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Väter als Zielgruppe in der Sozialen Arbeit eher Nebensache

Henriette-Fürth-Preis 2026 geht an Master-Absolventin Marlene Blöthner von der Frankfurt UAS

Der Henriette-Fürth-Preis geht in diesem Jahr an Marlene Blöthner von der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) für ihre Master-Thesis „Väter als Adressaten der Sozialen Arbeit. Rekonstruktion sozialarbeiterischer Deutungsmuster auf Väter, Vaterschaft und Väterlichkeit“.

Der Nachwuchsförderpreiswird jährlich vom Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen Hochschulen (gFFZ) für herausragende Abschlussarbeiten zur Frauen- und Genderforschung an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) verliehen. Er ist mit 500 Euro dotiert und geht bereits zum elften Mal an die Frankfurt UAS. In der diesjährigen Bewerbungsrunde waren vier studentische Thesis-Studien eingereicht worden.

Betreut wurde Blöthners Thesis im Master-Studiengang „Forschung in der Sozialen Arbeit“ von Prof. Dr. Lotte Rose und Prof. Dr. Gudrun Maierhof. Das gFFZ zeichnet damit nicht nur die Absolventin aus, sondern würdigt auch die Arbeit der Betreuenden. Die Preisverleihung fand am 16. Juli 2026 im Rahmen des Forschungsnachmittags an der Frankfurt UAS statt.

Thesis bearbeitet eklatante Forschungslücke

In ihrer Thesis geht Marlene Blöthner der Frage nach, wie Fachkräfte der Sozialen Arbeit über Väter als Zielgruppe ihrer Arbeit denken bzw. sprechen. Welche Vorstellungen von Vaterschaft prägen das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit? Welche Deutungsmuster beeinflussen die Art und Weise, wie Väter adressiert und einbezogen werden? Damit bearbeitet Marlene Blöthner eine eklatante Forschungslücke. Trotz intensiver Geschlechterdebatten in der Sozialen Arbeit ist der fachliche Blick auf Männer allgemein und Väter im Besonderen als Zielgruppe bis heute schwach entwickelt.

Auf der Grundlage von acht Interviews mit weiblichen und männlichen Fachkräften der familienorientierten Hilfen gewinnt die Autorin innovative Erkenntnisse zum professionellen Blick auf Väter. Sie macht sichtbar, dass das Sprechen der Professionellen über Väter wenig fachlich ist. Stattdessen ist es getragen von persönlich-biografischen und alltagstheoretischen Plausibilisierungen zum Vatersein.

Was die Adressierung von Vätern als Fürsorgeverantwortliche betrifft, zeigt sich in den Interviews Handlungsunsicherheit und die Tendenz zur Marginalisierung. Väter werden als Adressaten ,in der zweiten Reihe‘ – nach den Müttern – mit nachrangiger Fürsorgeverantwortung und geringerer  Fürsorgekompetenz gedacht. Die Urteile zu ihnen schwanken zwischen Kritik und Entschuldigung ihres inadäquaten Handelns. Damit offenbart sich das Feld der familienbezogenen Hilfen als Arena nicht nur relativ konservativer paternaler Geschlechterdiskurse der Fachkräfte, sondern auch wenig anerkennender Bilder zu Vätern.

Anstoß für längst fällige Debatte

Marlene Blöthner beweist umfangreiches Wissen in der Geschlechter- und Männlichkeitsforschung, ein hohes Maß an methodischer Kompetenz bei Datenerhebung und -auswertung und Souveränität bei der Generierung von Erkenntnissen zum Forschungsgegenstand der Väter. Gerade, weil die Befunde ernüchternd, vielleicht auch schmerzhaft für den Geschlechterfachdiskurs in der Sozialen Arbeit sind, liefern sie doch einen lehrreichen und innovativen Impuls zur wünschenswerten Entwicklung einer offensiven Debatte um Väter als Zielgruppe in der Sozialen Arbeit, die bislang noch nicht in Gang gekommen ist.

Nach dem Urteil der Jury besticht die vorgelegte Abschlussarbeit nicht nur durch ihre hohe wissenschaftliche Qualität, sondern auch durch die Bedeutung der Erkenntnisse für die Initiierung eines überfälligen Diskurses zu Vätern in der Sozialen Arbeit.

Zum Henriette-Fürth-Preis

Henriette Fürth (1861 – 1938) war eine Publizistin, Sozialpolitikerin, Frauenrechtlerin und Sozialwissenschaftlerin, die sich für soziale Gerechtigkeit engagiert hat. Mit dem nach ihr benannten Preis würdigt das gFFZ seit 2003 herausragende Abschlussarbeiten zur Frauen- und Genderforschung an hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW). Der Jury gehören Vertreter*innen der hessischen HAW und Personen aus der gesellschaftlichen Öffentlichkeit an.

Zum gFFZ:

Das gFFZ ist ein Verbundprojekt der hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW). Seine Aufgabe ist die Förderung der Frauen- und Genderforschung in Lehre und Forschung in allen Fachrichtungen. Weitere Informationen und die Ausschreibung zum Henriette-Fürth-Preis sind nachzulesen auf der Homepage des gFFZ.

www.gffz.de

 

Kontakt:

gFFZ – Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen Hochschulen

Dr. Hanna Haag, Telefon: +49 69 1533-3150, E-Mail: info(at)gffz.remove-this.de

 

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letzte Änderung: 23.11.2023