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Wissenschaftliches Reflexionssymposium

Dienstag, 07. Dezember 2021, 12:00 bis 20:00 Uhr

Seit nun fast 24 Monaten bestimmt die COVID-19-Pandemie (Coronavirus Disease 2019) das globale Geschehen. Die COVID-19-Pandemie hat die Lebenswirklichkeiten des Gemeinwesens großer Teile der europäischen und globalen Bevölkerung verändert. Einige dieser Veränderungen werden mit der Zeit rückabgewickelt werden, andere fortbestehen und wiederum weitere Veränderungen erst in den kommenden Jahren erkennbar sein.

Die enorme Tragweite der omnipräsenten Pandemie sowie wissenschaftliche Erhebungen implizieren, dass dies nicht die letzte Pandemie ist, mit der sich die Welt konfrontiert sehen wird und erfordern eine sorgfältige Reflexion der gesammelten Erfahrungen, Analysen und Erkenntnisse. Ziel dieser Veranstaltung ist es, zusammen mit Expertinnen und Experten die europäische Pandemiepolitik, das Spannungsfeld zwischen Schutzmaßnahmen, Grundrechten und Freiheiten, die soziologischen und (medizin-)ethischen Herausforderungen und die europäische Solidarität nach innen und außen im Rahmen der Pandemie zu analysieren und zu diskutieren. Hierbei sollen anwendungsfokussierte Lösungsansätze und Zukunftsperspektiven bezüglich des Umgangs mit der Pandemielage sowie mit zukünftigen Pandemien elaboriert werden.

Wann? Dienstag, den 07. Dezember 2021

Tagesprogramm: 12:00-18:00 Uhr

Abendprogramm: 18:30-20:00 Uhr

Wo? Hybrid

Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main (Anfahrt) im Großen Saal

& im Livestream des CAES YouTube-Kanals: https://www.youtube.com/watch?v=yvm4IIbO8sE

 

Die Teilnahme ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten: Zur Anmeldung

 

Tagesprogramm

Von Bis Programm Personen  
12:00 12:30 Begrüßung Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences  
      Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst (Zuschaltung)  
      Prof. Dr. Dr. Michel Friedman, Geschäftsführender Direktor des Center for Applied European Studies  
    Eröffnung: Forschung und Wissenschaft für die Stärkung der Krisenvorsorge Dr. Andrea Ammon, Leiterin des European Center for Disease Prevention and Control (Zuschaltung)  
         
    Panel I: COVID-19 in Europa - Die Europäische Krisenbewältigung    
12:30 13:30 „Rückblick und Status Quo: Wo stehen wir heute?“ Prof. Dr. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Bonn Dr. Martin Stürmer, Laborleiter des IMD Labors Frankfurt
    Podiumsdiskussion und Q&A    
13:30 14:30 „Reflexion der Maßnahmen: Im Spannungsfeld von Freiheit und Gemeinwohl?“ Prof. Dr. Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt; Direktor des Forschungszentrums Normative Ordnungen  
    Podiumsdiskussion und Q&A    
14:30 15:30 „Populismus, Querdenker: Regieren, Kommunikation und Sprache" Dr. Anne Schulz, Senior Researcher des Instituts für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Universität Zürich Dr. Benjamin Höhne, Stellvertretender Leiter des Instituts für Parlamentarismusforschung
    Podiumsdiskussion und Q&A    
15:30 16:00 Pause    
         
    Panel II: Solidarität in der Krise    
16:00 17:00 „Verteilungsgerechtigkeit und Bürgerliche Pflichten: Perspektiven der Ethik“ Prof. Dr. Christiane Woopen, Direktorin des Center for Life Ethics, Universität Bonn; ehm. Vorsitzende des Europäischen Ethikrates Adriano Mannino, Direktor des Solon Center for Policy Innovation der Parmenides Stiftung
    Podiumsdiskussion und Q&A    
17:00 18:00 „COVID-19 weltweit: Die EU als internationale Helferin?“ Erik Marquardt, Mitglied Fraktion Grüne des Europäischen Parlaments; Stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Entwicklung Dr. Parnian Parvanta, Vize-Präsidentin der Ärzte ohne Grenzen e.V.
    Podiumsdiskussion und Q&A    

Abendprogramm: Panel III | Fazit & Ausblick

Von Bis Programm Personen  
18:30 20:00 "(K)eine Rückkehr zum Normalzustand?" Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe; Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung (Zuschaltung) Prof. Dr. Hartmut Rosa, Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der FSU Jena; Direktor des Max-Weber-Kollegs

 

 

Die Coronavirus-Pandemie – ökonomische, gesellschaftliche und politische Folgen für Europa

For english version please see below!

