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Gesellschaftliches Erbe des Nationalsozialismus

Die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, das kollektive Erinnern an den Holocaust und das Gedenken der Opfer werden zunehmend öffentlich hinterfragt, während der Antisemitismus in den letzten Jahren zugenommen hat. In dieser gesellschaftlichen Kulisse rücken lange vernachlässigte Fragen in den Vordergrund, auf welchen Kontinuitäten der Antisemitismus in Deutschland fußt und wieso er trotz seiner öffentlichen Ächtung und erinnerungskulturellen Werten Jahrzehnte nach dem Holocaust noch ein Problem darstellt.

Der Forschungsbereich

Im Jahr 2021 wurde der Forschungsbereich „Gesellschaftliches Erbe des Nationalsozialismus“ am Fachbereich für Soziale Arbeit und Gesundheit an der UAS Frankfurt eingerichtet, um die Erforschung des gegenwärtigen Antisemitismus im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um die NS-Vergangenheit, der Erinnerungskultur und kollektiv- und familienbiografischen Verstrickungen in den Nationalsozialismus anzustoßen und zu entwickeln. Dabei liegen die Schwerpunkte neben der Rekonstruktion jüdischer Perspektiven auf dem Bildungsbereich, der als erinnerungskulturelle Sozialisationsinstanz und zentraler Lernort über die NS-Geschichte gilt und als Ort, an dem Antisemitismen entgegengewirkt werden soll.

Termine

20. Oktober 2022

Jahrestagung des Arbeitskreises Antisemitismusforschung der Sektionen Wissenssoziologie und Politische Soziologie in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS): Bildung gegen Antisemitismus: Forschungsergebnisse, Forschungsdefizite und Kontroversen. Frankfurt University of Applied Sciences (UAS), online

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Im Forschungsbereich wird das gesellschaftliche Erbe des Nationalsozialismus im Verhältnis von Erinnerungskultur und kollektiv- und familienbiografischer Verstrickungen in den Nationalsozialismus zum gegenwärtigen Antisemitismus fokussiert. Die zentrale Fragestellung zielt darauf ab, zu untersuchen, inwiefern der gegenwärtige Antisemitismus im gesellschaftlichen Erbe des Nationalsozialismus gründet. Im Vordergrund stehen drei Themenschwerpunkte:

Der Themenschwerpunkt (I) ist auf die Bildung über den Holocaust und gegen Antisemitismen an Schulen, wie sie von Lehrer/innen praktisch gestaltet wird und im Zusammenhang mit ihrer Biographie und Deutungswissen untersucht werden soll, gerichtet.

Der Themenschwerpunkt (II) fokussiert die Erfahrungsräume der vier Generationen von Jüdinnen und Juden nach dem Holocaust in Deutschland und zielt darauf ab, die Struktur und Bedeutung familiär tradierter Orientierungsmuster und marginalisierte jüdische Perspektiven im Zusammenhang mit der Erinnerungskultur und der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust zu rekonstruieren.

Der Themenschwerpunkt (III) fokussiert die Entwicklung einer professionsbezogenen Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Erbe des Nationalsozialismus und Antisemitismus in der politischen Bildung, in der Schule und in der Sozialen Arbeit.

Prof. Dr. Julia Bernstein

Prof. Dr. Stefan Müller

Prof. Dr. Maud Zitelmann

Florian Diddens (wissenschaftlicher Mitarbeiter)

SABRA - Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit Beratung bei Rassismus und Antisemitismus

Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein

Evangelische Akademie Loccum

Gedenkstätte Bergen-Belsen

Bildungsstätte Anne Frank

Ein unabhängiger, externer wissenschaftlicher Beirat mit Expert:innen berät den Forschungsbereich zu strategischen Fragen.


Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel, Technische Universität Berlin

Prof. Dr. Lars Rensmann, University of Groningen

Prof. Dr. Lena Inowlocki, Goethe-Universität Frankfurt

Dr. Kurt Grünberg, Sigmund-Freud-Institut

Volker Beck, Tikvah Institut

Zick, Andreas/Hövermann, Andreas/Jensen, Silke/Bernstein, Julia (2017): Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus in Deutschland. Ein Studienbericht für den Expertenrat Antisemitismus. Volltext

Julia Bernstein (2020): Antisemitismus an Schulen in Deutschland. Befunde - Analysen -Handlungsoptionen, Weinheim: Beltz-Juventa. Inhaltsverzeichnis  und Leseprobe

»Du Jude« ist eines der gebräuchlichsten Schimpfwörter auf deutschen Schulhöfen. Stigmatisierung, Beleidigung, Bedrohung und Gewalt gehören zum Alltag vieler jüdischer Schüler_innen in Deutschland – trotz aller gesellschaftlichen und pädagogischen Bemühungen, Antisemitismus zu bekämpfen. Julia Bernstein erschließt das Problemfeld Antisemitismus an Schulen in einer qualitativ-soziologischen Forschung und analysiert erstmalig aus den Perspektiven der betroffenen Schüler_innen und Lehrkräfte die Befunde vor historischen und theoretischen Hintergründen. Diese neue Herangehensweise macht den Band zusammen mit der Darstellung konkreter Handlungsmöglichkeiten für den Umgang mit Antisemitismus zu einem unverzichtbaren Begleiter für Unterrichtsgestaltung und das soziale Miteinander an Schulen und darüber hinaus.

