Abdurrahman Basel aus Dillenburg hat kürzlich sein duales Bachelor-Studium in Public Administration an der Frankfurt UAS abgeschlossen. Seit vielen Jahren engagiert er sich zudem ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk (THW) und ist Mitglied sowie Sprecher des Jugendbeirats des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Im Frühjahr vertrat er Deutschland als Jugenddelegierter bei den Vereinten Nationen in New York und brachte dort die Perspektiven junger Menschen in internationale Debatten ein. Über seinen Weg, sein Engagement und seine Erfahrungen berichtet er in unserer Interviewreihe „Besondere Persönlichkeiten“.
Herr Basel, Sie haben Deutschland kürzlich als Jugenddelegierter bei den Vereinten Nationen in New York vertreten. Wie kam es dazu, dass Sie Teil der deutschen Delegation wurden?
Das war kein einzelner Schritt, sondern die Folge eines langjährigen Engagements. Nach dem Abitur wurde ich durch einen meiner Lehrer auf den Jugendbeirat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aufmerksam gemacht. Nach einem Auswahlverfahren wurde ich Mitglied und später Sprecher des Jugendbeirats.
Dort vertrete ich gemeinsam mit anderen jungen Menschen die Interessen der Jugend gegenüber dem Ministerium und bringe insbesondere meine Erfahrungen aus den Bereichen humanitäre Hilfe, Krisenbewältigung und Wiederaufbau ein. Über dieses Engagement entstand schließlich die Möglichkeit, Deutschland als Jugenddelegierter bei den Vereinten Nationen zu vertreten.
Ihr Engagement begann aber schon deutlich früher. Welche Stationen haben Sie auf diesem Weg besonders geprägt?
Schon während meiner Schulzeit habe ich mich in der Schülervertretung engagiert. Dort haben wir Benefizaktionen organisiert und unter anderem den Bau eines Brunnens in Burkina Faso unterstützt. Dadurch bin ich erstmals mit Entwicklungszusammenarbeit in Berührung gekommen.
Parallel dazu habe ich mich beim THW engagiert. Rückblickend sehe ich einen klaren roten Faden: von der Schülervertretung über das THW bis hin zum Jugendbeirat und den Vereinten Nationen. Es ging für mich immer darum, Verantwortung zu übernehmen und Menschen zu unterstützen.
Sie haben vor Vertreter*innen aus mehr als 190 Staaten das deutsche National Statement gehalten. Worum ging es in Ihrer Rede?
Die Rede habe ich selbst verfasst. Im Mittelpunkt standen globale Herausforderungen wie die zunehmende Gefährdung von Menschenrechten, die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit sowie Ungleichheiten beim Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung.
Mir war besonders wichtig, die Perspektive junger Menschen einzubringen und auf die Bedeutung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen aufmerksam zu machen. Gerade in einer Zeit globaler Krisen braucht es aus meiner Sicht mehr internationale Zusammenarbeit und ein gemeinsames Eintreten für Menschenrechte.
Wie haben Sie diesen Moment persönlich erlebt?
Die Vereinten Nationen waren für mich schon als Kind ein Symbol für internationale Zusammenarbeit. Plötzlich selbst im UN-Hauptquartier zu stehen und Deutschland vertreten zu dürfen, war schwer zu begreifen. Gleichzeitig war mir die Verantwortung sehr bewusst. Ich sprach dort nicht als Privatperson, sondern im Namen Deutschlands. Deshalb wurde jedes Wort sorgfältig geprüft und abgestimmt. Diese Verantwortung habe ich sehr ernst genommen.
Gab es während Ihrer Zeit bei den Vereinten Nationen einen besonderen Moment oder eine Begegnung, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Besonders beeindruckt haben mich die vielen Gespräche abseits der offiziellen Tagesordnung. Nach unserer Rede kamen Diplomaten anderer Staaten auf uns zu und bedankten sich persönlich für unseren Beitrag.
Prägend waren aber vor allem die informellen Begegnungen. Man kommt mit Menschen aus aller Welt ins Gespräch und merkt schnell, dass hinter allen politischen Positionen Menschen stehen. Diese menschliche Seite der internationalen Zusammenarbeit hat mich besonders beeindruckt.
Was haben Sie aus dieser Erfahrung für sich persönlich mitgenommen?
Die Zeit in New York hat mir gezeigt, wie wichtig internationale Zusammenarbeit gerade in Krisenzeiten ist. Gleichzeitig wurde mir noch deutlicher bewusst, welche Verantwortung mit politischem Handeln verbunden ist.
