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Online-Ringvorlesungsreihe: Gender und Nachhaltigkeit

am Gender und Frauenforschungszentrum der hessischen Hochschulen (gFFZ)

Spätestens seit ‚Fridays für Future’ ist Nachhaltigkeit als zentrale Entwicklungsaufgabe für die gesellschaftliche Zukunftssicherung öffentlich anerkannt. Parteien werben mit nachhaltigen Programmen, Unternehmen preisen ihren geringen ökologischen Fußbadruck an und alternative Energien werden ausgebaut, elektrische Autos gesponsert und Verbraucher*innen bemühen sich um nachhaltigen Konsum. Die Covid-19-Pandemie hat zudem die Risiken weltumspannenden Wirtschaftens und Reisens sowie die Dringlichkeit sozialer Ungleichheitsfragen noch einmal auf die Agenda gebracht. An vielen Stellen in Politik, Wirtschaft, Ernährung, Mobilität, Bildung und im Wohnungsbau passieren Vorstöße auf dem Weg zu sozial-ökologischer Nachhaltigkeit.

Die öffentliche Debatte um Nachhaltigkeit wird bislang jedoch weitgehend geschlechtslos geführt. Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber, dass Fragen menschlichen (Über-)Lebens auf dem Planeten Erde in Geschlechterverhältnisse eingebettet sind und folglich vor diesem Hintergrund betrachtet werden müssen. Die Ringvorlesung greift diese Perspektive auf und fragt danach, welche Rolle das Geschlecht nicht nur in der sozial-ökologischen Krise, sondern auch bei den Versuchen ihrer Bewältigung spielt. Wie werden auf dem Weg der sozial-ökologischen Wende Geschlechter(un-)ordnungen reproduziert oder transformiert? Wie hängt die Verteilung unterschiedlicher Ressourcen mit Machtasymmetrien zwischen den Geschlechtern zusammen? Wie kann Feminismus bei einer nachhaltigen Zukunftssicherung helfen? Die Referentinnen greifen diese und andere Fragen in ihren Vorträgen und Diskussionen auf und stellen darüber hinaus den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse für die gesellschaftliche Handlungspraxis her.

Zum Programm

Die Vorträge finden jeweils von 16:00-18:00 Uhr online statt.

Die Veranstaltung ist öffentlich. Bitte melden Sie sich verbindlich zu den jeweiligen Terminen bis spätestens drei Tage vor der jeweiligen Veranstaltung an. Die Zugangsdaten für den virtuellen Konferenzraum schicken wir den angemeldeten Personen kurz vor der Veranstaltung zu.

Informationen zu den Einzelveranstaltungen

PD Dr. Diana Hummel (Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)

Kurzbeschreibung:

Der Vortrag geht der Frage nach, wie sich die Genderforschung auf die Debatte um Nachhaltige Entwicklung bezieht. Dazu wird die Entwicklung der Diskussion um Nachhaltigkeit in der Geschlechterforschung rekonstruiert und deutlich gemacht, dass Fragen einer nachhaltigen Entwicklung schon früh in der feministischen Debatte und Genderforschung adressiert wurden. Dazu werden wesentliche Diskurslinien aufgezeigt – vom Ökofeminismus über Forschungen zu Gender & Environment, die Diskussion um die Sustainable Development Goals (SDG)/ Agenda 2023 bis hin zu intersektionalen Perspektiven auf den Zusammenhang von Klimawandel und Geschlechtergerechtigkeit. Anhand eines aktuellen Projektbeispiels aus der transdisziplinären sozial-ökologischen Forschung wird schließlich illustriert, wie Geschlechterforschung und feministische Zugänge nicht nur neue Problemstellungen, sondern auch Gestaltungsperspektiven eröffnen.

