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Brücken bauen ins Hilfesystem für Menschen in prekären Lebenslagen

Projekt „Beratungslotsen“ der Frankfurt UAS erfolgreich abgeschlossen

Menschen ohne Krankenversicherungsschutz oder mit komplexen sozialen Problemlagen benötigen häufig mehr als medizinische Hilfe. Um sie bei Fragen rund um Wohnen, Arbeit, Aufenthalt oder den Zugang zu Unterstützungsangeboten zu begleiten, wurde an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) das Projekt „Beratungslotsen“ realisiert. Nun liegt die Bilanz des vom Gesundheitsamt Frankfurt am Main geförderten Projekts vor, das eng mit der Studentischen Poliklinik Frankfurt (StuPoli), einer niedrigschwelligen medizinischen Anlaufstelle der Goethe-Universität Frankfurt für Menschen ohne Krankenversicherungsschutz, zusammenarbeitete. Geleitet wurde das Projekt von Prof. Dr. Christian Kolbe, Professor für Kommunale Sozialpolitik und Armutsprävention sowie Leiter des Instituts für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR), und Prof. Dr. Kathrin Schrader, Professorin für Soziale Arbeit mit Menschen in prekären Lebenslagen.

Die Idee für die „Beratungslotsen“ entstand 2017 in einem Studienmodul der Frankfurt UAS. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass viele Patient*innen der Studentischen Poliklinik nicht nur medizinische Hilfe benötigten. Häufig traten zugleich soziale Problemlagen wie fehlender Krankenversicherungsschutz, Wohnungs- oder Obdachlosigkeit, unsichere Arbeitsverhältnisse, ungeklärte Aufenthaltsfragen oder finanzielle Notlagen auf. Für diese Anliegen wurde mit den „Beratungslotsen“ ein ergänzendes Beratungsangebot im Gesundheitsamt Frankfurt eingerichtet, das sich über einen Zeitraum von rund zehn Jahren zu einem wichtigen Baustein im Hilfesystem zur Unterstützung von Menschen ohne Krankenversicherung in Frankfurt etablierte.

„Viele Ratsuchende verfügten weder über einen gesicherten Zugang zum Gesundheitssystem noch über ausreichende Kenntnisse der vorhandenen Unterstützungsangebote. Die Beratungslotsen konnten hier Orientierung geben und Wege in bestehende Hilfestrukturen eröffnen“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Christian Kolbe. „Die Beratung erfolgte niedrigschwellig durch eine Sozialarbeiterin sowie Studierende der Sozialen Arbeit der Frankfurt UAS und war direkt an die Räumlichkeiten der StuPoli angebunden. Damit entstand zugleich ein praxisnaher Lernort für angehende Sozialarbeiter*innen, an dem sie Erfahrungen im Umgang mit Menschen in prekären Lebenslagen sammeln konnten.“

Ein Schwerpunkt der letzten Projektphase bestand neben den Beratungen selbst in der Analyse der Lebenssituationen der Ratsuchenden bzw. in der Evaluation der geleisteten Beratungsarbeit, in der Beratungsanliegen und Unterstützungsbedarfe sowie die Spezifika der Beratung systematisch erfasst wurden. Die Ergebnisse wurden im Juni 2026 im Rahmen eines Abschlussworkshops mit Vertreter*innen aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis vorgestellt und diskutiert. Ziel war es, Erkenntnisse für die Weiterentwicklung bestehender Hilfs- und Unterstützungsangebote in Frankfurt zu gewinnen. Sie machen deutlich, wie groß der Bedarf an niedrigschwelligen, interdisziplinären Unterstützungsangeboten für Menschen ist, die von den regulären Hilfesystemen nur schwer erreicht werden. Zugleich zeigen sie, welchen Beitrag die enge Zusammenarbeit von Hochschule, Gesundheitswesen und sozialer Praxis für die Unterstützung besonders vulnerabler Gruppen leisten kann.

Die wissenschaftliche Evaluation verdeutlicht die Reichweite und Bedeutung des Projekts: Für den Zeitraum von August 2017 bis November 2023 wurden 275 Beratungsfälle ausgewertet. Die Beratungen wurden vertraulich und anonymisiert geführt, sodass ausgewählte Daten aus guten Gründen nicht erfasst wurden. Die Ergebnisse zeigen nichtsdestotrotz, dass die Ratsuchenden häufig mit mehreren, ineinandergreifenden Problemlagen konfrontiert waren. Zu den zentralen Beratungsthemen gehörten Fragen rund um (fehlenden) Krankenversicherungsschutz und Gesundheitsversorgung, Wohnungs- und Obdachlosigkeit, Migration und Aufenthalt, prekäre Beschäftigung, Arbeitssuche sowie familiäre Herausforderungen. Auch Themen wie Schwangerschaft, Pflege von Angehörigen, Schulden und Gewalt spielten in einzelnen Fällen eine Rolle.

Besonders deutlich wurden die oftmals unsicheren Erwerbs- und Lebensbedingungen der Ratsuchenden. Von den Fällen, in denen Angaben zur Arbeitssituation vorlagen, waren ungefähr die Hälfte der Personen arbeitslos. Andere arbeiteten unter prekären Bedingungen, etwa als Reinigungskräfte, Bauarbeiter*innen oder Fahrradkuriere, in Minijobs, selbstständigen Tätigkeiten oder undokumentierter Beschäftigung. Zudem war soziale Unterstützung im unmittelbaren Umfeld häufig nur eingeschränkt vorhanden. In nur ca. 30 % der dokumentierten Fälle wurden Angaben zu sozialen Kontakten in Frankfurt erfasst. Zwar nannten viele Ratsuchende Familienangehörige oder Verwandte als wichtigste Bezugspersonen, gleichzeitig gaben einige auch an, über keinerlei soziales Netzwerk vor Ort zu verfügen.

Deutlich wurde zudem die hohe Komplexität der Unterstützungsarbeit. Die Beratungslotsen arbeiteten als Schnittstelle zwischen den Ratsuchenden und einem breiten Netzwerk aus Behörden, Beratungsstellen, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen. Dazu gehörten unter anderem das Jugend- und Sozialamt, das Jobcenter, die Ausländerbehörde, Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, Migrations- und Schuldnerberatungen, Krankenhäuser sowie zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen.

Das Ende der Kooperation zwischen dem Gesundheitsamt und der Frankfurt UAS ist nicht das Ende dieser wichtigen Arbeit. Die Fortsetzung der Beratungslotsen erfolgt von nun an seitens der medizinischen Fakultät der Goethe-Universität.

Kontakt:
Frankfurt University of Applied Sciences
Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit
Prof. Dr. Christian Kolbe
Telefon: +49 69 1533-2933
E-Mail: cmkolbe(at)fra-uas.remove-this.de

Weitere Informationen zum Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS unter www.frankfurt-university.de/fb4.

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letzte Änderung: 23.11.2023