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Jung, straffällig und drogenkonsumierend: Intervention planen, umsetzen und managen

Forschungsteilprojekt der Frankfurt UAS erstellte Handbuch zu Qualitätsstandards für Interventionen bei drogenerfahrenen jungen Menschen mit Kontakt zu Organen der Strafverfolgung

Ein Team rund um Prof. Dr. Heino Stöver, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung (ISSF) an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), hat sich mit jungen Menschen befasst, die Drogen konsumieren und kriminell geworden sind. Im Rahmen des EU-Projekts Exchanging Prevention Practices on Polydrug Use among Youth in Criminal Justice Systems (EPPIC) hat das Forscherteam als eines der Projektziele ein Handbuch zu Qualitätsstandards für Interventionen bei drogenerfahrenen jungen Menschen mit Kontakt zu Organen der Strafverfolgung erstellt. Es soll in erster Linie Praktiker/-innen helfen, die Qualität ihrer Interventionen zu optimieren. Es ist aber auch für politische Entscheidungsträger/-innen und Planer/-innen relevant. „Das Problem des Drogenkonsums bei jungen Menschen mit Kontakt zu Organen der Strafverfolgung lässt sich nicht durch einzelne Interventionen lösen; vielmehr muss es im Kontext angemessener sozialer, gesundheitlicher, pädagogischer und kriminalpolitischer Strategien angegangen werden, die breite Unterstützung schaffen und eine enge Zusammenarbeit aller relevanten Bereiche gewährleisten. Ebenso wichtig sind klar umrissene Rollen und Verantwortlichkeiten für alle relevanten Akteurinnen und Akteure sowie eine ausreichende Bereitstellung von Geldern und Ressourcen“, betont Stöver. EPPIC und somit auch das Handbuch wird vom Gesundheitsprogramm der Europäischen Union gefördert.

Das Handbuch zielt darauf ab, mit jungen Menschen arbeitenden Praktiker/-innen dabei zu helfen, die Qualität ihrer Intervention (ob innerhalb oder außerhalb von Gefängnissen) zu verbessern. Die betroffenen jungen Menschen sollen sichere, wirksame Interventionen erhalten und positive Erfahrungen machen, die es ihnen ermöglichen, ihren Drogenkonsum in den Griff zu bekommen und zu reduzieren sowie ihr Wohlbefinden zu steigern. „Darüber hinaus ist das Handbuch unserer Kenntnis nach das erste seiner Art, dessen Zielgruppe sich nicht nur auf junge Menschen im Strafvollzug beschränkt, sondern auch solche jungen Menschen im Blick hat, die auf andere Weise mit dem Gesetz in Konflikt und dadurch mit Organen der Strafverfolgung in Kontakt gekommen sind“, so Stöver. Diese Zielgruppe weise oft eine ganze Bandbreite komplexer Probleme auf, darunter Drogen- und Alkoholkonsum, psychische Probleme, soziale und Beziehungskonflikte. Den Drogenkonsum allein anzusprechen wäre eine unzureichende Reaktion; Interventionen müssen stattdessen einen umfassenden Ansatz verfolgen, um der Komplexität der Probleme gerecht zu werden, und Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen der gesundheitlichen, sozialen, pädagogischen und polizeilichen Betreuung zusammenbringen. Darüber hinaus haben diese jungen Menschen häufig bereits Drogenerfahrungen gesammelt, so dass der Begriff „Prävention“ hier im weitesten Sinne zu definieren ist. Im Rahmen des EPPIC-Projekts wurde Prävention im Hinblick auf den Drogenkonsum und auf die komplexe Bandbreite drogenbezogener Probleme, die in den verschiedenen Phasen des Drogenkonsums auftreten, angesetzt. Eingeschlossen sind deshalb Ansätze der primären Prävention, der Schadensbegrenzung für jene, die bereits Drogen nehmen, sowie Behandlungsansätze für junge Menschen, die bereits weitreichendere oder problematischere Konsummuster aufweisen.