Julia Bernstein (2021): Israelbezogener Antisemitismus. Erkennen – Handeln – Vorbeugen, Weinheim: Beltz-Juventa. Inhaltsverzeichnis und Leseprobe.

Antisemitismus ist dem gesellschaftlichen Ideal nach geächtet. Und dennoch besteht er fort und findet als »Kritik« getarnte und dadurch scheinbar legitimierte Dämonisierung Israels eine weite Verbreitung.
Julia Bernstein führt präzise in das Phänomen des israelbezogenen Antisemitismus ein und stellt diesem konkrete Handlungsempfehlungen und Argumentationshilfen entgegen. So schafft sie die Grundlage für Fachkräfte innerhalb der Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, um stereotypes Alltagswissen über den Nahostkonflikt als solches zu offenbaren, Mythen zu demaskieren – und Antisemitismus zu verunmöglichen.

Bernstein, Julia; Diddens, Florian (2022): Israelbezogener Antisemitismus in Bildungskontexten. In: Grimm, Marc/Müller, Saskia/Rethmann, Anne/Baier, Jakob und Bauer, Ullrich (Hg.): Wissenschaftliche Einordnung und Ausarbeitung eines Rahmenkonzeptes für das ZADA Pilotprojekt. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, 39–54. Volltext

Bernstein, Julia/Grimm, Marc/Müller, Stefan (Hg.) (2022): Schule als Spiegel der Gesellschaft. Antisemitismen erkennen und handeln, Frankfurt: Wochenschau-Verlag
Inhaltsverzeichnis und Leseprobe.

Erst wenn die Stimmen von Jüdinnen und Juden ernst genommen werden, können die Verletzungen, Diskriminierungen und sozialen Legitimationen von Antisemitismen, deren Auswirkungen auf jüdische Identitäten und auf die Gesellschaft verändert werden. Das vorliegende Buch schlägt daher einen Paradigmenwechsel auf jüdische Perspektiven vor. Auf dieser Grundlage werden Möglichkeiten diskutiert, durch Bildung zum Erkennen und Handeln gegen Antisemitismen, zu Mündigkeit und gleichberechtigter Teilhabe an Gesellschaft zu befähigen.

Reihe Antisemitismus und Bildung, Frankfurt: Wochenschau-Verlag (Hrsg. von Marc Grimm und Stefan Müller)

Die Reihe Antisemitismus und Bildung umfasst Analysen und Forschungen zur Aufklärung, Prävention und Intervention von Antisemitismus in Bildungskontexten. Die Buchreihe ist offen für theoretische, empirische und fachdidaktische Beiträge, die Bildungsmaßnahmen gegen Antisemitismus in der Politischen Bildung umfassen.

Band 1: Marc Grimm/Stefan Müller (Hg.) (2021): Bildung gegen Antisemitismus. Spannungsfelder der Aufklärung. Frankfurt: Wochenschau-Verlag, Leseprobe  (zugleich erschienen als Sonderausgabe bei der Berliner Landeszentrale für politische Bildung)

Band 2: Julia Bernstein/Marc Grimm/Stefan Müller (Hg.) (2022): Schule als Spiegel der Gesellschaft. Antisemitismen erkennen und handeln, Frankfurt: Wochenschau-Verlag

Band 3: Kumar, Victoria/Dreier, Werner/Gautschi, Peter/Riedweg, Nicole/Sauer, Linda/Sigel, Robert (2022): Antisemitismen – Sondierungen im Bildungsbereich, Frankfurt: Wochenschau-Verlag

Band 4: Jakob Baier/Marc Grimm (Hg.) (2022): Antisemitismus in Jugendkulturen. Erscheinungsformen und Gegenstrategien, Frankfurt: Wochenschau-Verlag

Band 5: Julia Bernstein/Florian Diddens (Hg.) (2022): Antisemitische Kontinuitäten in Bildern. Eine Handreichung zum Erkennen und Handeln, Frankfurt am Main: Wochenschau-Verlag (erscheint Mitte 2022)

Band 6: Marc Grimm/Jakob Baier (Hg.) (2022): Antisemitismus und Gangsta-Rap. Empirische Ergebnisse und Möglichkeiten der Prävention, Frankfurt: Wochenschau-Verlag (erscheint Mitte 2022)

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letzte Änderung: 22.09.2022