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Online-Ringvorlesungsreihe: Digitalisierung und Gender

am Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen Hochschulen (gFFZ).

Der schnelle technologische Wandel und vor allem das Thema einer fortschreitenden Digitalisierung beschäftigen Wissenschaft und Gesellschaft in hohem Maße. Sichtbar wird dabei, dass sich in diesem Wandlungsprozess neue Fragen stellen, die nicht nur technischer Natur sind, sondern deren Beantwortung einen gesamtgesellschaftlichen Blick erforderlich macht. Dabei geht es um Aspekte wie gesellschaftliche Akzeptanz, soziale Ungleichheiten, demokratische Partizipation, Technikfolgenabschätzung vor allem im Kontext des Klimawandels und im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit oder ethische Dimensionen der digitalisierten Welt. Mit dieser Ringvorlesungsreihe wollen wir einen Aspekt besonders herausstellen: Technik ist auch vergeschlechtlicht. Digitalisierung unter einer Geschlechterperspektive zu betrachten bedeutet, die Perspektive von technischen Entwicklungen bis hin zu gesellschaftlichen Verhältnissen und Veränderungen zu erweitern, die auch durch technischen Wandel produziert und reproduziert werden. Zugleich bietet sie die Möglichkeit, neue Chancen zu erkennen und sichtbar zu machen, um nicht nur den technologischen, sondern auch den sozial-ökologischen Wandel hin zu einem nachhaltigen Miteinander voranzubringen.

Nach dem ersten Auftakt der Vorlesungsreihe im Sommersemester 2021 zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt unter einer Genderperspektive richten wir im Wintersemester 2021/22 den Blick auf die digital-technischen Prozesse und Artefakte selbst. Auch in digital-technische (Entwicklungs-)Prozesse und Artefakte sind vergeschlechtlichte Perspektiven eingeschrieben und beeinflussen ihre Anwendbarkeit, ihre Ergebnisse und ihren Nutzen. Sie sind nicht „neutral“, sondern strukturieren wiederum gesellschaftliche Realitäten und gesellschaftliche Lebensverhältnisse, brechen Geschlechterstereotype auf oder verstärken sie, ermöglichen Chancen oder produzieren neue Ausschlüsse und Herrschaftsverhältnisse. Unsere Referent*innen werden diese Themen in ihren Vorträgen am Beispiel der Mensch-Computer-Interaktion, der Algorithmen und der allgemeinen Technikentwicklung kritisch aufgreifen und Vorschläge für die Gestaltung von Lehre machen, die diese Aspekte berücksichtigt, mit dem Ziel, Technik vielseitiger, nutzer*innenfreundlicher, gesellschaftlich akzeptabler, nachhaltiger und demokratischer zu machen.

Kurzzusammenfassungen der Vorlesungen aus der Auftaktreihe im Sommersemester 2021 finden Sie auf unserer Homepage unter https://www.gffz.de/aktuelles/aktuelle-mitteilungen.

Alle Veranstaltungen des Wintersemesters 2021/22 im Überblick:

  • Mittwoch, 27. Oktober 2021: Wer macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt? Gender in der Informatik
    Prof. Dr. Nicola Marsden (Hochschule Heilbronn)
  • Mittwoch, 17. November 2021: Diskriminierung durch Algorithmen? Künstliche Intelligenz aus einer Geschlechterperspektive
    Nele Heise (Hamburg)
  • Montag, 13. Dezember 2021: Geschlechterforschung in der Technikentwicklung systematisch berücksichtigen
    Prof. Dr.-Ing. Corinna Bath (TU Braunschweig)
  • Montag, 17. Januar 2022: Digital gendergerecht lehren. Wie Genderthemen in die digitale MINT-Lehre integriert werden können.
    Dr. Sigrid Schmitz (HU Berlin)

Alle Veranstaltungen finden von 16:00 bis 18:00 Uhr statt. Änderungen des Programms bis hin zu Absagen sind möglich. Wir bitten um Verständnis.

Anmeldung

Die Veranstaltung ist öffentlich. Bitte melden Sie sich verbindlich zu den jeweiligen Terminen bis spätestens drei Tage vor der jeweiligen Veranstaltung an. Die Zugangsdaten für den virtuellen Konferenzraum schicken wir den angemeldeten Personen kurz vor der Veranstaltung zu.