Zehn Qualitätsstandards für Interventionen zur Drogenprävention bei jungen Menschen mit Kontakt zu Organen der Strafverfolgung wurden erstellt. Jeder dieser Standards spiegelt einen wichtigen Aspekt qualifizierter Angebote und Interventionen wider. Um die Bedarfe der jungen Menschen umfassend abdecken zu können, sollten idealerweise alle Standards erfüllt werden. „Diese Standards anzusprechen und umzusetzen erfordert, dass Entscheidungsträger/-innen, Planer/-innen und Sozialmanager/-innen die Verhaltensregeln und Arbeitspraktiken auf nationaler und lokaler Ebene überprüfen müssen“, fordert Stöver.
Standard 1: Interventionen zum Drogenkonsum bei jungen Menschen mit Kontakt zur Strafverfolgung sind evidenzgeleitet und in ihrer Wirksamkeit evaluiert.
Ziel: Interventionen auf der Basis verfügbarer Daten zu ihrer Wirksamkeit entwickeln und im Sinne einer „besten Praxis“ umsetzen.
Standard 2: Leitungsstrukturen und -prozesse gewährleisten den Einsatz von Interventionen hoher Qualität.
Ziel: Strukturen und Prozesse etablieren, die mit Hilfe regelmäßiger Überprüfung und Bewertung gewährleisten, dass die Praxis evidenzgeleitet ist und die durchgeführten Interventionen sicher und wirksam sind.
Standard 3: Screening und Einschätzung des Drogenkonsums bei jungen Menschen mit Kontakt zu Organen der Strafverfolgung sind feste Bestandteile eines umfassenden Assessments.
Ziel: Problematischen Drogenkonsum und damit zusammenhängende Probleme sicher zu erkennen.
Standard 4: Die multiplen Verwundbarkeiten und komplexen Bedarfe junger Menschen stehen im Zentrum aller Interventionen und werden wirksam angesprochen.
Ziel: Multiple Bedarfe, die aus dem Drogenkonsum und damit zusammenhängenden Problemen entstehen, mit Hilfe eines „stärkenorientierten“ Ansatzes ansprechen und Interventionen mit dem Ziel des Aufbaus von Resilienz anbieten.
Standard 5: Eine angemessene Auswahl von Optionen zur Intervention steht zur Verfügung.
Ziel: Eine Bandbreite von Interventionen innerhalb eines umfassenden Ansatzes anbieten.
Standard 6: Die Kontinuität der Betreuung innerhalb und zwischen den verschiedenen Diensten und Interventionen wird sichergestellt.
Ziel: Eine zuverlässige Kontinuität der Betreuung zwischen den verschiedenen gesundheitlichen, sozialen, pädagogischen und anderen Angeboten gewährleisten.
Standard 7: Die Partizipation bei der Entwicklung und Umsetzung einer Intervention wird in jedem Stadium der Intervention so weit wie möglich gefördert und sichergestellt.
Ziel: Eine größere Partizipation drogenerfahrener junger Menschen mit Kontakt zu Organen der Strafverfolgung an der Bereitstellung von Betreuung und Intervention ermöglichen.
Standard 8: Bei Interventionen zum Drogenkonsum bei jungen Menschen mit Kontakt zu Organen der Strafverfolgung sind Gleichheit und Nichtdiskriminierung stets gewährleistet.
Ziel: Sicherstellen, dass allen jungen Menschen Interventionen hoher Qualität zur Verfügung stehen, ohne Ansicht von Geschlecht, Alter, Ausbildung, Zugehörigkeit zu einer Minderheit, sozialem Status und rechtlicher Situation.
Standard 9: Die beteiligten Fachleute zeigen professionelle Kompetenz.
Ziel: Die beteiligten Fachkräfte mit angemessenen Kenntnissen und Fähigkeiten ausstatten und ihnen außerdem die Möglichkeit einräumen, sich kontinuierlich weiterzubilden.
Standard 10: Die beteiligten Fachleute respektieren ethische Grundsätze und professionelle Verhaltensregeln.
Ziel: Sicherstellen, dass in allen Interventionen, Beziehungen und Kommunikationen zwischen jungen Menschen, Fachkräften und anderen Beteiligten relevante ethische und legale Prinzipien für die Betreuung drogenerfahrener junger Menschen mit Kontakt zur Strafverfolgung gewahrt sind.

Die Europäischen Qualitätsstandards zur Drogenprävention (European Drug Prevention Quality Standards, EDPQS) dienten beim Entwurf des Handbuchs als Ausgangspunkt. Die Entwicklung der Qualitätsstandards war ein vierstufiger, gemeinschaftlicher Prozess: Zunächst wurden Interviews mit jungen Menschen und Fachleuten im Rahmen des EPPIC-Projekts analysiert, um ihre Sicht der Grundsätze einer guten Praxis einbeziehen zu können. Es folgte eine Analyse relevanter Richtlinien und Qualitätsstandards, um wichtige Standards und Werkzeuge benennen zu können. Um sicherzustellen, dass das Handbuch die EPPIC-Ziele erfüllt, wurde daraufhin ein Entwurf des Handbuchs von allen EPPIC-Partner/-innen durchgesehen und kommentiert. Schließlich wurde der vorletzte Entwurf in nationalen Gremien von Expertinnen und Experten aus allen EPPIC-Partnerländern in der Praxis erprobt und von Expertinnen und Experten relevanter internationaler Organisationen kommentiert.

Das vom Gesundheitsprogramm der EU aufgelegte Projekt „Exchanging Prevention Practices on Polydrug Use among Youth in Criminal Justice Systems“ (EPPIC) konzentrierte sich auf Strategien und Praktiken der Drogenprävention bei jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren, die bereits Kontakt zu Organen der Strafverfolgung hatten. Das Projekt umfasste Drogenpräventionsprogramme in Strafvollzugsanstalten und sozialen Einrichtungen sowie Resozialisierungsmaßnahmen und Therapien in sechs europäischen Ländern: Österreich, Dänemark, Deutschland, Italien, Polen und Großbritannien.
 

Zum Institut für Suchtforschung Frankfurt am Main (ISFF):

Das Institut für Suchtforschung an der Frankfurt UAS arbeitet seit 1997 an der Weiterentwicklung zielgruppenspezifischer und lebensweltnaher Prävention, Beratung und Behandlung von Suchterkrankungen. Es erforscht Sucht in ihren verschiedenen Erscheinungsformen sowie die mit Sucht in Zusammenhang stehenden Probleme und Aspekte. Das Institut fördert den Ausbau von interdisziplinären Beziehungen zu Kooperationspartnern auf nationaler und internationaler Ebene. Forschungsprozesse und -resultate finden in Studium und Lehre Berücksichtigung.


Kontakt:

Frankfurt University of Applied Sciences
Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit
Prof. Dr. Heino Stöver
Tel.: +49 69 1533-2823
hstoever(at)fb4.fra-uas.remove-this.de

Weitere Informationen zum EU-Projekt EPPIC unter www.eppic-project.eu; mehr zum Institut für Suchtforschung unter www.frankfurt-university.de/isff; Näheres zum Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit unter: www.frankfurt-university.de/fb4.

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Zentrale WebredaktionID: 3565
letzte Änderung: 12.08.2019