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Zertifikatskurs achtsame Hochschullehrende

Das Seminar

Der aus fünf Modulen bestehende Zertifikatskurs zielt darauf ab, Hochschullehrende in Meditation und Achtsamkeit einzuführen, um die eigene Persönlichkeit zu stärken und die berufliche Arbeit positiv zu verändern. Wir werden individuelle, interaktive und systemische Aspekte von Meditation betrachten. Gemeinsam erproben wir praktische Übungen unterschiedlicher Art. Die Teilnehmenden werden dazu angeregt, ihre Übungspraxis außerhalb der Module fortzusetzen und Elemente davon in Hochschullehre und Hochschulalltag einfließen zu lassen.

Die Module werden geleitet von Dr. Reiner Frey, PD Dr. Sabine Huschka, Prof. Dr. Mike Sandbothe, Jörg Henkel und Christiane Leiste. Da es sich um einen Grundkurs handelt, gibt es außer Ihrer Bereitschaft zur Mitwirkung keine weiteren Teilnahmevoraussetzungen. Von uns aufgenommen werden Ihre bereits bestehenden Erfahrungen mit eigenen Meditations- und Achtsamkeitspraktiken. Voraussetzungen für die Zertifizierung: siehe Modul 5.

Der Zertifikatskurs geht ursprünglich zurück auf das Innovationsprojekt „Gesundes Lehren und Lernen“ an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena (dort erstmals im WS 2017/18). Er wurde zuletzt im WS 2019/20 als Vertiefungskurs an der Hochschule Osnabrück durchgeführt.

Zum Flyer

9. und 10. Oktober 2020 (Fr. 14 bis19 Uhr, Sa, 10 bis 18 Uhr)

Leitung: Dr. Reiner Frey, Frankfurt University of Applied Sciences,
und PD Dr. Sabine Huschka

Innere Ruhe finden, Körper und Geist stabilisieren und vitalisieren, mit einem weiten Geist anderen begegnen und dabei stets ins ‚Hier‘ zurückkehren, markieren die Erfahrungs- und Reflexionsfelder, die durch praktische Übungen und Gesprächsrunden vermittelt werden. Gemeinsam erarbeiten wir Übungsanteile für den täglichen Arbeitsalltag, um sie praktikabel in die tägliche Arbeit zu integrieren.

Energie, Entspannung, Konzentration sowie Klarheit im Denken und Sicherheit im Handeln können ihre Kraft aus der Stille des Bewusstseins entfalten. Entschleunigung wird gefördert und Resilienz aufgebaut.

Das Modul eröffnet einen weiten Erfahrungsraum für praktische und dialogische Methoden und Zugänge zu einer entspannten Geisteshaltung. Theoretische Inputs und praktische Übungen wechseln mit Feedback und Reflexion in Zweier- und Kleingruppen. Gesprächsrunden über Erfahrungen und Probleme im Hochschulalltag, vor allem in der Lehre, im Umgang mit Studierenden und Kolleg/-innen führen in Auseinandersetzung mit ausgewählten Texten und Theorien zu einer vertieften Reflexion der eigenen Handlungskompetenzen.

Angewandt werden Methoden auf dem Hintergrund einer säkularen und buddhistischen Meditationspraxis. Es erfolgt eine Einführung in folgende Meditationsformen:
- Sitzende stille Meditation
- Gehmeditation
- Körperübungen (Ki Song)
- Mantra-Rezitation

06. und 07. November 2020 (Fr. 14 bis 19 Uhr, Sa. 10 bis 18 Uhr)

Leitung: Prof. Dr. Mike Sandbothe, Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Das Modul gibt eine Übersicht über die Erfahrungen, die mit dem Thüringer Modell Achtsame Hochschulen (www.achtsamehochschulen.de) in den Jahren 2015-2019 an Hochschulen in Erfurt, Ilmenau, Jena, Nordhausen und Weimar gemacht wurden. Die in diesem Rahmen erprobten und evaluierten Kursformate für Studierende, Lehrende, Mitarbeitende und Führungskräfte werden vorgestellt.

