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„Wir müssen uns vom Wachstumsgedanken verabschieden“

Zu einem globalen Klimastreik ruft die „Fridays for Future“-Bewegung für den 20. September 2019 auf. Nicht nur junge Aktivisten, sondern die Gesamtgesellschaft sollte sich für mehr Klimaschutz engagieren, fordert Prof. Dr. Tine Köhler, Professorin für Landmanagement an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), die als Hochschule anwendungsorientiertes Denken ihrer Studierenden fördert. „Es ist notwendig, sich vom Wachstumsgedanken zu verabschieden“, so die Wissenschaftlerin. „Es gibt kein unbegrenztes Wachstum mit begrenzten Ressourcen“.

Klimaschutz als ein Ziel einer nachhaltigen Entwicklung stehe immer wieder anderen Belangen entgegen. „Schaut man sich die ‚Sustainable Development Goals‘ der UN an, werden Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum als gleichwertige Ziele aufgeführt“, erklärt Köhler. „Dabei wird wirtschaftliches Wachstum v. a. auch mit einer für den Klimaschutz äußerst relevanten Ressource erkauft: unserem Land – für Transportinfrastruktur, Rohstoffabbau, Gewerbegebiete und, als Folge der zusätzlichen Arbeitsplätze, für Wohngebiete. Es werden Flächen in Anspruch genommen, die für Kaltluftentstehung und Durchlüftung der bebauten Umwelt notwendig sind, aber auch für die Luftreinhaltung oder die Artenvielfalt.“

Bislang sehen die meisten Ansätze zum Klimaschutz Verbote vor oder sind mit Einschränkungen des Lebensstandards verbunden. „Dadurch lässt sich keine Transformation der Gesellschaft erreichen“, analysiert Köhler. „Die Politik ist gefordert, dafür zu sorgen, dass Wohlstand und Wachstum nicht zwingend aneinander gekoppelt sind, dass Klimaschutz Lebensqualität bedeutet. Dies erfordere Aufklärung, Anschauungsobjekte und Initiativen, die Alternativen aufzeigen.“

Die Expertin fordert: „Es darf kein neues Land ,verbraucht‘ werden. Nachhaltigkeitsziele müssen priorisiert werden, um auch nicht rentable Freiflächen – und damit Klimaschutz – Vorrang bei der Flächennutzung zu geben. Dafür braucht es Anpassungen im Planungswesen, um Nutzungen im Land neu zu verteilen, Wege zu verkürzen und dezentrale Ver- und Entsorgung zu ermöglichen.“ Auch im Transportsystem sei es notwendig, bereits in Anspruch genommene Fläche besser auszunutzen: sei es durch multifunktionale Nutzung oder durch mehrfache Nutzung im Sinne einer Kreislaufwirtschaft. Umnutzungen, Nachnutzungen und Brachflächennutzung wie bei leerstehenden landwirtschaftlichen Gebäuden seien auch bei Straßen, z.B. als Bahntrassen, anzustreben. Zum Erreichen dieser Ziele sei ein Umdenken aller unausweichlich. „Nur eine Bewegung aus der Gesellschaft selbst, wie es Fridays for Future ist, kann eine solche Transformation ermöglichen.“

Eine vollständige Pressemitteilung zum Thema und weiteren Informationen zur Person finden Sie hier.

Zentrale WebredaktionID: 3670
letzte Änderung: 13.04.2018