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Experiment erfolgreich: Ohne Abi zum Bachelor – mit Bestleistung

Kann man mit Realschulabschluss studieren? Man kann – zum Beispiel nach einer Aufstiegsfortbildung. Robin Hofmann hat einen anderen Weg gewählt: Er nahm an einem hessischen Modellversuch teil, der Personen mit einem guten Ausbildungsabschluss den Hochschulzugang ohne weitere Zugangsprüfung ermöglichte. Beim Start in sein Maschinenbau-Studium hatte er bereits eine Berufsausbildung sowie zwei Jahre Berufstätigkeit im Gepäck. In diesem Sommer hat Hofmann erfolgreich seinen Bachelor-Abschluss gemacht – und das nicht nur in Regelstudienzeit, sondern auch mit hervorragenden Noten. Im Gespräch erzählt er von seinen Erfahrungen.


Herr Hofmann, der Weg in ein Studium ohne Abitur oder Fachabitur ist ungewöhnlich und erscheint von außen vielleicht nicht ganz ideal. Würden Sie rückblickend dennoch sagen, dass dieser Weg auch Vorteile hat?

Definitiv. Zum einen war meine Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme beim Unternehmen Bosch Rexroth so breit aufgestellt, dass ich mir dabei beispielsweise Kenntnisse im Drehen und Fräsen aneignen oder Einblicke in die betriebseigene Gießerei nehmen konnte. Diesen Anwendungsbezug hatten viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen nicht. Zum anderen habe ich in meiner Berufstätigkeit als Betriebselektriker eigenständiges Arbeiten gelernt. In solch einem Job wird man zwangsläufig zum Problemlöser, man verliert die Scheu vor Herausforderungen. Das kam mir im Studium sehr zugute.

Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, am Modellversuch teilzunehmen?

Eigentlich lag mein Fokus schon seit meiner Jugend auf dem Leistungssport – ich bin Rennen im Mountainbike Cross Country gefahren und war mit zwei deutschen Meistertiteln, Siegen im Weltcup, Silber und Bronze bei Europameisterschaften und einem vierten Platz bei einer Weltmeisterschaft auch recht erfolgreich. Aber eine finanziell sichere Zukunft konnte ich für mich in dem Sport nicht finden. Aus diesem Grund habe ich mich vor ein paar Jahren entschieden, den Sport künftig nur noch als Hobby zu betreiben und meine Zeit und Energie in ein Studium zu stecken, weil ich mich nach meiner Ausbildung noch mal beruflich weiterbilden wollte. Der hessische Modellversuch bot mir die Möglichkeit, das Studium ohne Abi zu absolvieren. Daher war dieser Weg für mich eine logische Entscheidung.

Und warum haben Sie sich für Maschinenbau entschieden?

Durch den Radsport habe ich eine Begeisterung für Technik entwickelt. Um meine Fahrräder perfekt auf mich abstimmen und sie richtig warten und pflegen zu können, habe ich irgendwann begonnen, mich intensiv mit ihrem Aufbau zu beschäftigen. Dabei kamen mir immer wieder verschiedenste Verbesserungsideen. Entwicklungsingenieure setzen genau solche Dinge konstruktiv um, deshalb ist in mir der Wunsch entstanden, selbst Entwicklungsingenieur zu werden. Welche Qualifikation man dafür braucht, habe ich dann einer Stellenanzeige entnommen: ein Maschinenbaustudium.

Wie haben Sie den Start ins Studium erlebt?

Es hat eine Weile gedauert, „anzukommen“ und zu lernen, wie man sich im Studium am besten organisiert. Und natürlich hatte ich zunächst etwas Sorge, in manchen Bereichen nicht mitzukommen. Nachteile gegenüber Abiturienten hatte ich im Bereich Mathe und Physik – von Ableitungen und Differentialgleichungen zum Beispiel hatte ich vor dem Studium noch nie was gehört. Aber wenn man bereit ist, Zeit und Energie ins Lernen zu investieren, lassen sich solche Wissenslücken schnell füllen. Und ein guter Rat aus dem ersten Semester hat sich bewährt: Man meistert das Studium nicht alleine. Ein Kumpel und ich – wir kennen uns seit dem Vorkurs – haben uns gegenseitig motiviert und das Studium gemeinsam durchgezogen.

Sie haben, und das ist keineswegs selbstverständlich, die Regelstudienzeit von sechs Semestern eingehalten, obwohl Sie wie die meisten Ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen nebenher gearbeitet haben. Wie schafft man das?

Im Modellversuch war vorgegeben, dass man jedes Semester eine bestimmte Anzahl von Credit Points erreichen musste. Deshalb hatte ich von vornherein einen gewissen Druck, zügig voranzukommen. Außerdem hatte ich mir vor Beginn des Studiums vorgenommen, in Regelstudienzeit zu bleiben und danach direkt in die Arbeitswelt zurückzukehren. Und was mir sicher auch geholfen hat, waren die Disziplin und die Zielstrebigkeit, die ich aus dem Leistungssport mitgebracht habe.

Entgegen Ihrer ursprünglichen Pläne haben Sie nun einen Master Allgemeiner Maschinenbau bei uns an der Hochschule begonnen. Für welche Themen in Ihrem Studium können Sie sich besonders begeistern?

Mir hat das Thema Produktentwicklung schon im Bachelor viel Spaß gemacht und diese Vertiefung habe ich auch im Master gewählt. In meiner Bachelor-Thesis habe ich bei meinem Ausbildungsbetrieb ein Konzept für einen Prospektzug entwickelt – eine Hebevorrichtung im Theater, mit der Bühnenbilder angehoben und abgesenkt werden. Die Umsetzung dieses Konzepts kann ich jetzt als Werkstudent während des Master-Studiums betreuen. Es ist total spannend, die Theorie in die Anwendung zu übertragen.

Wie blicken Sie in die Zukunft?

Erst mal freue ich mich auf den Master, besonders auf die beiden wissenschaftlichen Projekte im dritten Semester. Dabei habe ich das Glück, dass ich seit Oktober durch ein Deutschlandstipendium gefördert werde und mich intensiv aufs Studium konzentrieren kann. Meine Master-Thesis würde ich gerne wieder in einem Unternehmen schreiben. Danach möchte ich dann aber wirklich in die Arbeitswelt zurückkehren.


Studieren ohne Abitur

Haben Sie auch Interesse daran, ohne (Fach-)Abitur an der Frankfurt UAS zu studieren? Auf unserer Info-Seite finden Sie Details zu diesem Thema sowie die Kontaktdaten unserer Ansprechperson.

Zentrale WebredaktionID: 8862
letzte Änderung: 05.11.2020