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Elternschaft zwischen Stigmatisierung und Fürsorge

Judith Pape-Greif promoviert an der Frankfurt UAS zu den Erfahrungen hochgewichtiger Mütter und Väter

Eltern mit hohem Körpergewicht sehen sich häufig mit Vorurteilen, Zuschreibungen und gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert. Gerade im Kontext von Familie und Erziehung geraten sie verstärkt in den Fokus öffentlicher Bewertungen. Mit ihrer Dissertation „Dicke Elternschaft erzählen. Stigmabewältigung hochgewichtiger Mütter und Väter aus der Perspektive der Fat Studies“ hat Judith Pape-Greif untersucht, wie hochgewichtige Eltern ihre Elternschaft erleben, welche Bedeutung Gewichtsstigmatisierung in ihrem Alltag hat und wie sie mit den damit verbundenen Herausforderungen umgehen. Am 21. Juli 2026 verteidigte sie erfolgreich ihre Dissertation am gemeinsamen Promotionszentrum Soziale Arbeit der hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW Hessen). Erstbetreut wurde ihre Arbeit von Prof. Dr. Lotte Rose, Professorin für Pädagogik der Kinder- und Jugendarbeit am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS).

Forschungslücke: Die Perspektive hochgewichtiger Eltern

Ausgangspunkt der Studie ist die Beobachtung, dass hohe Körpergewichte in öffentlichen Debatten häufig als individuelles Problem betrachtet werden. Eltern mit hohem Körpergewicht stehen dabei unter besonderer Beobachtung, da ihnen eine zentrale Verantwortung für die Entwicklung und Gesundheit ihrer Kinder zugeschrieben wird. Gleichzeitig werden ihre Erziehungs- und Fürsorgekompetenzen aufgrund ihres Körpergewichts oft infrage gestellt.

„Mit ihrer Dissertation liefert Judith Pape-Greif einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Fat Studies im deutschsprachigen Raum und zur Erforschung von Elternschaft, sozialer Ungleichheit und Diskriminierung. Grundlage der Arbeit sind die Erfahrungen hochgewichtiger Eltern selbst – einer Perspektive, die bislang in der Forschung kaum berücksichtigt wurde“, betont Prof. Dr. Lotte Rose.

„Mich interessierte insbesondere, wie hochgewichtige Mütter und Väter selbst ihre Elternschaft erzählen und welche Rolle ihr Körpergewicht dabei spielt“, erläutert Pape-Greif. „Bisherige Forschung betrachtet hochgewichtige Eltern häufig als Untersuchungsobjekte. In meiner Studie standen dagegen ihre Perspektiven, ihre Erfahrungen mit Stigmatisierung und ihre Strategien der Bewältigung im Mittelpunkt.“ Für die Untersuchung führte die Wissenschaftlerin biografisch-narrative Interviews mit hochgewichtigen Müttern und Vätern und wertete diese mithilfe qualitativer Forschungsmethoden aus.

Fatismus und gesellschaftliche Teilhabe

Die Ergebnisse zeigen, dass Gewichtsstigmatisierung in zahlreichen Lebensbereichen wirksam wird – von der medizinischen Versorgung über den Arbeitsmarkt bis hin zu Freizeitaktivitäten mit den eigenen Kindern. Neben offenen Diskriminierungserfahrungen berichten die Befragten auch von physischen Barrieren und von einem erhöhten Rechtfertigungsdruck hinsichtlich ihrer Elternschaft.

Viele der interviewten Eltern nutzen ihre eigenen Erfahrungen mit Ausgrenzung, um ihre Kinder frühzeitig für Diskriminierung, gesellschaftliche Vielfalt und Vorurteile zu sensibilisieren. Sie positionieren sich bewusst als engagierte und verantwortungsvolle Mütter und Väter und setzen sich aktiv mit Fragen von Vielfalt, Toleranz und Diskriminierung auseinander.

Zugleich macht die Studie deutlich, dass Gewichtsstigmatisierung nicht nur einzelne Betroffene betrifft, sondern auch die gesellschaftliche Teilhabe von Familien erschweren kann. Häufig wirkt sie mit weiteren Diskriminierungsformen zusammen und schränkt die Teilhabechancen von Eltern und Kindern ein. Damit leistet die Dissertation einen Beitrag zur Sichtbarmachung von Fatismus – also der Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Körpergewichts – und liefert Impulse für Forschung, Sozialpolitik sowie die pädagogische und gesundheitliche Praxis.

Für viele der Befragten erweist sich Elternschaft dabei nicht nur als Bereich besonderer gesellschaftlicher Erwartungen, sondern auch als wichtige Ressource zur Bewältigung von Stigmatisierung. Zugleich macht Pape-Greif deutlich, wie wichtig ein sensiblerer Umgang mit Gewichtsdiskriminierung in Institutionen und im gesellschaftlichen Alltag ist.

Zum Promotionszentrum Soziale Arbeit

2016 beschloss Hessen als erstes Bundesland, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) unter bestimmten Voraussetzungen ein eigenständiges Promotionsrecht zu ermöglichen. Das Promotionszentrum Soziale Arbeit erhielt dieses Recht 2017. Es verleiht den akademischen Grad Dr. phil. und ist eine gemeinsame Einrichtung der Frankfurt UAS, der Hochschule Darmstadt, der Hochschule Fulda und der Hochschule RheinMain. Die Promovierenden forschen hier unter anderem zu Gender, Diversität, Familie und Jugendarbeit.

Pape-Greif wurde im Zuge ihrer Promotion über zweieinhalb Jahre mit einem Promotionsstipendium der Frankfurt UAS unterstützt. Zudem ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin Teil des Projekts „Großwohnsiedlungen im Wandel“ am Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen Hochschulen (gFFZ). Das Projekt läuft noch bis März 2028.

Kontakt:
Frankfurt University of Applied Sciences
Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen Hochschulen (gFFZ)
Judith Pape-Greif
E-Mail: judith.pape(at)fra-uas.remove-this.de 

Weitere Informationen zu Promotion an der Frankfurt UAS unter www.frankfurt-university.de/promotionsfoerderung.

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letzte Änderung: 23.11.2023