Abstract | Symposium Dezember 2021, Center for Applied European Studies

Die Wissenschaft lehrt uns, dass auch nach überstandener Corona-Pandemie dies nicht die letzte Pandemie sein wird, mit der Europa konfrontiert wird. Somit drängt sich eine sorgfältige Reflektion der durch die COVID-19-Pandemie aufgeworfenen Erkenntnisse und gesammelten Erfahrungen regelrecht auf.

Die europäische Impfstoffstrategie führte uns vor Augen, dass die EU handlungsfähiger und vernetzter werden muss, um zukünftigen Pandemien erfolgreicher begegnen zu können. Insbesondere das europäische Gesundheitswesen scheint einen wehrhaften Krisenmechanismus zu benötigen. Werden Maßnahmen wie das Programm „Hera-Inkubator“[1] ausreichen, um die EU in die Lage zu versetzen, sich nicht nur in Fragen des Gesundheitsschutzes für die nächste Pandemie zu wappnen? Wie solidarisch verhält sich die EU[2] derzeit gegenüber dem Rest der Welt? Wird die EU in der Lage sein, aus der „Impf-Krise“ geschlossen und erfolgreich hervorzugehen, bevor sich mehr und mehr Mitgliedsstaaten von der EU unabhängig machen?

Auch im Rahmen des Zustandekommens des Corona-Hilfspakets der EU, sah sie sich mit der divergierenden Auffassung von Rechtsstaatlichkeit unter den Mitgliedstaaten konfrontiert. Ist die EU in der Pandemie – trotz beachtlicher europäischer Finanzhilfen – nun also ein Stück weiter auseinander oder näher zusammengerückt?

Die europäische Pandemiepolitik gab darüber hinaus der populistischen Rhetorik die Möglichkeit, sich verschwörungstheoretisch zuzuspitzen. Wie beeinflusst dies die öffentliche Debatte? Wie wird sich der Populismus nach überstandener Pandemie entwickeln? Durch den Infektionsschutz eingeschränkte Grundrechte gaben in Europa nicht nur Verschwörungstheorien im Verlauf der Pandemie immer mehr Aufwind, sondern es wurde auch in anderen Gesellschaftsgruppen die Frage nach der Aufgabe des Staates gestellt. Wie kann der Staat einen Kompromiss zwischen Sicherheit und Freiheit finden? Welche Rolle soll staatlichen Institutionen zur Bewältigung zukünftiger Pandemien zukommen? Wie entwickelte sich das Vertrauen der Bürger in den Staat im Verlauf der Pandemie? Beweist der Staat Vertrauen in die Bürger? Wie gestaltet sich das Verhältnis des Staats zur Wirtschaft und zu den Bürgern? Beugt sich der Staat der Wirtschaft oder den Bürgern, wenn er die Maßnahmen lockert?

In der Corona-Krise führte der Versuch einer evidenzbasierten Politik zu einem konfliktären Dialog zwischen Politik und Wissenschaft, der nicht nur die wissenschaftliche Expertise aus der Virologie betraf: Hinsichtlich der medizinischen Behandlung von Erkrankten sowie der Vergabe des Impfstoffes wurden (medizin)ethische Fragen aufgeworfen – nach dem Für und Wider einer Triage oder einer Impfpflicht, der Einteilung in Impfgruppen und zuletzt dem Umgang mit den „Impf-Vordränglern“. Soziolog:innen beschäftigen sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie und den sozialen Auseinandersetzungen, die durch die Corona-Krise aufkamen: der Spaltung der Gesellschaft in Befürworter und Gegner der Corona-Maßnahmen, den Sozialverträglichkeiten von Infektionsschutz-Maßnahmen, mit dem Umgang mit den Pflegekräften oder einer verschärften Ungleichheit zwischen den Geschlechtern bei der unbezahlten Sorgearbeit (Gender Care Gap).

Über einem Jahr nach Beginn der Pandemie zeigt sich nun in aller Deutlichkeit, wie dieses Ereignis Europa in ökonomischer, gesellschaftlicher und politischer Hinsicht verändert hat. Wie muss nun den ethischen und sozialen Herausforderungen begegnet werden? Welches Bild hat Europa im Rahmen der Krisenbewältigung hinterlassen und welche Lehren muss es aus der Pandemie ziehen? Wird die EU die notwendigen Integrationsschritte im Gesundheitsschutz gehen? Wie und wo zeigte sich europäische Solidarität? Wie handlungsfähig wirkte die EU und wie sind die EU-Maßnahmen zu bewerten? Welche sozial-ökonomischen Transformationen wären notwendig? Welche Rolle spielt die Klimadebatte in diesem Zusammenhang?

