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Gefahren und Chancen einer neuen Währung

Prof. Dr. Michaela Hönig von der Frankfurt UAS stellt Studienergebnisse zu neuer Facebook-Währung Libra, an denen auch 15 Studierende mitgewirkt haben, im Deutschen Bundestag vor.

Libra – so lautet der Name einer Internetwährung, die das Unternehmen Facebook im Jahr 2020 auf den Markt bringen will. Doch was bedeutet dies für den internationalen Finanzmarkt? Welche Vorteile und welche Risiken hätte Libra? Um diese Fragen zu beantworten, hat Prof. Dr. Michaela Hönig, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwirtschaft und Asset Management an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), eine Studie zum Thema „Libra – Gefahr einer digitalen Parallelwelt“ durchgeführt. Unterstützt wurde das Projekt von der DekaBank in Frankfurt. Die Ergebnisse, die gemeinsam mit 15 Studierenden aus den Studiengängen Betriebswirtschaftslehre, International Finance und Wirtschaftsinformatik erarbeitet wurden, wurden am 25. September 2019 in einer Anhörung im Ausschuss „Digitale Agenda“ im Deutschen Bundestag vorgestellt.

„Viele Fragen zu Libra sind aktuell noch offen. Das bezieht sich auf den Anleger- und Datenschutz, die Verhinderung von Datenbetrug, das Aufsichtsrecht, die Regulierung sowie die Verhinderung von organisierter Kriminalität auf der Plattform“, so Hönig, die am Fachbereich Wirtschaft und Recht der Frankfurt UAS lehrt und forscht. „Insbesondere haben wir uns die Frage gestellt, wie der Wert des angedachten Stable Coins, also des möglichst stabilen Wechselkurses, von Libra garantiert werden kann.“ Sollte die Währung große Verwendung finden, könnte sie die Einlagenbildung und das Geschäftsmodell der traditionellen Banken untergraben. Das wiederum könnte deren Zahlungsverkehrsgeschäft und Prozesse an den Finanzmärkten stören. „Ohne eine Regulierung kann eine systemische Gefahr für den Finanzsektor entstehen“, warnt Hönig. „Die Libra Association könnte so durch die Eins-zu-eins-Deckung in kurzer Zeit zu einer der weltweit größten Vermögensverwalter und somit zu einem 'too big to fail'-Akteur werden. Sie müsste entsprechend wie ein vergleichbares Kreditinstitut oder ein Zahlungsverkehrsdienstleister dieser Größenordnung reguliert und aufsichtsrechtlich überwacht werden“, führt Hönig in ihrer Stellungnahme aus.

Die Studierenden haben sich in Gruppen mit den Themenschwerpunkten Recht, Konzeption und Funktion, Technik und Volkswirtschaft auseinandergesetzt. In regelmäßigen Projektsitzungen berichteten sie von ihren Untersuchungen, diskutierten offene Fragen und stimmten die nächsten Arbeitsschritte ab. „Für mich ist das Projekt besonders interessant, da ich ein großer Verfechter von Bargeld bin. Ich habe einen guten Einblick in das Thema Kryptowährungen erhalten, insbesondere, da ich mich bisher wenig mit digitalen Währungen beschäftigt habe“, so Rukantha Jayasuriya, 8. Semester International Finance. Für das Projekt befasste er sich vor allem mit den technischen Aspekten von Libra, darunter mit dem Blockchain Ansatz, der individuellen Transaktionslogistik oder mit Move, der eigens für die Facebook-Währung entwickelten Programmiersprache.

„Das ist das erste Mal, dass ich an so einem Projekt mitwirke – gerade dadurch, dass ich noch am Anfang meines Studiums stehe, habe ich  viel über die   unterschiedlichen Aspekte von Libra gelernt“, berichtet Julia Fetsch, die im 2. Semester International Finance studiert. In ihrer Arbeitsgruppe hat sie sich neben dem Aufbau und der Konzeption von Libra vor allem mit dem Aufbau des Stable Coin, dem intrinsischen Wert von Libra durch Koppelung an einen Währungskorb sowie der Vermeidung von Kursschwankungen auseinandergesetzt. „Das Projekt ist eine sehr interessante Gelegenheit, sich neben dem theoretischen Studium auch praktisch mit einem Thema auseinander zu setzen und dabei mit anderen Studierenden zusammen zu arbeiten“, ergänzt Anh Nguyen, die im 5. Semester International Finance studiert.

Gemeinsam kamen die Studierenden und Hönig zu dem Ergebnis, dass Facebook angesichts der grenzüberschreitenden Verbreitung von Libra zusammen mit Notenbanken und Aufsichtsbehörden Lösungen entwickeln muss. Facebook würde bei einer großen Nutzung von Libra zu einem systemrelevanten Intermediär und Finanzmarktinfrastrukturanbieter fungieren und diese Funktion birgt Rechts-, Liquiditäts-, Kredit- und IT-Risiken. „Das ist aus meiner Sicht der einzige, zukunftsfähige Weg für Facebook. Dennoch wissen wir aktuell nicht, wie die staatliche Kontrollfähigkeit in der digitalen Welt gewährleistet werden soll“, betont Hönig. Aus ihrer Sicht gehe dies nur in einer globalen Regulierung und weit über die Beteiligung von G7 oder G20 hinaus.

Die Präsentation der Ergebnisse im Ausschuss „Digitale Agenda“ des Deutschen Bundestages können Sie in Kürze im Stream unter www.bundestag.de ansehen. Mehr zur Berichterstattung sowie die Stellungnahme von Prof. Dr. Michaela Hönig finden Sie zudem unter https://www.bundestag.de/ada#url=L2Rva3VtZW50ZS90ZXh0YXJjaGl2LzIwMTkva3czOS1wYS1kaWdpdGFsZS1hZ2VuZGEtNjU3OTI4&mod=mod545462

Weitere Informationen zum Studierenden-Projekt unter www.youtube.com/watch?v=354IgTFRyls.

Zentrale WebredaktionID: 3670
letzte Änderung: 13.04.2018