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Vakuumlabor der Frankfurt UAS unterstützt Rechtsmedizin bei Aufklärung von Todesfällen


Warnung: Der nachfolgende Beitrag beinhaltet explizite Beschreibungen von Todesfällen und deren forensischer Analyse. Manche Leser/-innen können auf diese Inhalte sensibel reagieren.


Die Polizei wird zu einer Wohnung gerufen, in der eine Leiche aufgefunden wurde. Anzeichen deuten auf ein Verbrechen hin. Aber wie genau ist das Opfer zu Tode gekommen? Die Frage nach der Todesursache eines Menschen hat in einem Kriminalfall eine entscheidende Bedeutung. Einen einzigartigen Beitrag zur Aufklärung möglicher Verbrechen leistet das Labor für Vakuum- und Tieftemperaturtechnik der Frankfurt UAS: Dank der Analyse von Lungengasen und Asservaten – also Beweismitteln – mithilfe eines sogenannten Massenspektrometers kann hier nachgewiesen werden, was die Verstorbenen zuletzt eingeatmet haben. Bei einem aktuellen Fall konnte Laboringenieur Christian Juhnke dabei erneut die Münchner Rechtsmedizin unterstützen.

Selbstmord durch Helium?

Weil es in Deutschland so wenige Spezialistinnen und Spezialisten in diesem Bereich gibt, wird die Expertise des Labors, das unter der Leitung von Prof. Dr. Thordis Michalke steht, immer wieder bundesweit und sogar bei Fällen aus dem Ausland nachgefragt. Im aktuellen Fall waren in München eine Mutter und ihre minderjährige Tochter tot in ihrem Wohnzimmer gefunden worden. Sie trugen Plastiktüten über dem Kopf, eine Heliumflasche lag neben den Leichen. Die Situation schien eindeutig – der Selbstmord mithilfe des Edelgases Helium kommt traurigerweise immer häufiger vor. Aber war es nicht auch möglich, dass ein Dritter mithilfe der Tüten und der Flasche bloß diesen Anschein hatte erwecken wollen?

Klarheit für die Hinterbliebenen

Juhnkes Untersuchung bewies, dass die Frau und ihr Kind zuletzt reines Helium eingeatmet hatten – so konnte die Polizei nachweisen, dass die Opfer tatsächlich auf diese Weise verstorben waren. Vermutlich handelte es sich um einen erweiterten Selbstmord. „Die Untersuchung solcher Gasproben ist natürlich ungeheuer bedrückend. Trotzdem freuen wir uns, der Rechtsmedizin durch unsere Arbeit gerichtsfeste Untersuchungsergebnisse liefern zu können und so zur Aufklärung von Todesfällen beizutragen“, erklärt Juhnke. „Auch, wenn kein Verbrechen vorliegt, ist es doch für Hinterbliebene von großer Bedeutung, welche Ursache der Tod eines geliebten Menschen hatte.“

Nachweisbar: Der erste Atemzug

Besonders wichtig kann die Untersuchung der Lungengase von toten Neugeborenen sein. Das Vorhandensein von Luft in Lungen gilt in der Rechtsmedizin als ein Vitalzeichen: Wird im Lungengas von toten Neugeborenen Luft nachgewiesen, sind sie erst nach der Geburt verstorben. Dieser Umstand ist häufig entscheidend, wenn beispielsweise geprüft wird, ob Mutter oder Kind Opfer eines Gewaltverbrechens sind. Das Labor für Vakuum- und Tieftemperaturtechnik arbeitet deshalb an der Entwicklung einer Methode, mit der auch Gase aus den Lungen von Säuglingen untersucht werden können.

Komplexe Untersuchung kleinster Gasmengen

Laboringenieur Juhnke erläutert die Problematik: „Bei der Untersuchung der Lungengase von Neugeborenen stehen wir vor besonderen Herausforderungen – die Gasmenge ist sehr gering und muss zunächst störungsfrei extrahiert werden. Anschließend müssen wir unterscheiden, ob die eventuell gefundene Luft aus der Lunge stammt oder ob die Luft erst bei der Analyse aus der umgebenden Atmosphäre in die Untersuchungsprobe eingedrungen ist.“ Rechtsmediziner/-innen müssen schließlich die Ergebnisse der Analysen sicher bezeugen können.


Mehr Informationen zum Labor für Vakuum- und Tieftemperaturtechnik finden Sie auf dieser Seite.

Zentrale WebredaktionID: 8862
letzte Änderung: 05.11.2020