Ziel des Symposiums wird es sein, die europäische Solidarität und Pandemiepolitik, die soziologischen und (medizin)ethischen Herausforderungen der Pandemie und das Spannungsfeld zwischen Corona-Maßnahmen, Grundrechten und wirtschaftlichem Erfolg zu analysieren. Im Rahmen des Symposiums sollen Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik Impulse setzen, um zukünftigen Pandemien mit besseren Lösungsansätzen und Zukunftsperspektiven gegenüber treten zu können.

 


[1] Das Programm „Hera-Inkubator“ soll als öffentlich-private Kooperation die Industrie, die Forschungs- und Wissenschaftsgemeinschaft, den gesamten Gesundheitssektor und die Behörden und Regulierungsstellen bündeln, um eine raschere Reaktion auf Virusmutationen auch im Rahmen zukünftiger Pandemien zu ermöglichen. Davon ausgehend plant die EU eine neue EU-Behörde Biovorsorge Hera (Health and Emergency Preparedness and Response Agency).

[2] in Anbetracht des durch die Kommission unterstützten WHO-Programms COVAX

 

Abstract | Symposium December 2021, Center for Applied European Studies

Science teaches us that even after enduring the corona pandemic, this will not be the last pandemic Europe and the world will face. Thus, the careful and scientific reflection on the lessons learned of the COVID-19 pandemic really is of central necessity.

The European vaccine strategy demonstrated that the EU must become more capable and cooperative in order to deal more successfully with future pandemics. In particular, the European health care system seems to need a defensible crisis mechanism. Will measures such as the "Hera Incubator"[1] program be sufficient to enable the EU to prepare for the next pandemic, and not only in matters of health protection? How solidly does the EU[2] currently stand with the rest of the world? Will the EU be able to emerge from the "vaccination crisis" united and successful before more member states become independent of the EU?

Even in the context of the conclusion of the EU's Corona aid package, the EU faced divergent perceptions of the rule of law among member states. So, despite considerable European financial aid, has the EU now moved further apart or closer together?

Moreover, European pandemic politics gave populist rhetoric the opportunity to take a conspiracy-theoretical turn. How does this influence the public debate? How will populism develop once the pandemic is over? Not only did fundamental rights, restricted by infection control, give rise to conspiracy theories in Europe as the pandemic progressed, but other groups in society also questioned the role of the state. How can the state find a compromise between security and freedom? What should be the role of state’s institutions in dealing with future pandemics? How did citizens' trust in the state evolve over the course of the pandemic? Does the state demonstrate trust in its citizens? What is the state's relationship with economy and citizens? Does the state defer to its economy or to its citizens when it eases restrictions?

In the Corona crisis, the attempt to implement evidence-based policies led to a conflicting dialogue between policy and science. With regard to the medical treatment of sick people as well as the allocation of the vaccine, (medical) ethical questions were raised - about the pros and cons of triage or compulsory vaccination, the classification into vaccination groups and, lastly, how to deal with the "vaccination pushers". Sociologists are concerned with the social effects of the pandemic and the social conflicts that resulted from the Corona crisis: the division of society into supporters and opponents of Corona measures, the social tolerability of infection control measures, the treatment of caregivers, or an intensified gender inequality in unpaid care work (gender care gap).

More than a year after the beginning of the pandemic, it is now clear how this event has changed Europe in economic, social and political terms. How must the ethical and social challenges be faced? What image has Europe left behind in the context of crisis management and what lessons must it learn from the pandemic? Will the EU take the necessary integration steps in health protection? How and where did European solidarity show itself? How capable of action did the EU appear and how are the EU measures to be evaluated? What socio-economic transformations would be necessary? What role does the climate debate play in this context?

The aim of the symposium will be to analyze European solidarity and pandemic policy, the sociological and (medical) ethical challenges of the pandemic as well as the tension between corona restrictions, fundamental rights and economic success. Within the framework of the symposium, experts from science, economy and politics shall give impulses to face future pandemics with emended solution approaches and future perspectives.


[1] The program „Hera Incubator“ shall combine the industry, the scientific and academic collective, the health sector as well as governance and public authorities in the form of public-private partnerships to allow faster reactions to virus mutations in future pandemics. In line with this, the EU is implanting the new Health and Emergency Preparedness and Response Agency.

[2] Considering the WHO program COVAX supported by the European Commission

 

 

 

 

Kontakt

Susanne GunkelAssistenz
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Fax : +49 1533-3367
Jasmin MachaProjektkoordination
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Felizia HoffmannWissenschaftliche Mitarbeiterin für Europaangelegenheiten
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Dr.
Eva-Maria de Melo
Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Europaangelegenheiten
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Caspar SchauhoffStudentische Hilfskraft, CAES
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Tugba YildizWissenschaftliche Hilfskraft, CAES
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CAES-TeamID: 9865
letzte Änderung: 03.12.2021