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Christina Budde erhält Laura-Maria-Bassi-Preis 2026

Mehr Sichtbarkeit für Architektinnen: Auszeichnung für Wissenschaftsprojekt zu Frauen im Architekturberuf

Den Laura-Maria-Bassi-Preis für Frauenförderung und eine geschlechtersensible Hochschulkultur erhält in diesem Jahr Christina Budde. Sie erhält den Preis für ihr Engagement in der Lehre am Fb 1 insbesondere im Wissenschaftsprojekt „Von Unsichtbarkeit und Sichtbarmachen – Zur Repräsentanz von Frauen in der Architektur“, in dem Studierende Biografien von (oft unbekannten oder für ihr Werk nicht entsprechend anerkannten) Frauen in der Architektur recherchieren und diese ausarbeiten.

Auf Empfehlung der Frauenkommission würdigt unsere Hochschule mit ihrer Auszeichnung Christina Buddes großen Einsatz dafür, dass sich das Bild von Frauen im Architekturberuf ändert. Die Preisträgerin nahm am 12. Februar 2026 die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung von Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, Präsident der Frankfurt UAS, entgegen. Zu der Feierstunde im Mehrzweckraum von Gebäude 10 waren Weggefährt*innen, Kolleg*innen, Professor*innen, Vertreterinnen der Frauenkommission und ihre Studierenden, auch aus früheren Semestern, gekommen.

Wichtige Impulsgeberin für Frauen wie Männer

In seiner Gratulation hob Schocke Christina Buddes Rolle als wichtige „Impulsgeberin“ für Studierende und Lehrende gleichermaßen hervor und würdigte ihr Verdienst für Chancengerechtigkeit und Diversity. „Durch Ihr außergewöhnliches Engagement in der Lehre tragen Sie maßgeblich dazu bei, das Werk und die Persönlichkeit von Frauen in der Architektur sichtbar zu machen. Gemeinsam mit den Studierenden eröffnen Sie neue Perspektiven, schaffen inspirierende Vorbilder für Frauen wie Männer und verhelfen den Leistungen von Architektinnen aus Vergangenheit und Gegenwart zu der Anerkennung, die ihnen zusteht. Damit stärken Sie nicht nur das Bewusstsein für Vielfalt in der Architektur, sondern ermutigen insbesondere junge Frauen, ihren eigenen Weg mit Selbstvertrauen und Entschlossenheit zu gehen.“

Mitverantwortlich für DAM-Ausstellung FRAU ARCHITEKT

Christina Budde war Kuratorin am Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main und 2017 mitverantwortlich für die Ausstellung „FRAU ARCHITEKT – Seit mehr als 100 Jahren: Frauen im Architektenberuf“, aus der ein Kooperationsprojekt mit der Frankfurt UAS hervorging. Seit dem Wintersemester 2020 ist sie am Fachbereich Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik der Frankfurt UAS tätig und bietet in jedem Wintersemester ein Modul zur Repräsentanz von Frauen in der Architektur an. Bisher sind daraus drei Bücher und eine Ausstellung mit Studierenden entstanden.

Großer Anklang bei Studierenden

„Mit ihrem Lehrformat findet Frau Budde große Resonanz bei den Studierenden. Das Projekt schafft nach und nach eine wissenschaftliche Grundlage, mit der die Implementierung von Biografien von Frauen in Architekturgeschichte und Gegenwartskultur in das Bewusstsein von Fachwelt und Gesellschaft gefördert wird. Das ist ein besonders wertvoller Beitrag für die gegenwärtige Architekturlehre und weit darüber hinaus“, so Prof. Heinrich Lessing, Sprecher der Lehreinheit Architektur und Studiengangsleiter sowohl des Bachelor- als auch des Master-Studiengangs Architektur. Er hat Budde für den Laura-Bassi-Preis vorgeschlagen.

Architekturgeschichte als HER Story

In ihrer Dankesrede hob Christina Budde hervor, wie sehr es sie freue zu sehen, mit welchem Enthusiasmus ihre Studierenden sich an die Themenbearbeitung machten. Inzwischen sei ihr Kurs eine etablierte Veranstaltung. Architekturgeschichte auch als HER Story zu erzählen in der festen Überzeugung, dass mehr Diversität auch mehr Kreativität hervorbringe, sei kein Orchideen-Thema mehr. Die besondere Relevanz ihres Kurses zeige sich aber dadurch, dass noch ein zu hoher Anteil an Architektur-Absolventinnen mit Schwierigkeiten zu kämpfen habe, sich nach dem Abschluss im Berufsfeld erfolgreich zu platzieren. Ihr Anliegen sei es, den Studentinnen ein wirksames Instrumentarium an die Hand zu geben, um sich dafür zu rüsten. Umso erfreulicher sei es, dass in ihren Kursen der Anteil der männlichen Teilnehmer kontinuierlich steige, so Budde.