Es handelt sich dabei um zielgruppenspezifische Weiterentwicklungen des vom amerikanischen Medizinprofessor Jon Kabat-Zinn 1979 am University Hospital of Massachusetts konzipierten Achtsamkeitstrainings Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR). Dieses mehrwöchige Kursformat wurde in den vergangenen Dekaden umfassend evaluiert. Es ist heute weltweit etabliert und international anerkannt.

In seinem Hauptteil führt das Modul in ausgewählte MBSR-Übungen ein. Dazu gehören neben Sitz- und Gehmeditationen u.a. Körpermeditationen (Body Scan) und achtsame Bewegungsübungen (Yoga). Mittels dialogischer Meditationsformen (Dyaden), explorativer Gespräche und Kleingruppenarbeit werden die Erfahrungen einbezogen, welche die Teilnehmenden mit spezifischen Stressoren in Lehre, Forschung und Gremienarbeit machen.

Darüber hinaus werden je nach Interessenlage exemplarische Übungen vorgestellt, mit deren Hilfe sich Achtsamkeit auf gezielte Weise zur systemischen Transformation von Hochschulen nutzen lässt. Von besonderer Bedeutung sind dabei die folgenden von Claus Otto Scharmer und seinem Team am Presencing Institute in Cambridge/Mass. (www.presencing.org)  entwickelten achtsamkeitsbasierten (Weiter-) Bildungsformen: Journaling, 3C-Listening und 4D-Mapping (Social Presencing Theater).

Abschließend wird anhand von Fallbeispielen gezeigt, wie die transformativen Synergien von individuellen (Kabat-Zinn) und systemischen (Scharmer) Achtsamkeitsübungen in der zweiten Entwicklungsphase des Thüringer Modells (2020 ff) genutzt werden.

04. und 05. Dezember 2020 (Fr. 14 bis 19 Uhr, Sa. 10 bis 18 Uhr)

Leitung: Jörg Henkel

In diesem Modul geht es um das Bewusstwerden und kreative Einsetzen von Charakterstärken und die Integration von Stärken in die Achtsamkeitspraxis. Charakterstärken beschreiben tugendhaftes Handeln und werden deshalb auch Values in Action (VIA) genannt. Sie wurden von den Psychologen Seligman und Peterson (2004) klassifiziert. Die VIA wirken kulturübergreifend erfüllend und erhebend, sowohl auf den Handelnden als auch auf dessen Umgebung. Das Erkennen und bewusste Einsetzen dieser Charakterstärken in Verbindung mit zentrierender Meditation sind eine gute Möglichkeit, sich selbst mehr aus einer stärkenorientierten Sicht wahrzunehmen, seine eigene innere Mitte zu entwickeln und auch Achtsamkeit für die Stärken seiner Mitmenschen zu entwickeln.

Alle Teilnehmer sollten vor diesem Modul zur Evaluation der individuellen Charakterstärken online auf der Seite der Universität Zürich www.charakterstaerken.org den wissenschaftlich fundierten Test mit 264 Fragen „VIA Inventar der Stärken (VIS-IS)“ gemacht haben.

Wir werden dann mit Hilfe der Ergebnisse des VIA Tests und theoretischem Input in Zweier- und Kleingruppen arbeiten, in stärkenfokussierten Meditationen und Körperübungen ein Bewusstsein für Stärken und deren sinnvollen Einsatz entwickeln sowie den Transfer in den Hochschulalltag herstellen.

15. und 16. Januar 2021 (Fr. 14 bis 19 Uhr, Sa. 10 bis 18 Uhr)

Leitung: Christiane Leiste, Hochschule Osnabrück

Auch wenn wir durch unsere tägliche Meditationspraxis in Achtsamkeit gut geübt sind, fehlen uns häufig konkrete Werkzeuge die uns helfen, auch in Teambesprechungen, bei zwischenmenschlichen Spannungen und in Konflikten „achtsam“ zu sein.

