich, dass sich die Lage bis dahin wieder entspannt und dass meine beiden Semester in Andalusien in Präsenz stattfinden können. So oder so möchte ich aber vor Ort sein, die spanische Kultur und hoffentlich neue Freunde kennenlernen und einfach mal den normalen Alltag in Cádiz erleben. Dafür würde ich auch gerne in einer WG mit Einheimischen leben, um richtig in Spanien anzukommen.

Neben Ihrem Studium engagieren Sie sich seit einiger Zeit auch im Bund Naturschutz e.V. Warum?

Nach meiner Rückkehr aus Chile hatte ich ein etwas entspannteres Semester vor mir und wollte mir deshalb gern eine ehrenamtliche Tätigkeit suchen. Die Themen Naturschutz und Nachhaltigkeit sind mir schon lange sehr wichtig – und weil ich den Verein schon durch meine Familie kannte, war die Kreisgruppe Miltenberg des Bund Naturschutz eine naheliegende Wahl. Für mich ist jeder kleine Schritt zum Schutz der Umwelt von großem Wert.

Und was macht man als Neueinsteigerin im Bund Naturschutz so?

Ich bin direkt in ein recht neues Projekt eingestiegen, bei dem es um Gartenschläfer geht. Das sind kleine Verwandte des Siebenschläfers. Ihre Zahl schrumpft seit Jahren und wir wollen herausfinden, wo sie noch vorkommen und wie man sie schützen kann. In diesem Zusammenhang helfe ich zum Beispiel mit Kameras, Spurentunneln und Nistkästen bei der Spurensuche und war auch schon bei der Auswilderung von Gartenschläfer-Babys dabei.

Studium, gute Leistungen, Tutorenjobs, Ehrenamt – wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, dass man Freude hat an dem, was man tut. Mein Studium, meine Jobs und meine Hobbys machen mir viel Spaß, und mit Spaß fällt alles leichter. Daneben ist mir ein effektives Zeitmanagement wichtig. Ich mache mir zum Beispiel morgens Gedanken, was ich am Tag alles erledigen möchte, und nutze To Do-Listen. Das hilft mir dabei, mich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Außerdem lege ich Wert darauf, einen Ausgleich zu haben. Ich treibe viel Sport, auch zwischendurch – gerne dann, wenn meine Konzentration nachlässt. Yoga, Joggen oder Slacklining geben mir meistens wieder neue Motivation und Energie.

Kürzlich haben Sie ein Deutschlandstipendium erhalten. Wie fühlt sich das an?

Natürlich bin ich total stolz und glücklich, dass es geklappt hat! Und gerade für mein Jahr in Spanien ist das Stipendium eine echte Erleichterung, weil ich mich in Cádiz aufs Studium konzentrieren kann und mir keinen Job suchen muss. Ich werde von der Sigi und Hans Meder-Stiftung gefördert, die ihre Stipendien an MINT-Studierende aus nicht-akademischen Familien vergibt. Für diese Zuwendung bin ich sehr dankbar.

Für das Stipendium spielten auch Ihre hervorragenden Studienleistungen eine zentrale Rolle. Haben Sie Tipps für ein erfolgreiches Studium?

Aus meiner Sicht ist es ganz wichtig, das Studium nicht als lästige Pflicht zu begreifen, sondern als etwas Freiwilliges, für das man sich bewusst entschieden hat. Ich würde anderen raten: Denkt während der Vorlesungen mit und hinterfragt neue Informationen, um den Lernstoff zu verstehen. Für mich ist es ein tolles Gefühl, wenn mir wissenschaftliche Zusammenhänge plötzlich klar werden. Investiert Zeit in euer Studium – oft hilft nur wiederholtes Üben, um etwas zu verinnerlichen. Ich zum Beispiel habe einen extrem hohen Schmierpapier-Verbrauch, weil ich schwere Berechnungen öfters durchrechne. Habt keine Scheu, die Professorinnen und Professoren zu fragen. Der Austausch ist bereichernd – meiner Meinung nach für beide Seiten – und schafft eine angenehme Lernatmosphäre. Und nicht zuletzt: Setzt euch nicht zu sehr unter Druck. Gebt euer Bestes, seid mit den Ergebnissen zufrieden und erlaubt euch, auch mal Fehler zu machen.

Zentrale WebredaktionID: 4245
letzte Änderung: 01.05.2018