Noelle Ponasik, Bereichsleiterin für Global Mobility im Dezernat Internationales, gibt in ihrem Newsletter „Germany is the Wurst“ Einblicke in ihren Alltag als US-Amerikanerin in Deutschland. Seit 2015 ist sie an der Frankfurt UAS tätig, nachdem sie bereits im Jahr zuvor ein Praktikum an der Hochschule absolviert hatte. Nach ihrem Masterabschluss in den USA zog sie nach Deutschland – zunächst mit zwei Koffern und viel Neugier. Nach einer kurzen Station beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels kehrte sie an die Hochschule zurück, wo sie heute den Bereich Global Mobility verantwortet und gemeinsam mit ihrem Team weiterentwickelt. In unserer Interviewreihe „Besondere Persönlichkeiten“ spricht sie über ihren Werdegang, kulturelle Unterschiede und ihre Erfahrungen.
Liebe Frau Ponasik, Sie geben regelmäßig den Newsletter „Germany is the Wurst“ heraus. Worum geht es darin – und wie kam es dazu?
Die Idee hatte ich schon länger. Ich bin US-Amerikanerin und habe keinen deutschen Bildungsabschluss – ich habe hier nicht studiert und bin auch nicht zur Schule gegangen. Über die Jahre sind mir viele Dinge aufgefallen, die ich oft einfach humorvoll finde.
Gestartet habe ich den Newsletter während meiner zweiten Elternzeit. Ich wollte neben der Arbeit etwas Kreatives machen. Mein Mann hat mir dann zu einem Newsletter geraten, weil das Format unkompliziert ist. Ich schreibe ungefähr einmal im Monat über Themen aus meinem Alltag. Ein Beispiel sind Winterreifen: In meiner Heimat gibt es deutlich mehr Schnee als hier – aber hier hat jeder Winterreifen. Das erscheint mir irgendwie absurd, und genau solche Beobachtungen greife ich auf.
Auch das Leben mit Kindern in einem anderen Land spielt eine Rolle. Wenn man nicht aus dem Land kommt, können viele Dinge erst einmal fremd wirken. Humor hilft dabei sehr, damit umzugehen.
Was war für Sie die größte Herausforderung, als Sie nach Deutschland gekommen sind?
Ganz klar: die Sprache. Ich glaube, viele unterschätzen, wie lange es dauert, wirklich handlungsfähig zu werden. Bei mir hat das sieben bis acht Jahre gedauert, bis ich mich wirklich sicher gefühlt habe. Wenn man die Sprache nicht beherrscht, kann man nicht so agieren, wie man es eigentlich möchte. Heute sehe ich aber auch, wie sehr sich der Aufwand lohnt. Sobald man die Sprache kann, öffnen sich ganz andere Türen – beruflich und auch im Alltag.
Sie schreiben in Ihrem Newsletter oft über Unterschiede zwischen Deutschland und den USA. Was finden Sie besonders ungewöhnlich oder lustig?
Da gibt es einiges. Ein Klassiker ist zum Beispiel Spaghetti-Eis: Das ist etwas sehr Typisches in Deutschland, aber in Italien würde man das so nicht finden. Ich finde es spannend, solche Dinge auch historisch zu recherchieren und dann ein bisschen satirisch aufzubereiten.
Im Alltag fallen mir auch Dinge wie Verkehrsregeln auf. „Rechts vor links“ macht mich manchmal wahnsinnig – ich finde Stoppschilder deutlich einfacher. Und dann gibt es noch Brückentage: Wenn die Feiertage im Mai gut liegen, arbeitet man manchmal kaum eine volle Woche. Das ist in den USA völlig unüblich.
Sie arbeiten viel mit internationalen Studierenden. Welchen Rat würden Sie Ihnen geben, wenn sie in Deutschland bleiben möchten?
Das Wichtigste ist aus meiner Sicht: so früh wie möglich Deutsch lernen. Es geht nicht nur um den Berufseinstieg, sondern auch um soziale Integration und langfristige Perspektiven.
Außerdem würde ich empfehlen, aktiv Netzwerke aufzubauen. Sprechen Sie mit anderen, fragen Sie nach Einblicken, knüpfen Sie Kontakte. Über persönliche Verbindungen ergeben sich oft viel schneller Chancen als über klassische Bewerbungen. Praktika sind dabei besonders hilfreich, weil man so direkt erlebt, wie ein Unternehmen arbeitet und welche Fähigkeiten gefragt sind.
Bei aller Kritik: Was schätzen Sie besonders am Leben in Deutschland?
Sehr vieles. Deutschland bietet ein sehr stabiles und sicheres Umfeld. Ich bin zum Beispiel sehr dankbar für die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten und trotzdem sozial abgesichert zu sein. Auch die Elternzeit und die finanzielle Unterstützung sind große Vorteile, die es so in den USA nicht gibt.
Das Bildungs- und Hochschulsystem ist ebenfalls ein großer Pluspunkt – Studierende müssen hier in der Regel keine hohen Schulden aufnehmen. Am Ende denke ich: Wenn man die Unterschiede mit etwas Humor betrachtet, wird vieles leichter. Und man kann das Leben hier wirklich genießen.
Vielen Dank für das Interview!
Hier geht’s zum Newsletter von Noelle Ponasik: „Germany is the Wurst“
