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Mit Nasenspray Leben retten

Take Home Naloxon soll Drogentod verhindern/Bundesmodellprojekt „NALtrain“ ist am 1. Juli 2021 als zentraler Baustein zur lebensrettenden Erstversorgung gestartet

Frankfurt am Main, 5. Juli 2021. Ein Nasenspray mit Naloxon, das die Drogengebrauchenden immer mit sich führen, kann deren Leben retten. Im Falle einer Überdosierung mit Opioiden kann das Spray verabreicht werden, noch bevor der Rettungsdienst eintrifft. Naloxon ist das wirksamste Medikament gegen eine Überdosis. Die einfache Anwendung ermöglicht auch medizinischen Laien wie anderen Drogengebraucher/-innen, Angehörigen und Mitarbeiter/-innen im Hilfesystem schnelle Hilfe im Drogennotfall. Hier setzt das Projekt „NALtrain“ an, das am 1. Juli 2021 gestartet ist. „Das erste Bundesmodellprojekt zum Thema Take Home Naloxon soll in den nächsten drei Jahren den Grundstein dafür legen, dass Ärztinnen und Ärzte das Medikament verordnen und möglichst viele Opioidkonsumentinnen und -konsumenten sowie Patientinnen und Patienten in Opioidsubstitutionsbehandlung dieses lebenswichtige Medikament mit sich führen und anwenden können“, erklärt Prof. Dr. Heino Stöver, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung (ISFF) an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS).

1581 Drogentodesfälle wurden im Jahr 2020 verzeichnet. Etwa 600 Drogentodesfälle stehen in Verbindung mit dem Konsum von Heroin und anderen Opioiden (Stöver/Schäffer 2021). „Die Verschreibung eines Naloxon-Nasensprays geschieht hingegen lediglich in Einzelfällen – 2019 etwa 370 Sprays. Unser Projekt soll die Zahl der Verschreibungen deutlich erhöhen“, so Stöver. Gefördert wird „NALtrain“ vom Bundesministerium für Gesundheit für die Dauer von drei Jahren.

Akzept, die Deutsche Aidshilfe und das ISFF als Projektträger verbinden mit dem Modellprojekt zudem folgende Ziele: Mitarbeiter/-innen in Einrichtungen der Aids- und Drogenhilfe sollen durch halbtägige Schulungen zu Trainer/-innen ausgebildet werden, die ihr Wissen in Kurzinterventionen an Drogengebraucher/-innen und Substituierte weitergeben. Verbindliche Kontakte zu Ärztinnen und Ärzten der jeweiligen Stadt werden hergestellt und bringen beide Partner/-innen miteinander ins Gespräch, um zu gewährleisten, dass alle geschulten Drogengebraucher/-innen und Substituierte auch ein Rezept erhalten, das sie in der Apotheke einlösen können. Im Rahmen einer Begleitevaluation werden Daten zur Anzahl der ausgebildeten Personen sowie zur Zahl der Rezepte erfasst. Ebenfalls soll ein Rückmeldesystem nach erfolgter Anwendung des Nasensprays installiert werden. Viele tausend Drogengebraucher/-innen und Substituierte sollen künftig das Naloxon-Nasenspray mit sich führen und im Notfall anwenden lassen können. Zudem soll das Thema „Drogennotfall“ ein fester Baustein in der Arbeit und Ausbildung aller in der Drogen- und Aids-Hilfe tätigen Mitarbeiter/-innen werden.

„Im Juli wird sich der Naloxonzug NALtrain in Bewegung setzen und wir wünschen uns sehr, dass möglichst viele Einrichtungen aufsteigen und uns begleiten. Wir haben Haltestellen in 40 Städten und allen Bundesländern vorgesehen. Wir freuen uns auf zahlreiche Unterstützung, denn es gilt, gemeinsam die Zahl der opioidbedingten Drogentodesfälle zu reduzieren“, betont Stöver. Der Suchtexperte macht aber auch deutlich, dass eine Gabe des Nasensprays bei einer Überdosis immer nur eine Erste-Hilfe-Maßnahme sei und dennoch immer ein Rettungsteam herbeigerufen werden muss. Da aber in solchen Fällen gerade die schnelle Reaktion der Person wichtig sei, die die überdosierte Person auffindet, könne das Spray über Leben und Tod entscheiden. Wird Naloxon bei einer Überdosierung gegeben, kommt die betroffene Person wieder zu Bewusstsein und atmet. Da das Zeitfenster, in welchem Naloxon als Gegenspieler die Wirkungen von Heroin, Methadon, Fentanyl und anderen Opioiden teilweise oder ganz aufhebt, nur etwa 30 bis 90 Minuten beträgt, muss die Person in jedem Fall im Anschluss an die Verabreichung des Sprays professionell medizinisch versorgt werden. Da Nebenwirkungen bei der Naloxon-Gabe auftreten können, ist eine Überwachung des Überdosierten durch den Ersthelfenden bis zum Eintreffen der Rettungskräfte zwingend erforderlich.

Kontakt

Frankfurt University of Applied Sciences
Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit
Prof. Dr. Heino Stöver
Telefon: +49 69 1533-2823
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