Informationen zu den Einzelveranstaltungen

Fachvortrag mit anschließender Diskussion

Kurzbeschreibung:

IT durchdringt alle Lebensbereiche - und IT ist dabei nicht neutral, sondern (re-)produziert vergeschlechtlichte Vorstellungen und Strukturen unserer Gesellschaft. Im Vortrag wird gezeigt, wie sich unsere – häufig unbewussten – Wahrnehmungen von Männern und Frauen in den Prozessen der IT-Gestaltung und in IT-Anwendungen wiederfinden. Und es wird aufgezeigt, welche Stellschrauben es gibt, um Geschlechtergerechtigkeit in der Mensch-Computer-Interaktion zu unterstützen und an einer Welt zu arbeiten, die weniger Ausschlüsse produziert und mehr Teilhabe ermöglicht.

Referentin:

Prof. Dr. Nicola Marsden (Hochschule Heilbronn)

Prof. Dr. Nicola Marsden hat die Forschungsprofessur für Sozioinformatik an der Hochschule Heilbronn. Sie forscht in den Bereichen Innovation, Digitalisierung und Gender u.a. auf den Gebieten menschzentrierte Technikgestaltung, Agilität, Führung von Teams, Partizipation, künstliche Intelligenz, virtuelle Zusammenarbeit und Training. Sie leitet das Heilbronner Institut für Angewandte Marktforschung (H-InfaM) und ist stellvertretende Vorsitzende des bundesweiten Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit (kompetenzz.de).

Termin:
Mittwoch, 27. Oktober 2021, 16:00-18:00 Uhr

Ort:
Online-Veranstaltung

Kosten:
Die Teilnahme ist kostenlos.

Fachvortrag mit anschließender Diskussion

Kurzbeschreibung:

Zuverlässig, effizient, vorurteilsfrei - geht es um softwaregesteuerte Systeme, dann sind diese und ähnliche Begriffe häufig zu hören. Dabei weisen Studien seit Jahrzehnten in eine andere Richtung: Maschinen und Computeranwendungen, die Daten verarbeiten, bringen durchaus Fehlbarkeiten mit sich, mit teils schwerwiegenden Folgen. Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass gerade marginalisierte Gruppen davon besonders betroffen sind. In Zeiten zunehmender Digitalisierung setzt sich dieses Problem in immer mehr Gesellschaftsbereiche fort und kann (digitale) Ungleichheiten verstärken. Doch was bedeutet das, gerade aus Geschlechterperspektive? Sind vor Alexa alle gleich? Und warum heißt es überhaupt Alexa - und nicht Alex? 

Der Vortrag zeigt zum einen auf, an welchen Stellen algorithmengesteuerte, KI-basierte Technologien eingesetzt werden und Diskriminierungsrisiken darstellen. Ergründet werden soll unter anderem, wie genderbezogene Bias in Computeranwendungen entstehen, was sich dagegen unternehmen lässt und welche Gruppen und Initiativen dabei eine Rolle spielen.

Referentin:

Nele Heise (Hamburg)

Nele Heise, M.A., ist freie Medienforscherin und Referentin für digitale Kommunikation; zuvor war sie Junior Researcher am Leibniz-Institut für Medienforschung, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg und der Leuphana Lüneburg. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sind die ethischen Herausforderungen der Digitalisierung. Neben Publikationen zur Ethik der Onlineforschung und Algorithmen-Ethik, engagiert sie sich in der Aufklärungsarbeit zum Thema. Dazu zählen zahlreiche Medienauftritte, Vorträge, Workshops, Performance- und Theaterprojekte sowie die Mitarbeit im BMJV-geförderten Storytelling-Projekt “ANNA - das vernetzte Leben” (iRights e.V.) zu Algorithmen und KI im Verbraucheralltag. Seit Frühjahr 2021 ist sie für die Impfkampagne der Stadt Hamburg tätig. 

Termin:
Mittwoch, 17. November 2021, 16:00-18:00 Uhr

Ort:
Online-Veranstaltung

Kosten:
Die Teilnahme ist kostenlos.