Besonders eindrücklich war für mich, dass ich kurz darauf bei einer Reise nach Nigeria sehen konnte, wie sich viele der Themen, über die in New York diskutiert wird, konkret auf das Leben von Menschen auswirken. Dadurch haben die Debatten für mich noch einmal an Bedeutung gewonnen.
Wie sind Sie ursprünglich zum THW gekommen?
Mein Vater war für mich ein wichtiges Vorbild und hat mich auf das THW aufmerksam gemacht. Angefangen habe ich in der Jugendgruppe, später folgten die Grundausbildung und verschiedene Einsätze.
Ein besonders prägendes Erlebnis war mein erster größerer Einsatz während der Flutkatastrophe im Ahrtal. Dort habe ich erlebt, welchen Zusammenhalt und welche Solidarität Menschen auch in schwierigsten Situationen zeigen können.
Sie sind heute Zugtruppführer im THW. Was haben Sie durch dieses Engagement gelernt?
Als Zugtruppführer geht es vor allem darum, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen vorzubereiten und den Überblick zu behalten. Man muss Informationen zusammenführen, klar kommunizieren und unter Zeitdruck Prioritäten setzen.
Diese Erfahrungen haben mich persönlich stark geprägt. Gute Führung bedeutet für mich, Teams zu unterstützen, Vertrauen zu schaffen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Fähigkeiten wie Verantwortungsbewusstsein, Entscheidungsstärke und Teamarbeit helfen mir heute in vielen Lebensbereichen.
Sie haben kürzlich Ihr duales Studium in Public Administration abgeschlossen. Warum haben Sie sich für diesen Studiengang entschieden?
Für mich war Public Administration die logische Verbindung zwischen gesellschaftlichem Engagement und staatlichem Handeln. Ich wollte verstehen, wie der Staat funktioniert, wie politische Entscheidungen umgesetzt werden und wie öffentliche Institutionen Verantwortung übernehmen.
Mich hat besonders interessiert, wie Verwaltung dazu beitragen kann, gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in staatliche Institutionen zu stärken.
Wie ließ sich Ihr Studium mit Ihrem Engagement verbinden?
Das duale Studium bot dafür sehr gute Voraussetzungen, weil Theorie und Praxis eng miteinander verknüpft sind. Viele Erfahrungen aus dem THW, etwa im Bereich Führung, Verantwortung und Krisenmanagement, haben mir auch im Studium geholfen. Umgekehrt hat mir das Studium ein besseres Verständnis für staatliche Strukturen und Verwaltungsprozesse vermittelt. Beide Bereiche haben sich für mich gegenseitig ergänzt.
Wie reagiert Ihr Umfeld auf Ihr vielfältiges Engagement und Ihre Erfahrungen bei den Vereinten Nationen?
Sehr positiv. Meine Familie und meine Freunde unterstützen mich seit vielen Jahren. Viele haben meinen Weg von Anfang an begleitet und konnten nachvollziehen, wie sich die verschiedenen Stationen Schritt für Schritt entwickelt haben. Trotz aller Aktivitäten ist mir die Zeit mit Familie und Freunden sehr wichtig. Dieser Rückhalt bedeutet mir viel.
Welche Tipps würden Sie anderen Studierenden geben, die sich gesellschaftlich engagieren oder Verantwortung übernehmen möchten?
Einfach anfangen. Viele Menschen möchten sich engagieren, wissen aber nicht genau, wo sie beginnen sollen. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich einzubringen, ob in Vereinen, Initiativen oder im direkten sozialen Umfeld. Man muss nicht gleich große Projekte übernehmen. Schon kleine Beiträge können viel bewirken. Wichtig ist, etwas zu finden, das zu den eigenen Interessen passt, und den ersten Schritt zu wagen.
Vielen Dank für das Interview!
Beitrag A. Basel im Rahmen der 59. Tagung der Commission on Population and Development der Vereinten Nationen, ab ca. 2:27:35: https://webtv.un.org/en/asset/k1b/k1bey46ou7
Mehr zum BMZ-Jugendbeirat:
https://www.bmz.de/de/ministerium/aufbau-und-struktur/bmz-jugendbeirat-142690
Der BMZ-Jugendbeirat für Deutschland bei der 59. Sitzung der VN-Bevölkerungskommission
https://www.bmz.de/de/ministerium/aufbau-und-struktur/jugendbeirat-cpd-309694
Interview Lokalzeitung Mittelhessen:
https://www.mittelhessen.de/lokales/lahn-dill-kreis/dillenburg/wie-ehrenamt-einen-dillenburger-zur-un-nach-new-york-fuehrte-5696983