Lewis Deep Democracy bietet Tools mit deren Hilfe wir Achtsamkeit ganz lebenspraktisch in Konfliktsituationen oder auch in Teamsitzungen anwenden können. Es zeigt sich, dass die „4 Schritte von Deep Democracy“ und die „Neutralität“ der Moderator/-in oder des Leaders den Grundhaltungen der Achtsamkeit entsprechen. Anhand von Entscheidungsfindung üben wir diese Haltung von:

  • Nicht-Urteilen (non-judging),
  • Geduld (patience),
  • Anfängergeist (beginner‘s mind),
  • Vertrauen (trust),
  • Nicht-Streben (non-striving),
  • Anerkennen (acceptance),
  • Nicht-Anhaften (letting go).

Außerdem: Widerstand im Team, Rollentheorie, Konfliktlösung und Streit nach der Methode Lewis Deep Democracy.

12. und 13. Februar 2021 (Fr. 14 bis19 Uhr, Sa. 10 bis 18 Uhr)

Leitung: Dr. Reiner Frey und PD Dr. Sabine Huschka

Im abschließenden Modul gibt es Zeit, die eigene Meditationspraxis anhand der bisher geübten Methoden gemeinsam zu vertiefen und zu reflektieren. Erste Schritte einer eigenen Umsetzung in den Hochschulalltag werden von den Teilnehmenden vorgestellt. Was habe ich gemacht, wie ist es gelaufen?

Wir planen gemeinsam, wie wir nach dem Kurs Kontinuität gewährleisten können (z.B. Netzwerkbildung, Workshops zur Vertiefung).

Voraussetzung für die Zertifizierung ist die Teilnahme an mindestens 4 der insgesamt 5 Module sowie eine mindestens 3-seitige Dokumentation, in der Sie die Anwendung der erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten im eigenen Praxisfeld beschreiben.

Lehrende an Hochschulen

Weiterbildung in 5 Modulen ab Herbst 2020, jeweils 1,5 Tage, freitags von 14:00 bis 19:00 Uhr und samstags von 10:00 bis 18:00 Uhr.

Veranstaltungsorte:

Frankfurt University of Applied Sciences, Gebäude 4, Raum 109/110

Diese Zertifikatsweiterbildung wird unterstützt durch die AOK Hessen.

Für alle 5 Module fällt lediglich eine Verpflegungspauschale von 180 Euro je Teilnehmer/-in an. In den Kosten enthalten sind Kursunterlagen, Mittagessen am Samstag und Pausenverpflegung.

Bitte beachten Sie, dass Anreisen und Übernachtungen nicht in der Teilnahmegebühr enthalten sind. Hotels sind sowohl in Nähe der Frankfurt University of Applied Sciences als auch am Tagungsort Mühltal durch jeden Teilnehmenden selbst buchbar.

Sie erhalten eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung der Frankfurt University of Applied Sciences mit ausführlicher Beschreibung der Weiterbildungsinhalte.

Reiner Frey war Kanzler der Frankfurt University of Applied Sciences und ist seit 2016 Leiter des lehr- und forschungsorientierten Projekts „Persönlichkeit, Reflexion und Gesellschaft“ mit dem Fokus auf Meditation, Selbstreflexion und philosophisches Denken der Studierenden (u.a. im Studium Generale). Er ist Direktoriumsmitglied des Anfang 2020 gegründeten "Zentrums für Persönlichkeitsbildung und gesellschaftliche Verantwortung" der Hochschule. Reiner Frey hat 35 Jahre eigene Meditationserfahrung mit buddhistischen Lehrern aus verschiedenen Traditionen. Seit langem ist er Schüler ("Head Disciple") sowie Meditations- und Dharma-Lehrer der aus Korea stammenden und im Westen lebenden und lehrenden Dharma-Großmeisterin Ji Kwang Dae Poep Sa Nim, Oberhaupt der buddhistischen Yun Hwa Denomination des Sozialen Buddhismus.