Männlich geprägte Fachkultur

Die Debatte über die ungleichen Geschlechterverhältnisse und die Rolle von Frauen in der zeitgenössischen Architektur ist weiterhin aktuell: Obwohl mittlerweile mehr Frauen als Männer Architektur studieren, bildet sich dieses Verhältnis weder in den führungsrelevanten Positionen der Architekturbüros oder der Auftragsvergabe noch in der fachlichen und medialen Aufmerksamkeit für architektonische Leistungen ab.

Die Laudatio hielt Prof. em. Dr. Mary Pepchinski, Architekturhistorikerin, Geschlechterforscherin und wissenschaftliche Kuratorin der Ausstellung FRAU ARCHITEKT im DAM. „Mitte des 20. Jahrhunderts konnte man noch behaupten: ,Man wird nicht als Frau geboren, man wird es‘“, sagte sie in Anspielung auf das berühmte Zitat der französischen Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir aus dem Jahr 1949. „Zu Beginn des 21. Jahrhunderts akzeptieren wir diese Aussage nicht mehr als Tatsache. Frauen fordern ihre Selbstbestimmung ein und schaffen neue soziale, politische, kulturelle und wirtschaftliche Bedingungen, damit jeder Mensch auf diesem Planeten sein volles Potenzial entfalten kann.“ Pepchinski lobte Christina Budde als „eine mutige Persönlichkeit, eine talentierte Pädagogin und eine äußerst einfühlsame Person, die diesen Wandel vorantreibt.“

Studierende gratulierten mit herzlichen Worten

Auch die Studierenden gratulierten Christina Budde mit herzlichen Worten zum Laura-Bassi-Preis. Im Namen ihres ganzen Kurses bedankten sich die Studierenden Michelle Zofer und Friedrich Kujus „für ein Seminar, das nicht belehrt, sondern bewegt. Das nicht trennt, sondern Zusammenhänge sichtbar macht und uns zu aufmerksameren und reflektierteren Architekt*innen werden lässt“.

Als Autorin von FRAU ARCHITEKT, als DAM-Kuratorin und vor allem als Lehrende habe Budde Räume geöffnet. „Immer ging es um mehr als nur um Gebäude. Es ging um Sprache, Sichtbarkeit, Lehre, Praxis und um die Frage, wer Architektur eigentlich erzählen darf “, so Michelle Zofer. „Sie schaffen einen Raum, in dem Fragen gestellt werden dürfen. Sie regen den Diskurs zwischen uns Studierenden an und eröffnen ein Forum für gesellschaftspolitisch zentrale Themen im Zusammenhang mit Architektur.“ Das Seminar verlange das Hinterfragen eigener Positionen und das Verlassen der eigenen Komfortzone, so Friedrich Kujus. „Es geht darum, Architektur aus vielfältigen Perspektiven zu betrachten und zu kontextualisieren. Ein solcher Perspektivwechsel sollte kein Wahlfach bleiben, sondern ein selbstverständlicher Bestandteil jedes Studiums werden.“

Neues Projekt zu Wikipedia

Christina Budde hat bereits ein neues Projekt in Vorbereitung: Sie möchte mit ihren Studierenden Wikipedia-Einträge von Architektinnen bearbeiten und ergänzen, um sie auch dort sichtbarer zu machen.

Laura-Maria-Bassi-Preis

Namensgeberin ist Laura Maria Bassi (1711-1778), die als erste Universitätsprofessorin Europas Physik in Bologna lehrte. Die Naturwissenschaftlerin und Mutter von acht Kindern wurde als eine der ersten Frauen von der Universität Bologna promoviert und als einzige Frau in die Bologneser Akademie aufgenommen. Die Frankfurt UAS vergibt die Auszeichnung seit 2005 im jährlichen Wechsel an Studierende oder Beschäftigte der Hochschule. Damit honoriert sie Initiativen, die z.B. zur Erhöhung des Frauenanteils in Studiengängen mit geringer Frauenquote führen, Aktivitäten, die der sexuellen Diskriminierung von Frauen oder Männern an der Hochschule entgegenwirken oder in anderer Weise zur Gerechtigkeit im Geschlechterverhältnis beitragen.

Weitere Informationen zum Laura-Maria-Bassi-Preis unter: www.frankfurt-university.de/laura-maria-bassi-preis

 

Kontakt:

Frankfurt University of Applied Sciences

Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte

Dr. Margit Göttert, Telefon: +49 69 1533-2424, E-Mail: frauenbeauftragte(at)hsl.fra-uas.remove-this.de

 

 

 

 

 

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letzte Änderung: 23.11.2023