Menü

Veranstaltungen im Fachbereich 4

Ausstellungseröffnung: "Wohnungslose im Nationalsozialismus"

11. November 2019, 18.00 Uhr

Ausstellungseröffnung: "Wohnungslose im Nationalsozialismus"

Katharinenkirche, Frankfurt am Main, Hauptwache

Dauer der Ausstellung: 11. – 28. November 2019
Öffnungszeiten: Montags bis Samstags, 12.00-18.00 Uhr

Die Ausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ zeigt die Entwicklung von den ersten Razzien 1933 bis zum Terror der KZ-Haft. Die Veranstaltungen des Rahmenprogramms rücken verschiedene Aspekte der Verfolgung von Menschen als „Asoziale“ in den Blickpunkt.

Bettelei, Landstreicherei, Obdachlosigkeit und Prostitution wurden bereits vor 1933 verfolgt. Verdächtige Personen wurden zu Objekten staatlichen Verwaltungshandeln gemacht und ausgegrenzt. Ihre Erfassung war geleitet von den Zielen moderner Sozialtechnik: Verminderung der Sozialausgaben, Aussonderung Unangepasster, Vorbereitung eugenischer Maßnahmen. Als die nationalsozialistische Staatsführung 1933 neue repressive Rahmenbedingungen setzte und die politischen Signale gab, entfaltete sich das vorhandene Potenzial einer autoritären Wohlfahrtspolitik, die über Jahrzehnte innergesellschaftliche Feindgruppen definiert hatte.

Im nazistischen Erlass zur vorbeugenden Verbrechensbekämpfung vom Dezember 1937 wurde postuliert: „Als asozial gilt, wer durch gemeinschaftswidriges, wenn auch nicht verbrecherisches Verhalten zeigt, daß er sich nicht in die Gemeinschaft einfügen will.“ Das heißt, das Strafrecht bot kaum Handhabe, gegen diese Personen vorzugehen, nur das mobilisierte Ressentiment der Gemeinschaft ordentlicher Bürger diente als Legitimation. Ähnlich verhielt es sich mit den sogenannten „Berufsverbrechern“: Straffällig gewordene Personen wurden nach Verbüßung einer tatbezogenen Strafe ein zweites Mal und nun in einem Konzentrationslager inhaftiert – unbefristet, ohne gesetzliche Grundlage, nur aufgrund von Zuschreibungen.

Im Bundesentschädigungsgesetz nicht berücksichtigt, nur an wenigen Orten als NS-Opfer repräsentiert, gibt es kaum Opfergruppen, die weniger im öffentlichen Gedächtnis verankert sind. Das Anknüpfen an Muster und Stereotype aus der Zeit der NS-Verfolgung kennzeichnet die Überlieferung. Auch heute wird immer wieder deutlich, dass Behörden und Apparate – obgleich vom demokratischen Staat geprägt und ausgestattet – keine Garanten rechtsstaatlicher Prinzipien sind.

Ausstellungseröffnung

11. November, 18 Uhr, Katharinenkirche
Begrüßung (Arbeitskreis Zwangssterilisation und „Euthanasie“ Frankfurt am Main)

Wohnungslose im Nationalsozialismus (Prof. Wolfgang Ayaß, Kassel)

Auftritt von Musikern des Philharmonischen Vereins der Roma und Sinti

"Herumtreiberei"und „liederlicher Lebenswandel“ – Frauen im Zugriff von Fürsorge, Gesundheitsamt und Polizei im NS-Staat

14. November, 19 Uhr, Frankfurt University of Applied Sciences, Geb. 2, Raum 174
Dr. Christa Schikorra (Flossenbürg, Berlin)

Welche Frauen galten als „asozial“ und „gemeinschaftsfremd“, und warum? Welche Instanzen waren an ihrer Verfolgung beteiligt und was wurde ihnen vorgeworfen? Ausgehend von überlieferten Akten der Fürsorgeeinrichtungen und Gesundheitsämtern, der Polizei und der Krankenanstalten aus der NS-Zeit wird die Konstruktion der weiblichen „Asozialen“ in den Blick genommen. Die Kontinuitäten der Ausgrenzung wirken bis in die Gegenwart.

"Du hattest es besser als ich“

19. November, 19:30 Uhr, Bibliothekszentrum Sachsenhausen
Prof. Frank Nonnenmacher (Frankfurt am Main)

Zwei Brüder im 20. Jahrhundert. Nonnenmacher, emeritierter Professor für politische Bildung, erzählt die Geschichte seines Vaters und seines Onkels: Gustav flog für Hitlers Luftwaffe und wurde später freischaffender Bildhauer. Sein Bruder Ernst kam nach Verbüßung einer Strafhaft als „Berufsverbrecher“ ins KZ. Nonnenmacher ist Gründer einer Initiative zur Anerkennung dieser bislang ignorierten Opfergruppe.

Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma – eine Wirkungsgeschichte

28. November, 19 Uhr, Haus am Dom, Giebelsaal
Dr. Udo Engbring-Romang (Marburg)

Sinti und Roma waren spätestens seit 1935 als angebliche „Fremdrasse“ von der NS-Verfolgungspolitik betroffen, gleichzeitig waren sie auch Opfer des traditionellen Antiziganismus, der sie als „Nichtsesshafte“ und „Arbeitsscheue“ stigmatisierte. Dieser Ausgrenzungsmechanismus wirkte nicht zuletzt bei Behörden wie auch in den Entschädigungsverfahren nach 1945 weiter.

Eine Ausstellung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V.

Veranstalter:

  • Arbeitskreis Zwangssterilisation und „Euthanasie“ Frankfurt am Main
  • Frankfurt University of Applied Sciences (FB 4)
  • Förderverein Roma e.V.
  • AG Bund der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten
  • Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.

Unterstützer/Förderer:

  • Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt am Main
  • Stiftung Citoyen
  • FAZIT-Stiftung
  • Hessische Landeszentrale für politische Bildung
  • ECCO! Agentur für Kulturmedien

Kontakt für Presseanfragen:

Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.
Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Main

Andreas Dickerboom

Tel: 0170-9034261

rhein-main(at)gegen-vergessen.remove-this.de

Wann und wo?

11.11.2019 bis 28.11.2019
18:00 bis 19:00
Katharinenkirche, Frankfurt
Zentrale WebredaktionID: 3728
letzte Änderung: 15.04.2018