Kurzvita

PD Dr. Diana Hummel ist Politikwissenschaftlerin und seit 2014 Mitglied der Institutsleitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main. In ihrer aktuellen Forschung beschäftigt sie sich mit Fragen der Bevölkerungsdynamik und nachhaltigen Entwicklung, Biodiversitätskonflikten, Gender & Environment sowie mit Theorien und Konzepten gesellschaftlicher Naturverhältnisse im Anthropozän. Sie ist Privatdozentin am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Prof. Dr. Barbara Schramkowski (Hochschule Villingen-Schwenningen)

Kurzbeschreibung:

Im Vortrag werden Zusammenhänge der multiplen ökologischen Krisen (Klimakrise, Artensterben, Biodiversitätsverlust) mit strukturellen Geschlechterverhältnissen skizziert und so Facetten des Gender Climate Gaps verdeutlicht (bspw. Unterrepräsentanz von Frauen* in klimapolitischen Verhandlungen, stärke Betroffenheiten durch die Krisen). Dabei zeigt sich, wie eng dieser mit dem Gender-Care-Gap und weiteren Gender-Gaps verwoben ist. Auch deutlich wird, wie stark die ökologischen Zerstörungen mit patriarchalen Bildern von Männlichkeit und hiermit verwobenen Vorstellungen von unbegrenztem Wirtschaftswachstum und der ‚Normalität‘ der BeHERRschung sozialer und ökologischer Ressourcen zusammenhängen. So wird überlegt, wie Geschlechterverhältnisse (z.B. Formen feministischer Männlichkeiten) und Mensch-Natur-Beziehungen sich verändern müssen, um die Folgen der ökologischen Krisen abzumildern und was dies für individuelles und politisches Handeln (im Kontext Sozialer Arbeit) bedeutet und warum diese feministischere Welt für Menschen aller Geschlechter* und unsere ökologische Mitwelt besser ist.

Kurzvita:

Dr.in Barbara Schramkowski ist Professorin für Soziale Arbeit an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Villingen-Schwenningen und Leiterin des BA-Studiengangs 'Soziale Arbeit: Jugend-, Familien- und Sozialhilfe'. Ihre Schwerpunkte sind Rassismus(kritik), Geschlechtergerechtigkeit, Lebenslagen junger Menschen sowie Klimagerechtigkeit. Sie ist Sprecherin der Fachgruppe 'Sozialökologische Transformation und Klimagerechtigkeit in der Sozialen Arbeit' der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit und engagiert sich in der Klimagerechtigkeitsbewegung.

Prof. Dr. Daniela Gottschlich (Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung, Koblenz)

Kurzbeschreibung:

Der Vortrag gibt einen Überblick über die Debatten um Geschlechterverhältnisse und Nachhaltigkeit der letzten 30 Jahre und zeigt dabei auf, welches Potenzial Geschlechterforschung und -politiken für die sozial-ökologische Transformation bieten. Nachhaltigkeitsforschung und -politik sind dringend auf herrschaftskritische Perspektiven angewiesen, um die aktuellen Krisen zu bearbeiten. Anhand der übergeordneten Frage, was das Mit- oder Nicht-Mit-Denken von Geschlechterperspektiven für die Transformationsforschung und sozial-ökologische Transformation in Richtung Nachhaltigkeit jeweils bedeutet, zeigt der Vortrag Chancen, Verbindungen, Brüche und blinde Flecken im und zum Mainstream-Nachhaltigkeitsdiskurs auf. Insbesondere die naturwissenschafts- und technikkritischen Zugänge der Geschlechterforschung sowie die Ansätze der feministischen Ökonomik und Politischen Ökologie bieten wichtige Korrektive und Alternativen für die Realisierung einer sozial-ökologisch gerechten Welt, die es zu nutzen gilt.

Kurzvita:

Daniela Gottschlich hat Politikwissenschaft und Germanistik studiert und über nachhaltige Entwicklung aus kritisch-emanzipatorischer Perspektive promoviert. Sie ist Professorin für Nachhaltigkeit und Gesellschaftsgestaltung an der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung. Sie forscht und lehrt zu Widerständen gegen eine sozial-ökologische Transformation, Möglichkeiten einer Demokratisierung gesellschaftlicher Naturverhältnisse und was es braucht, um neue Ökonomien, die dem guten Leben aller dienen, hervorzubringen. Ihre transdisziplinäre Arbeit ist geprägt von feministischer Ökonomik und Politischer Ökologie. Sie ist u.a. Mitglied bei diversu e.V. und im Netzwerk Vorsorgendes Wirtschaften.

