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Wie Homeoffice und Co in der Corona-Zeit sich langfristig auf Mobilität auswirken

Wie hat sich der Arbeits- und der Bildungssektor durch die Pandemie verändert und welche Auswirkungen hat dies auf die Mobilität? Weshalb hat der ohnehin geschwächte stationäre Handel durch die Pandemie starke Umsatzeinbußen eingefahren und wieso geht der Einkaufsverkehr auch in Zukunft weiter zurück? Die Stiftung für Forschung und Bildung der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) hat am 23. Juni 2022 den Publikationspreis 2021/2022 verliehen. Die Auszeichnung ging an Prof. Dr. Tobias Hagen, Professor für Volkswirtschaftslehre und Quantitative Methoden am Fachbereich Wirtschaft und Recht und Teil des Direktoriums des Research Lab for Urban Transport (ReLUT). Er wurde für den Aufsatz „Effekte der Covid-19-Pandemie auf Mobilität und Verkehrsmittelwahl“ gewürdigt, an dem auch Prof. Dr. Marco Sunder sowie M.Eng. Elisabeth Lerch und M.Sc. Siavash Saki beteiligt waren. Dieser basiert auf einem durch Hagen geleiteten Forschungsprojekt, in dem die Folgen der Covid-19-Pandemie für das Mobilitätsverhalten, den Lieferverkehr und die Verkehrsmittelwahl analysiert wurden. Der Aufsatz ist als Fachbeitrag in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Straßenverkehrstechnik, welche die Forschung, das Regelwerk und die Anwendung des Verkehrsmanagements thematisiert, erschienen. Der Preis wird jährlich an Lehrende und Forschende der Frankfurt UAS vergeben und ist mit 1.000 Euro dotiert.

 

„Mit Tobias Hagen zeichnet die Stiftung einmal mehr einen Forscher aus, der sich mit Themen befasst, die uns alle angehen, bewegen und eine großer Relevanz haben“, so Astrid Schulte, Vorsitzende der Frankfurter Stiftung für Forschung und Bildung. „Diese für die Zukunft wichtige Forschungsstudie des interdisziplinären Teams ist ein gelungenes Beispiel für das Zusammenwirken verschiedener Fachbereiche und Forschungsschwerpunkte an unserer Hochschule. Das ReLUT ist einer der Leuchttürme unserer Forschung und steht für eines unserer wichtigsten Forschungsthemen – Mobilität“, betont Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurt UAS. Es sei dem Forscherteam um Tobias Hagen vortrefflich gelungen, die Studie einer breiten Leserschaft verständlich und übersichtlich näherzubringen. Auch die Aktualität des Themas sowie der Mehrwert für die Forschung überzeugte die Jury aus Medien, Wissenschaft und Wirtschaft.

 

Eva-Theresia Barchi, Leiterin Key Account Management Behörden und Körperschaften der Deutschen Bahn AG, hielt bei der Preisverleihung als Gastrednerin einen Impulsvortrag zu den Erkenntnissen der Studie und stellte somit den direkten Praxisbezug her.

 

Inhalte des Artikels

Covid-19 hat große Teile unseres Lebens beeinflusst und viele neue Verhaltensweisen und Angewohnheiten werden nach der Pandemie bestehen bleiben. Die Studie thematisiert unter anderem wie sich der Arbeits- und der Bildungssektor durch die Pandemie verändert haben und welche Auswirkungen dies auf die Mobilität hat. Zudem greift sie auf, weshalb der ohnehin geschwächte stationäre Handel durch die Pandemie starke Umsatzeinbußen eingefahren hat und wieso der Einkaufsverkehr in Zukunft weiter geringer bleiben wird. Neben einem internationalen Vergleich des öffentlichen Verkehrs zu Corona-Zeiten sowie den Ergebnissen einer Befragung zur Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln rundet ein Ausblick in die Zukunft mit möglichen Handlungsoptionen und Vorschlägen zur Umsetzung durch die Politik die Forschungsstudie ab.

 

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der Öffentliche Personennahverkehr der klare Verlierer der Pandemie ist, während das Fahrradfahren boomt und die Pkw-Nachfrage stagniert. Die Befragungsdaten aus dem Sommer 2021 weisen darauf hin, dass Menschen, die vor der Pandemie regelmäßig den ÖPNV nutzten, eine höhere Impfbereitschaft aufwiesen. Doch trotz der so individuell gewonnenen höheren Sicherheit vor schweren Krankheitsverläufen, kehrten sie nicht oder nur teils zu alten Nutzungsgewohnheiten zurück. Die Furcht vor Infektionen kann also den Rückgang der Passagierzahlen nicht alleine erklären. Wichtig für den ÖPNV wird laut Hagen in Zukunft eine an regelmäßiges Homeoffice angepasste Tarifgestaltung, um Fahrgäste zurückzugewinnen. Der stationäre Einzelhandel leidet ebenfalls unter mehr Homeoffice, da Erledigungen am Rande der Arbeitszeit wegfallen und so der Internethandel noch attraktiver wurde und wohl auch bleiben wird. Positiv heben Hagen und sein Team hervor, dass ein geringeres Verkehrsaufkommen, Anwohner/-innen in Städten entlasten und zu einer nachhaltigen Verkehrswende beitragen kann.