Fachvortrag mit anschließender Diskussion

Kurzbeschreibung:

Zahlreiche Fallstudien haben in den letzten Jahrzehnten aufgezeigt, wie Geschlechterwissenschaften in der Technikentwicklung zu diskriminierungsfreien, sozial gerechten und gesellschaftlich erforderlichen technischen Produkten beitragen kann. Der Vortrag fokussiert die daraus begründeten methodischen Ansätze zur Technikentwicklung und diskutiert Herausforderungen, wie diese Ergebnisse systematisch und interdisziplinär mit der Ingenieurwissenschaftlichen Forschung, Entwicklung und Lehre zusammengeführt werden können.

Referentin:

Prof. Dr.-Ing. Corinna Bath (TU Braunschweig)

Prof. Dr.-Ing. Corinna Bath ist Maria-Goeppert-Mayer-Professorin für Gender, Technik und Mobilität an der TU Braunschweig und Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Sie ist Sprecherin des interdisziplinären, hochschulübergreifenden Promotionsprogramms „Konfigurationen von Mensch, Maschine und Geschlecht (KoMMa.G)“. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Geschlechterforschung in Maschinenbau und Informatik, Wissenschafts- und Technikforschung (STS), sozial gerechte und ethische Gestaltung von Technologien, Feministische Theorie und Epistemologie, Inter- und Transdisziplinarität.

Termin:
Montag, 13. Dezember 2021, 16:00-18:00 Uhr

Ort:
Online-Veranstaltung

Kosten:
Die Teilnahme ist kostenlos.

Fachvortrag mit anschließender Diskussion

Kurzbeschreibung:

Sigrid Schmitz stellt in ihrem Vortrag das Open Access Portal Gendering MINT digital (https://www2.hu-berlin.de/genderingmintdigital/) vor. Aufbauend auf Ansätzen der Critical Technoscientific Literacy und des konstruktivistischen, elektronisch unterstützen Lernens stellt es Open Educational Resources für Studierenden in den MINT-Fächern zur Verfügung. Es enthält modular vernetzte Lerneinheiten mit integriertem Bildmaterial, animierten Videos und Podcasts sowie eingefügten Quizzen und Reflexionsaufgaben, die in Lehrveranstaltungen, Nachwuchsworkshops und Gleichstellungsinitiativen nach dem Prinzip des inverted classroom eingesetzt werden können. Ziel ist es, für die Genderrelevanz in den eigenen Fächern zu sensibilisieren und die Reflexionskompetenz in natur- und technikwissenschaftlich orientierter Genderforschung zu fördern. Diskutiert werden soll anhand des konkreten Beispiels, wie die Integration von Genderaspekten in der digitalen MINT-Lehre gelingen kann und was dafür erforderlich ist.  Referentin:

Dr. Sigrid Schmitz (HU Berlin)

Dr. Sigrid Schmitz, promovierte und habilitierte Biologin, lehrt und forscht seit mehr als 30 Jahren zu feminist STS; sie leitete 2017-2020 das Teilprojekt II im Verbund „Gendering MINT digital“ am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterforschung (ZtG) der Humboldt-Universität zu Berlin; 2000-2009 leitete sie Hochschuldozentin das Kompetenzforum Gender in Informatik und Naturwissenschaften [gin] an der ALU Freiburg; 2010-2015 war sie Professorin für Gender Studies an der Universität Wien; weitere Gastprofessuren an den Universitäten Graz, HU Berlin, Universität Oldenburg, Universität Köln.

Arbeitsschwerpunkte: feministische Science Technology Studies, Hirnforschung, Körperdiskurse, feministische Epistemologie.

Aktuelle Veröffentlichung zu Thema:

  • Both, Göde; Ebeling, Smilla; Günther, Felicitas; Herchenbach, Simon; Kraher, Anna; Schmitz, Sigrid (2021): Open Educational Resources entwickeln: Herausforderungen für Gendering MINT digital. In: Martina Erlemann und Sarah Huch (Hg.): Gender und Diversity in Lehre und Forschung der Naturwissenschaften: Ansätze, Befunde & Umsetzung. Springer VS (in press).

Termin:
Montag, 17. Januar 2022, 16:00-18:00 Uhr

Ort:
Online-Veranstaltung

Kosten:
Die Teilnahme ist kostenlos.

Zentrale WebredaktionID: 9604
letzte Änderung: 16.09.2021