Sabine Huschka arbeitet und lebt als habilitierte Tanz- und Theaterwissenschaftlerin in Berlin, wo sie z.Zt. als Gastwissenschaftlerin im Graduiertenkolleg „Das Wissen der Künste“ an der Universität der Künste Berlin tätig ist. Sie besitzt eine breite Forschungs- und Lehrerfahrung an mehreren Universitäten, u.a. Leitung mehrerer Forschungsprojekte der DFG sowie des Studiengangs Performance Studies an der Universität Hamburg (Publikationen siehe www.tanz-wissen.de). Seit über 20 Jahren ist sie praktizierende Buddhistin („Disciple“) sowie Meditations- und Dharma-Lehrerin in der Yun Hwa Denomination des Sozialen Buddhismus. Weiterhin engagiert sie sich in der Deutschen Buddhistischen Union (DBU), dem Dachverband deutscher buddhistischer Gruppen aus unterschiedlichen Traditionen.

Mike Sandbothe ist Professor für Kultur und Medien an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena und zertifizierter Trainer für Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR). Der Entwicklungsleiter des Thüringer Modells Achtsame Hochschulen befasst sich seit vielen Jahren mit gesundheitsförderlichen Lehr- und Lernformen sowie spirituellen Bildungspraktiken. International ist der habilitierte Philosoph durch seine Schriften als Mitbegründer der modernen Medienphilosophie und zeitgenössischer Vertreter des philosophischen Pragmatismus hervorgetreten.
Homepage: www.sandbothe.com

Jörg Henkel studierte Komplementärtherapie und leitet seit 1995 das Institut Henkel, das Methoden erforscht, entwickelt und lehrt, die achtsamkeitsbasierte Körper- und Massagearbeit mit ganzheitlicher Persönlichkeitsentwicklung verbinden. Er hat seit über 25 Jahre Erfahrung in buddhistischer Meditation in der Tradition der Yun Hwa Denomination des Sozialen Buddhismus und ist „Disciple“ der Großmeisterin Ji Kwang Dae Poep Sa Nim. Seit 2009 leitet er das Meditationszentrum „Darmstadt Yun Hwa Dharma Sah“ und organisiert und leitet zahlreiche buddhistische Retreats.

Christiane Leiste, Programmleiterin für Mindful Leadership an der Hochschule Osnabrück, Achtsamkeitslehrerin, Pädagogin, Kuratorin und erste deutsche Lewis Deep Democracy Trainerin und Facilitatorin. Lehraufträge führten sie in letzter Zeit neben Osnabrück unter anderem zu Akademic Emilan Stanev in Bulgarien, zur Kreisau Stiftung in Polen oder nach Bait al Sham in Beirut.

  • Frank E.P. Dievernich / Gerd-Dietrich Döben-Henisch / Reiner Frey: Bildung 5.0: Wissenschaft, Hochschulen und Meditation. Das Selbstprojekt.
    114 Seiten, Beltz-Juventa 2019 
  • Reiner Frey (Hrsg.): Meditation und die Zukunft der Bildung: Spiritualität und Wissenschaft.
    Ca. 175 S., Beltz-Juventa 2020
  • Jon Kabat-Zinn: Gesund durch Meditation. Das große Buch der Selbstheilung mit MBSR, München: Knaur 2019
  • Claus Otto Scharmer: Theorie U - Grundprinzipien und Anwendungen, Heidelberg: Auer 2019
  • Mike Sandbothe / Reyk Albrecht (Hrsg.): Achtsame Hochschulen in der digitalen Gesellschaft, Bielefeld: transcript 2020 (Band 1 der Buchreihe: Achtsamkeit-Bildung-Medien)
  • Jacob Schmidt: Achtsamkeit als kulturelle Praxis. Zu den Selbst-Welt-Modelle eines populären Phänomens, Bielefeld: transcript 2020 (Band 2 der Buchreihe: Achtsamkeit-Bildung-Medien)
Anna BergstermannID: 8177
letzte Änderung: 03.09.2020