Wer wohnt hier? – Quartiere zwischen Biografie, Gerechtigkeit und Gestaltung
Kursbeschreibung
Was macht ein Quartier zu einem Ort, an dem alle gut leben können – und wer trägt dafür Verantwortung?
Das Modul verbindet drei komplementäre Zugänge:
- den subjektiv-biografischen Zugang (Was haben Sie selbst erlebt?),
- den Blick in die Zukunft (Wie wollen Sie künftig wohnen?) sowie
- den strukturell-normativen Zugang (Was schulden wir einander im geteilten Raum? Welche Werte – Gemeinschaft, Bezahlbarkeit, Natur oder Selbstbestimmung – sollen unser Wohnen prägen?).
Ausgangspunkt sind Ihre eigenen Erfahrungen mit Quartieren und Wohnumgebungen. Ziel ist die Entwicklung eines begründeten, interdisziplinären Quartierskonzepts für ein reales Frankfurter Quartier. Dabei dient die Frage nach Ihrer Wohnvision als Leitmotiv, das die persönlichen Erfahrungen mit den normativen Fragestellungen des Moduls verbindet.
Das Besondere: Jede der beteiligten Fachbereichsperspektiven ist unverzichtbar. Ein Quartier benötigt den sozialen, den räumlichen, den digitalen, den ökonomisch-rechtlichen sowie den steuerungsbezogenen Blick. Erst das Zusammenspiel dieser Perspektiven ermöglicht ein umfassendes Verständnis und die Entwicklung tragfähiger Lösungen für die Gestaltung lebenswerter Quartiere.
Termine der Veranstaltung
- Während des Semesters Mittwochnachmittag, 14:15 bis 17:30 Uhr
- Einführungsveranstaltung: 20.10.2026, 14:15 Uhr, Raum folgt
- Abgabe Projektarbeiten: 21.02.2027
- Exkursion innerhalb Frankfurts in KW47/KW48
- Prüfung (Präsentation):
- 02.11.2026
- 13.01.2027
- 03.02.2027
- Rücktritt möglich bis: 21.10.2026
Auf einen Blick
Belegnummer |
Veranstaltungstyp |
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Themencluster |
- Soziologische Grundbegriffe: Quartier, Nachbarschaft, Segregation, Gentrifizierung (Häußermann, Sennett, Lefebvre/Harvey)
- Wohnkonzepte: bezahlbares Wohnen, serieller Holzbau, soziale Durchmischung, gemeinwohlorientierte Projektentwicklung
- Steuerung und Bewertung: Triple Bottom Line auf Quartiersebene, ISO 26000, KPIs für Quartiersqualität, Zertifizierungssysteme
- Digitale Dimension: Geodaten und GIS, Smart-City-Infrastruktur, Datenschutz, digitale Exklusion
- Ökonomisch-rechtliche Dimension: Eigentümerstruktur, Mietrecht, Finanzierungsmodelle sozialen Wohnungsbaus, kommunales Vorkaufsrecht
- Partizipation und Governance: Stakeholder-Analyse, partizipative Planungsprozesse, Kooperationsmodelle
- Präsentation und Diskussion der Ergebnisse vor Expert:innenpanel und/oder Praxispartner:innen
- Dipl.-Soz. Hanns-Christoph Koch, Lehrbeauftragter FB 4, FRA-UAS – Soziologie, Filmemacher, Publizist, Mitglied Deutscher Werkbund Hessen
- Dipl.-Ing. Nathanael Over, Bauingenieur, Betriebswirt; Autor "Die Wohnwende"; Berater für nachhaltige Wohnkonzepte und gemeinwohlorientierte Projektentwicklung
- Prof. Dr. Annette Kämpf-Dern, FB 1, FRA-UAS – Professur Management von Facility Services, Corporate Real Estate Management, Nachhaltigkeit in der Gebauten Umwelt
Projektarbeit mit Präsentation
Die Studierenden erweitern die fachspezifischen Denkweisen (Theorien und Methoden) durch Einblicke in Fachwissen, Methodenkenntnisse und Denkweisen anderer Disziplinen. Die Studierenden sind in der Lage:
- interdisziplinär zu denken und unterschiedliche Aspekte eines Querschnittsthemas zu erkennen, diese gegeneinander abzuwägen und ganzheitlich zu reflektieren;
- Zusammenhänge ihres künftigen Berufsfelds im Raum unterschiedlicher Disziplinen sowie gesellschaftlicher Interessen verständlich zu machen und diese Zusammenhänge fachlich versiert darzustellen und argumentativ zu vertreten;
- die Wirkungen und Folgen ihrer beruflichen und gesellschaftlichen Tätigkeit zu reflektieren und daraus Konsequenzen für ihr eigenes Handeln abzuleiten;
- anhand konkreter interdisziplinärer Aufgabenstellungen Verständnis für die fachfremden Denkweisen zu entwickeln und kooperativ im Umgang mit verschiedenen Kulturen und Wertesystemen zu handeln;
- Quartiere aus mindestens drei Fachperspektiven zu analysieren und diese Perspektiven produktiv zusammenzuführen.
- Eigene biografische Erfahrungen mit urbanen Räumen methodisch zu reflektieren und an wissenschaftliche Konzepte rückzubinden.
- Normative Fragen (Gerechtigkeit, Teilhabe, Nachhaltigkeit) mit ökonomischen, rechtlichen und technischen Realisierungsbedingungen zu verknüpfen.
- Interdisziplinäre Teams selbst zu organisieren und komplexe Aufgabenstellungen gemeinsam zu bearbeiten.
- Stakeholder-Interessen zu identifizieren und in ein begründetes Quartierskonzept einzubinden.
- Projektergebnisse adressatengerecht zu dokumentieren und vor einem Expert:innenpanel zu vertreten.
- Digitale Kollaborationstools (MS Teams) effektiv für Projektmanagement und Kommunikation zu nutzen
- Häußermann, H. / Siebel, W. (2004): Stadtsoziologie. Frankfurt: Campus.
- Sennett, R. (2018): Building and Dwelling. Ethics for the City. London: Allen Lane.
- Harvey, D. (2008): The Right to the City. New Left Review 53.
- Over, N. (2025): Die Wohnwende – Warum Wohnen neu gedacht werden muss. BoD.
- BMWSB: Modellprojekte Smart Cities. www.smart-city-dialog.de
- ISO 26000:2010 – Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung.
- Aktuelle Fachartikel und Fallstudien (werden im Kurs bereitgestellt).
- Eigene Recherche und Materialien der Gastdozierenden.
- Zugang zu MS Teams Classroom (Pflicht; zentrale Kollaborationsplattform)
- Internetzugang und Endgerät (Laptop/Tablet)
Optional: GIS-Tools / Visualisierungstools (je nach Projektthema und Gruppe)