Barbara Thiessen, Regina Dackweiler, Dr. Corinna Dengler, Marie Reusch
Moderation: Ada von der Decken

Was muss getan werden, um Nachhaltigkeit und Genderaspekte zielführend zusammenzudenken? Welche Herausforderungen begegnen uns dabei – im Alltag wie auch in der Wissenschaft? Welche Akteur*innen sind hier gefragt, den Wandel anzustoßen und zu begleiten? Welche Umverteilung von Ressourcen ist dafür erforderlich? Fragen wie diese möchten wir in unserer Podiumsdiskussion aufgreifen, um mit Expert*innen aus den Gender- und Nachhaltigkeitswissenschaften Perspektiven für eine nachhaltige und gendergerechte Zukunft zu diskutieren.

Prof. Dr. Barbara Thiessen

Barbara Thiessen ist Professorin an der Universität Bielefeld für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Beratung und Geschlecht. Zuvor hatte sie eine Professur an der Hochschule Landshut für Gendersensible Soziale Arbeit inne und war am Grundsatzreferentin für Familienpolitik am Deutschen Jugendinstitut. Von 2016 bis 2022 war sie Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA). Vor 10 Jahren gründete sie den Initiativkreis Care.Macht.Mehr, eine interdisziplinäre Vernetzung im Feld der Caretheorien und -politiken in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte umfassen Beratung in Sozialer Arbeit und in Bildungskontexten, Geschlechterstudien im Kontext von Care und Familie, Theorien und Methoden gendersensibler Beratung sowie Organisationsdynamiken insbesondere im Hinblick auf Diversität und Gleichstellung.

Prof. Dr. Regina-Maria Dackweiler

Dr. phil. habil. Regina-Maria Dackweiler ist Professorin an der HS RheinMain, Fachbereich Sozialwesen mit dem Schwerpunkt „gesellschaftliche und politische Bedingungen Sozialer Arbeit“. Sie lehrt und forscht insbesondere zu Gewalt im Geschlechterverhältnis. Im aktuellen, vom BMBF geförderten Forschungsprojekt verfolgt sie gemeinsam mit einem interdisziplinären Team das Ziel, neue Wege der Prävention bei Gewalt in der Paarbeziehung im ländlichen Raum zu entwickeln und zu erproben, konkret mit Hilfe einer mehrjährigen, differenzsensiblen Öffentlichkeitskampagne sowie mit für die Problematik der Partnerschaftsgewalt entwickelten „Serious Games“ zur Sensibilisierung und Aktivierung des sozialen Umfeld von Betroffenen.

Dr. Marie Reusch

Dr. Marie Reusch ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet derzeit an der Uni Gießen. Sie forscht und lehrt aus einer feministischen Perspektive zu Themen an den Schnittstellen von gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen, Rechtsextremismus und sozial-ökologischer Transformation des Ernährungssystems.

Dr. Corinna Dengler

Corinna Dengler arbeitet als Universitätsassistentin (Postdoc) am Department für Sozioökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind in der heterodoxen Ökonomie und dabei insbesondere an der Schnittstelle von Feministischer Ökonomie und Ökologischer Ökonomie angesiedelt. Ihre kumulative Promotion zum Thema „Feminist Futures: Was Degrowth von feministischer Wissenschafts-, Wirtschafts- und Wachstumskritik lernt" hat sie 2020 an der Universität Vechta abgeschlossen. Sie ist seit im Koordinationskreis des Netzwerkes Feminisms and Degrowth Alliance (FaDA), im Vorstand des Vereins Vorsorgendes Wirtschaften e.V. und setzt sich auch in aktivistischen Kontexten für intersektionale Feminismen und Klimagerechtigkeit ein. 

Ada von der Decken

Ada von der Decken hat in Hamburg Politikwissenschaft und Journalistik studiert und anschließend beim Norddeutschen Rundfunk volontiert. Seitdem ist sie als freie Autorin für verschiedene Formate tätig u.a. für den NDR, das ZDF und den Deutschlandfunk. Zuletzt hat sie gemeinsam mit Kolleg*innen die neue Hamburger Gesprächsreihe „Echolot“ gestartet.

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letzte Änderung: 04.10.2022