 

Hagen verfasste die Studie gemeinsam mit Sunder sowie Lerch und Saki am ReLUT. Interdisziplinarität zeichnet das ReLUT aus und ermöglicht es, die Probleme in der Mobilität umfassend und nachhaltig zu betrachten. Die Expertise des ReLUT wird durch die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern aus Wissenschaft und Praxis ergänzt, wodurch Herausforderungen des Verkehrs und der Logistik weltweit untersucht und Lösungen entwickelt werden, die die Lebensqualität in Städten und dem Umland, im In- und Ausland verbessern können.

 

Der Artikel zur Studie ist in der Ausgabe 1/2021 der Fachzeitschrift Straßenverkehrstechnik erschienen. Die komplette Studie steht zudem auf der Homepage der Hochschule bereit:
https://www.frankfurt-university.de/Neue_Mobilitaet/Veroeffentlichungen/2021/corona2.pdf .

 

Zur Person:

Prof. Dr. Tobias Hagen ist seit 2010 Professor für Volkswirtschaftslehre und Quantitative Methoden an der Frankfurt UAS. Zu seinem Forschungsschwerpunkten gehören: Data Science, angewandte Ökonometrie, Politikbewertung sowie Arbeits- und Verkehrsökonomie. Mehr zu Hagen unter: https://www.frankfurt-university.de/de/hochschule/fachbereich-3-wirtschaft-und-recht/tobias-hagen/.

 

Der Publikationspreis

Bisherige Publikationspreisträger waren: der Jurist Prof. Dr. Peter Wedde, dessen Artikel sich vor dem Hintergrund wiederholter Terroranschläge mit dem gesetzlich vorgeschriebenen „Anti-Terror-Screening“ beschäftigte; der Ingenieur Prof. Holger Marschner für seine Arbeit zur Schallerzeugung (dabei verglich er das sogenannte „Bremsenknarzen“ eines Fahrzeugs mit den Schwingungsphänomenen einer Geige); Kinderschutzexpertin Prof. Dr. phil. Maud Zitelmann für ein hr-info-Interview, in welchem sie sich für eine bessere Ausbildung von Menschen einsetzte, die im Kinderschutz arbeiten; Suchtexperte Prof. Dr. Heino Stöver mit seinem Beitrag über die Regulierung von E-Zigaretten im „6. Alternativen Drogen- und Suchtbericht“ sowie Prof. Dr.-Ing. Holger Techen, Professor für Tragwerkslehre und Baukonstruktion, und dessen wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr.-Ing. Jochen Krimm für ihre Publikation „Neue Fassadenkonzepte für die leise Stadt“.

 

Die 2014 gegründete Frankfurter Stiftung für Forschung und Bildung fördert Lehre, Forschung und Lebenslanges Lernen an der Frankfurt University of Applied Sciences. Die Stiftung möchte mit dem Publikationspreis Lehrende und Forschende der Frankfurt UAS weiter bestärken, fachspezifische und aktuelle Themen aus der Hochschule praxisnah und für einen breiten Leserkreis allgemeinverständlich zu vermitteln. Weitere Informationen unter: www.frankfurt-university.de/stiftung-forschung-bildung.

 

Kontakt: Frankfurter Stiftung für Forschung und Bildung, Vorsitzende, Astrid Schulte und Geschäftsführung, Monika Rosenberger, Telefon: 069/1533-2166, E-Mail: stiftung-forschung-bildung(at)fra-uas.remove-this.de; Frankfurt University of Applied Sciences, Research Lab for Urban Transport (ReLUT), Prof. Dr. Tobias Hagen, Telefon: +49 69 1533-3896, E-Mail: thagen(at)fb3.fra-uas.remove-this.de

 

Weitere Informationen zum Publikationspreis unter www.frankfurt-university.de/publikationspreis; mehr zum Fachbereich Wirtschaft und Recht unter: www.frankfurt-university.de/fb3 und zum Research Lab for Urban Transport (ReLUT) unter: www.frankfurt-university.de/relut.

Zentrale WebredaktionID: 4225
letzte Änderung: 30.04.2018